Bundeswehr
Deutschland verstärkt Truppen vor Wahl in Afghanistan

Deutschland verstärkt seine Truppen in Afghanistan um 600 Soldaten. Die zusätzlichen Kräfte sollten die für Herbst geplante Präsidentenwahl absichern, aber auch die schnelle Eingreiftruppe in Kundus unterstützen

HB KRAKAU. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte am Rande eines Treffens mit seinen Nato-Kollegen in Krakau, es sei noch offen, wann die Aufstockung beginnen und wie lange sie dauern soll. Er verwies darauf, dass der als Wahltermin angepeilte 20. August noch nicht endgültig feststeht. Die Nato-Verteidigungsminister beraten bis Freitag über ein stärkeres Engagement am Hindukusch.

US-Präsident Barack Obama hatte vor einigen Tagen die massive Verstärkung der US-Truppen um 17 000 Soldaten angekündigt. Im Gegenzug erhoffen sich die USA allerdings auch deutlich mehr Unterstützung ihrer Verbündeten - sei es durch die Entsendung zusätzlicher Truppen oder durch mehr Hilfe beim zivilen Aufbau und der Polizeiausbildung. Für die neue US-Regierung ist es der erste Auftritt bei einem Nato-Treffen. Verteidigungsminister Robert Gates war allerdings auch schon unter George W. Bush im Amt.

Jung begrüßte die Initiative Obamas und verwies darauf, dass Deutschland die Hilfe für Afghanistan bereits von 80 auf 170 Millionen Euro aufgestockt habe. Die Kommandeure vor Ort müssten nun in Absprache mit den Stammesältesten herausfinden, welche Hilfe die Einheimischen brauchten. Nur so ließen sich die Herzen der Menschen gewinnen, sagte er.

Zugleich wandte sich Jung allerdings gegen Bestrebungen seines US-Kollegen, die schnelle Eingreiftruppe der Nato zeitweilig zur Absicherung der Wahl nach Afghanistan zu schicken. "Die NRF (Nato Response Force) sollte nicht als Reserve in Betracht kommen", warnte der deutsche Minister. Die Truppe habe grundsätzlich andere Aufgaben. Der 25.000 Soldaten starke Verband existiert bisher hauptsächlich auf dem Papier, weil sich die Verbündeten nicht über seine Aufgaben einigen können.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer warb erneut für eine engere militärische Zusammenarbeit mit dem Nachbarstaat Pakistan, um den Konflikt in Afghanistan in den Griff zu bekommen. Pakistans Stabilität sei entscheidend für den Erfolg des Afghanistan-Einsatzes, sagte er in Krakau. Auch der politische Dialog müsse vertieft werden. Die Nato hatte sich vor einigen Tagen besorgt darüber geäußert, dass Pakistan die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, im Swat-Tal zugelassen hatte.

Großbritannien regte unterdessen die Gründung einer schnellen Eingreiftruppe allein zur Verteidigung Europas an. Der 3000 Mann starke Verband könne auch dann zum Einsatz kommen, wenn andere Nato-Truppen weit entfernt von Europa stationiert seien, sagte der britische Verteidigungsminister John Hutton der "Financial Times". Dies würde die osteuropäischen Nato-Staaten beruhigen, vor allem die Balten, die über den russischen Einmarsch in Georgien im Herbst schockiert waren. Wenn diese Front abgedeckt sei, würden hoffentlich auch mehr Truppen für Afghanistan frei.

Die Entsendung 600 weiterer Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan ist durch das bisherige Bundestagsmandat gedeckt, nach dem bis zu 4500 deutsche Soldaten an den Hindukusch geschickt werden können. Derzeit ist die Bundeswehr dort mit knapp 3600 Soldaten im Einsatz. Auch Italien hat zugesagt, 500 zusätzliche Soldaten zur Verfügung zu stellen. Ein geordneter Ablauf der Wahl ohne schwerwiegende Störungen durch die islamistischen Taliban gilt als entscheidend für die weitere Entwicklung Afghanistans.

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