Bundestagswahlkampf
Ex-Musterknabe macht Hessen-CDU Sorgen

Der bedrohlichste Gegner der Osthessen-CDU im Wahlkampf ist nicht die Opposition, sondern ein ehemaliges Parteimitglied: 2002 fuhr Martin Hohmann mit 54 Prozent das beste Erststimmenergebnis der CDU in Hessen ein. Es folgten seine Rede, die als antisemitisch aufgefasst wurde, und der Parteiausschluss. Nun kämpft Hohmann gegen die Leute, die früher seine eigenen waren, um den Wiedereinzug in den Bundestag.

HB FULDA. Für die CDU bewirbt sich der bisherige Parteisprecher Michael Brand um den Sitz. Doch der 31-Jährige, der von der Mehrzahl der Wahlplakate lächelt, hat es nicht leicht: Hohmann hat noch viele Anhänger in dem katholisch geprägten, konservativen Wahlkreis. Nicht selten passiert es, dass Menschen an seine Wahlstände kommen und danach fragen, wie sie Hohmann direkt wählen können.

Auch im Kreisverband der CDU gibt es noch Anhänger, die selbst bei der Nominierung Brands im Juni das Wort ergriffen. Zu diesem Zeitpunkt ließ Hohmann noch offen, ob er als Unabhängiger ins Rennen geht. Der 57 Jahre alte Jurist gab seine Entscheidung schließlich am 22. Juli bekannt - einen Tag, nachdem Bundespräsident Horst Köhler den Weg für eine Bundestagsneuwahl freigemacht hatte. "Erststimme Hohmann, Zweitstimme CDU" - so lautete zunächst seine Botschaft auf Wahlplakaten und im Internet. Inzwischen hat er den Slogan entschärft und wirbt mit "Erststimme Hohmann, Zweitstimme wie bisher".

Hohmann-Erststimmen kosten andere Parteien Zweitstimmen

Doch Paragraf 6 im Bundeswahlgesetz bestimmt, dass für die Verteilung der Sitze nach Landeslisten die Zweitstimmen der Wähler unberücksichtigt bleiben, die ihre Erststimme für einen im Wahlkreis erfolgreichen Einzelbewerber abgegeben haben. Das könnte die Union möglicherweise ein Abgeordnetenmandat kosten.

Viele der potenziellen osthessischen Unionswähler rätseln darüber, ob sie der CDU im Land schaden, wenn sie ihre Erststimme wieder dem früheren Wahlkreissieger geben und ihr zweites Kreuzchen bei der CDU - Landesliste setzen. Während die CDU in der Debatte um ein mögliches Stimmensplitting zwischen Brand und Hohmann von Wählertäuschung spricht, zeigte sich dieser zunächst ahnungslos. "Möglicherweise hätte ich mich anders entschieden, wenn ich das gewusst hätte", sagte Hohmann bei einer Podiumsdiskussion. Denn eigentlich wolle er der CDU ja nicht schaden.

Appell an den Abtrünnigen

Die hessische CDU-Spitze nimmt die Herausforderung keineswegs auf die leichte Schulter. Intern fallen schon mal nervöse Worte in Sachen Hohmann, auch wenn man sich von einem Sieg Brands überzeugt gibt: "Hohmann schafft höchstens zwölf Prozent", heißt es unter der Hand.

Der CDU-Bezirksverband Osthessen hat unterdessen sämtliche Kräfte mobilisiert. In einer Postwurfsendung unter dem Motto "Wir für Brand" setzen sich prominente Parteimitglieder für ihren Kandidaten ein. Zudem appellierte Bezirkschef Walter Arnold an Hohmann, seine Kandidatur zurückzuziehen. "Wenn sich Herr Hohmann dem bürgerlichen Lager weiterhin zurechnet, ist es nur konsequent, wenn er den Wahlkampf einstellt".

Gewinnt Brand, ist für die CDU die osthessische Welt in Ordnung. Gewinnt Hohmann, zieht zum ersten Mal ein direkt gewählter Parteiloser in den Bundestag. Theoretisch bleibt noch eine weitere Variante: Angesichts zweier streitender Männer könnte mit der Kandidatin der Sozialdemokraten, Claudia Blum, eine lachende Dritte die Wahl für sich entscheiden. Bei nur 35,2 Prozent Erststimmen für die SPD-Kandidatin vor drei Jahren würde das aber sogar die SPD selbst als Sensation empfinden.

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