Bundestagswahlkampf
SPD verpflichtet Agentur KNSK

Alle Hoffnungen der Genossen ruhten auf Werbeguru Frank Stauss. Doch nachdem der abgesagt hatte, war offen, wer die SPD im Wahlkampf 2017 begleiten soll. Nun ist mit KNSK endlich eine Agentur verpflichtet.
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BerlinRund neun Monate vor der Bundestagswahl 2017 hat die SPD endlich eine Agentur verpflichtet: Die Hamburger Werbeagentur KNSK wurde mit der Kampagne beauftragt. Das bestätigte KNSK-Managing Partner Detmar Karpinski dem Handelsblatt auf Anfrage. „KNSK steht als Agentur der SPD für den Bundestagswahlkampf 2017 fest“, sagte Karpinski. „Alles ist unter Dach und Fach.“

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley erklärte: „Wir haben uns entschieden, im Bundestagswahlkampf mit der Agentur KNSK zusammenzuarbeiten. KNSK ist eine so kreative wie professionelle Agentur, mit der die SPD bereits in vergangenen Wahlkämpfen erfolgreich zusammen gearbeitet hat. Wir freuen uns auf eine großartige Kampagne, auf einen tollen Wahlkampf.“

Die Suche war nötig geworden, nachdem Wahlkampf-Guru Frank Stauss von der Agentur Butter dem Willy-Brandt-Haus abgesagt hatte. KNSK war bereits für die SPD tätig, zuletzt 2014 beim Europawahlkampf für Martin Schulz – der neben SPD-Chef Sigmar Gabriel auch als Kanzlerkandidat im Gespräch ist. KNSK organisierte als Werbeagentur jedoch auch schon 1998 und 2002 die Wahlkämpfe für Gerhard Schröder.

Stauss hatte kürzlich erklärt, er wolle sich auf den NRW-Wahlkampf für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) konzentrieren. Zuvor hatte er jedoch einmal betont, dass es bei Bundestagswahlen normalerweise eineinhalb Jahre Vorlauf gebe, um nötiges Personal zu rekrutieren, die Situation zu analysieren und die Strategie mit der Partei zu erarbeiten. Etwa ein Dreivierteljahr vorher müsse ein konkreter Fahrplan existieren. Darauf konnte Stauss zuletzt nicht mehr hoffen.

Denn noch immer ist nicht klar, ob nun Gabriel als Kanzlerkandidat gegen Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) antreten wird oder doch Noch-EU-Parlamentspräsident Martin Schulz oder gar Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Die SPD will die Entscheidung über ihren Kanzlerkandidaten erst am 29. Januar in Berlin verkünden.

Die SPD war die einzige Partei, die noch keine Agentur für den Bundestagwahlkampf verpflichtet hatte. Die CDU beauftragte Jung von Matt, die Grünen setzen auf „Ziemlich Beste Antworten“ (ZBA), die Linkspartei geht mit ihrer alten Agentur DiG/Trialon ins Rennen. Die FDP verpflichtete „Heimat“.

Nur bei den Sozialdemokraten gingen die Dinge lange nicht voran. Das hatte auch erfahrene Werber erstaunt. „Stand heute weiß die SPD noch nicht, mit wem sie die Wahlkampagne umsetzen wird. Im letzten Wahlkampf stand schon im Januar 2012 fest, mit welcher Agenturkonstellation man 22 Monate später in den Wahlabend gehen wird. Im Bundestagswahlkampf im September 2009 saßen wir schon ab Oktober 2008 in einer voll ausgestatteten Kampa zusammen“, schrieb etwa Mathias Richel Mitte November in seinem Blog. Richel zeichnete bei der vergangenen Bundestagswahl 2013 für den Online-Wahlkampf der SPD verantwortlich und war zuvor bei anderen SPD-Kampagnen dabei.

Bei der Bundestagswahl 2013 mit Peer Steinbrück war die SPD mit der Agentur Super J+K ins Rennen gegangen, einem Zusammenschluss der PR-Agentur Johanssen + Kretschmer mit der Werbeagentur Super. Die damalige SPD-Generalsekretärin und Wahlkampfleiterin und heutige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles soll enge Verbindungen zu Agentur-Chef Heiko Kretschmer gehabt haben.

Die nun ausgewählte Agentur KNSK kann indes auch auf eine enge Verbindung vertrauen: Agentur-Chef Karpinski und Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig haben bereits einige Kampagnen gemeinsam bestritten. Machnig ist legendärer SPD-Wahlkämpfer – und enger Vertrauter von SPD-Chef Gabriel.

Doch ob KNSK nun erfolgreich sein wird, sehen Experten kritisch. „Eine Kreativagentur ist ein Dienstleister, der gut oder schlecht agiert, je nachdem ob der Kunde sortiert ist und eine klare Strategie hat“, sagte ein erfahrener SPD-Parteistratege dem Handelsblatt. „Zentral ist immer die Politik und eine klare Führungslinie.“

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