Bundeswehr
Bloß nicht ballern

Galt die Bundeswehr früher noch vor allem als ein sicherer und solider Arbeitgeber, nimmt die Zahl der Bewerber inzwischen ab – nicht zuletzt wegen der riskanteren Auslandseinsätze. Daher ist der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs hoch. Wie die Bundeswehr mit Strategiespielen in Schulen den Sinn der Wehrpflicht erklärt und nebenbei an ihrem Image feilt.

DÜSSELDORF. In wenigen Minuten muss sie fallen, die Entscheidung über Krieg und Frieden. Arabien hat seine Truppen längst mobilisiert, Afrika die USA um Unterstützung geben. Es geht um Wasser, genauer gesagt um den Nil.

„Die Afrikaner entziehen dem Fluss so viel Trinkwasser, dass wir unsere Bürger nicht mehr ausreichend versorgen können“, sagt Mazlum Kaysalak, Staatsminister von Arabien. Die Verhandlungen zwischen den Regionen sind gescheitert, nur die UN-Vollversammlung kann jetzt noch das Säbelrasseln stoppen. Doch die Völkergemeinschaft schweigt. „Will wirklich niemand etwas sagen?“ fragt der stellvertretende Generalsekretär – eine Antwort bleibt aus.

Kurz vor dem ersten Knall greift die Bundeswehr ein. Doch nicht mit Friedenstruppen wird der Konflikt vorerst beigelegt, sondern mit den warnenden Worten eines Hauptmanns. „Es wird gleich noch eine Sondersitzung des Sicherheitsrates geben“, sagt Marco Tkotz, einer der 94 Jugendoffiziere bei der Bundeswehr und einer der wenigen Uniformierten im Raum. „Dort wird das Problem mit Sicherheit gelöst“, sagt er.

Denn statt echter Vertreter aus Afrika und Arabien stehen sich zwei Schüler der 13. Jahrgangsstufe der Neusser Gesamtschule An der Erft gegenüber. Drei Tage lang schlüpfen die 32 angehenden Abiturienten in der Bergischen Kaserne im Düsseldorfer Norden in die Rollen von Regierungschefs, Wirtschaftsminister, vertreten die Interessen von Weltbank, Greenpeace oder arbeiten als internationale Reporter. „Pol & IS“, als Kurzform für „Politik und Internationale Sicherheit“, nennt die Bundeswehr dieses Strategiespiel, an dem bundesweit allein im vergangenen Jahr 375 Gruppen, bestehend aus Schülern, Studenten oder Auszubildenden, teilgenommen haben.

Ziel des Spiels ist es, jungen Menschen das komplizierte Zusammenspiel zwischen Staaten näher zu bringen, sagt Tkotz. Die Teilnehmer sollen begreifen, wie schwierig es mitunter ist, Lösungen zu finden, und dass Probleme meistens nur gemeinsam effektiv bekämpft werden können. Ganz bewusst werden dazu auch reale Konflikte nachgestellt.

Der Jugendoffizier nimmt dabei in der Pol-&-IS-Welt die Rolle des „guten Gewissens“ ein. Tkotz strahlt nicht nur Ruhe aus, sondern berät die Schüler, wenn eine Situation zu brenzlig wird, und versucht, Lösungswege aufzuzeigen. Fast unbemerkt steuert er dabei aber auch das Spiel. Immer mal wieder stellt er den Teilnehmern neue Aufgaben: Mal löst eine Hungersnot in Afrika eine Flüchtlingswelle aus, dann machen sich in Asien Rebellen breit. In Osteuropa muss der Menschenhandel bekämpft werden, und in den USA legt ein Computervirus die Bankenbranche lahm.

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