Bundesversammlung
Köhler will sich nicht selbst wiederwählen

Bundespräsident Horst Köhler verzichtet auf einen Platz in der Bundesversammlung und damit auf die Möglichkeit, sich am 23. Mai als Staatsoberhaupt selbst wiederzuwählen. Köhler erteilte der CDU-Fraktion in Baden-Württemberg, die ihn ganz oben auf die Wahlliste gesetzt hatte, eine Absage. Und noch eine Überraschung gab es bei der Nominierung der Wahlmänner- und Frauen.

HB STUTTGART. Die Nachricht schlug in der CDU-Fraktion in Stuttgart ein wie eine Bombe. „Bundespräsident Köhler will nicht in der Bundesversammlung wählen.“ Wie das? Die Landtagsfraktion hatte Köhler doch erst kurz vorher nominiert. Sie setzte den in Ludwigsburg aufgewachsenen Präsidenten ganz oben auf die Liste für die Bundesversammlung am 23. Mai, in der er sich hätte selbst wählen können. Und nun: Fehlanzeige! Ein Sprecher von Köhler erklärte das in Berlin so: „Als amtierender Bundespräsident möchte er diese ehrenvolle Aufgabe nicht wahrnehmen.“

Wie zerknirscht man in der Fraktion über diese Absage war, zeigte das Wörtchen „soeben“ in der offiziellen Erklärung vom Dienstagabend. „Soeben“ und leider nicht früher hatte man in Stuttgart davon erfahren. „Wir respektieren selbstverständlich diese Entscheidung unseres Staatsoberhaupts“, hieß es weiter. Dabei hätten die Schlagzeilen zur Nominierung der Wahlfrauen und -männer ganz anders lauten können. Zum Beispiel: „CDU in Baden-Württemberg will Köhler durchboxen“ - schließlich hatte die Fraktion auch die frühere Box-Weltmeisterin Regina Halmich (32) aus Karlsruhe für die Bundesversammlung engagiert.

Doch Köhler machte der CDU einen Strich durch die Rechnung. Die Absage kam vor allem deswegen überraschend, weil die Fraktionen immer großen Wert darauf legen, die Nominierungen vorher mit den Betroffenen genau abzusprechen. Aber CDU-Landtagsfraktionschef Stefan Mappus wird wohl zu der Panne schweigen. Knapp elf Wochen vor der Bundespräsidentenwahl würde jede Kritik aus den eigenen Reihen den Amtsinhaber beschädigen.

Schließlich ist Köhlers Sieg gegen die SPD-Kandidatin Gesine Schwan nicht vollkommen gesichert. Zwar haben Union und FDP in der Bundesversammlung die meisten Stimmen, aber nicht die absolute Mehrheit, die in den ersten beiden Wahlgängen für eine Wiederwahl Köhlers erforderlich ist. Im dritten Wahlgang würde dann aber die relative Mehrheit reichen - vorausgesetzt alle von Union und FDP nominierten Wahlfrauen und -männer wählen ihn.

Eine zweite Überraschung war auch die Kür von Regina Halmich. Bis zuletzt hatten sich Gerüchte gehalten, die Union setze vor allem auf Politprofis, um Köhlers Wahl auf keinen Fall zu gefährden. Diese Vermutung geht unter anderem auf eine Äußerung von CSU-Chef Horst Seehofer zurück, der Anfang des Jahres erklärt hatte, seine Partei werde in diesem Jahr nicht auf „Paradiesvögel“ setzen. Damit meinte er offensichtlich Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die vor fünf Jahren als CSU-Wahlfrau für die SPD-Kandidatin Schwan gestimmt und dies auch noch öffentlich bekannt hatte.

Außerdem setzt die Südwest-CDU noch auf zwei weitere prominente Gesichter: Sterne-Koch Harald Wohlfahrt und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. „Wir gehen natürlich davon aus, dass die Nominierten für Herrn Köhler stimmen“, sagte ein Sprecher der CDU- Landtagsfraktion zu der Liste von insgesamt 39 Personen. Dagegen geht der Regierungspartner FDP auf Nummer sicher und entsendet nur Politprofis nach Berlin.

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