Bundestagswahlkampf
Mit Idealismus ins Parlament

Jan-Marco Luczak kandidiert das erste Mal für den Bundestag. Er will Politik verändern, doch nicht um jeden Preis. Er hat einen Beruf, in den er jederzeit zurückkehren würde. Und Ideale, die er nicht dem parlamentarischen Betrieb unterordnen will. Damit steht der CDU-Kandidat aus Berlin-Tempelhof stellvertretend für eine ganze Politikergeneration, die jetzt neu ins Parlament einzieht. Ein Porträt.
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BERLIN. Eigentlich hat Jan-Marco Luczak seinen Traumberuf schon gefunden. Der 33-jährige promovierte Jurist arbeitet in einer großen Kanzlei am Berliner Gendarmenmarkt. Doch Luczak hat eine zweite Leidenschaft und die heißt Politik. „Wenn man mit etwas unzufrieden ist, gibt es zwei Möglichkeiten“, sagt Luczak. „Entweder man meckert nur und zieht sich zurück oder man macht mit und versucht, etwas zu ändern.“

Bundestagswahlkampf 1998. Luczak hat gerade sein Jurastudium an der Freien Universität Berlin begonnen. Die Stimmung im Land ist gegen Bundeskanzler Helmut Kohl, der das Land seit 16 Jahren regierte. Auch unter seinen Kommilitonen steht Luczak mit seiner Sympathie für den Bundeskanzler ziemlich alleine da. „Ich fand es einfach ungerecht, dass sämtliche Verdienste Kohls um Wiedervereinigung und europäische Integration plötzlich nichts mehr zählten.“ Und da Luczak niemand ist, der sich zurückzieht, versucht der damals 22-Jährige etwas zu ändern.

Über einen seiner Kommilitonen kommt Luczak zur Jungen Union. Er überlegt nicht lange und steigt direkt mit ein. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, sagt Luczak heute. In seinem Heimat-Stadtteil Tempelhof kämpft CDU-Kandidat Rupert Scholz um den Wiedereinzug in den Bundestag. Luczak stürzt sich in den Wahlkampf. Am Ende fehlen Scholz zwar 4 000 Stimmen für das Direktmandat, aber Luczaks Ehrgeiz ist geweckt.

„Wenn sich Marco einmal für eine Sache entschieden hat, dann steht er hundertprozentig dahinter“, sagt Roman Simon, langjähriger Freund und politischer Weggefährte. Simon und Luczak lernten sich Ende der 1990er Jahre in der Jungen Union kennen. An Luczak gefällt Simon vor allem dessen zupackende Art. Als die Geschäftsräume der Tempelhofer CDU renoviert werden mussten, schraubte und pinselte Luczak selbst. Um Nachwuchs für die Junge Union zu gewinnen, stand der Student Luczak um kurz vor acht vor den Schulen und verteilte Infomaterial. „Marco hat Führungsqualitäten“, sagt sein Freund. „Er kann die Leute motivieren und mitreißen.“

Der Weg an die kommunale Führungsspitze schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch rückblickend sagt Luzcak, das sei ihm gar nicht wichtig gewesen. „Die Frage, ob ich mal irgendwelche Ämter übernehmen würde, hat sich mir zu Beginn gar nicht gestellt.“ Doch wenn man viel Zeit investiere, müsse man sich irgendwann entscheiden, wie es politisch weitergehen soll.

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