Bundeswehr erhält neues Gewehr
Von der Leyen sortiert G36 aus

Die Verteidigungsministerin hat sich entschieden: Eine Verbesserung des Sturmgewehrs kommt nicht infrage, das neue Standardgewehr wird europaweit ausgeschrieben. Ein schwerer Rückschlag für den Hersteller Heckler & Koch.

BerlinEs ist eine weitreichende Entscheidung, über die Ursula von der Leyen am Dienstagmorgen die Verteidigungspolitiker des Parlaments informierte: Das G36, das Standardgewehr der Bundeswehr, werde komplett ausgetauscht. Ein Nachfolger des Sturmgewehres des schwäbischen Herstellers Heckler & Koch solle nun per europaweiter Ausschreibung gesucht werden.

„Wir haben uns im Einvernehmen mit der militärischen Führung für einen klaren Schnitt entschieden. Nach fast 20 Jahren G36 wollen wir eine neue Generation Sturmgewehr für die Bundeswehr beschaffen. Das neue System soll auch modernere Anforderungen erfüllen als ein punktuell verbessertes G36“, sagte Von der Leyen am Dienstag.

Die Verteidigungsministerin vollzieht damit einen Schritt, der sich bereits abgezeichnet hatte. Nach einem verheerenden Präzisionstest hatte von der Leyen im April verkündet: „Das G36 hat in seiner heutigen Konstruktion keine Zukunft mehr in der Bundeswehr.“ Damit hielt sie sich offen, ob nur die Konstruktion verändert werden könne oder ob das G36 durch ein anderes Gewehr ersetzt werden müsse.


Nun hat sie sich für die zweite, deutlich aufwändigere Alternative entschieden. Schließlich müssen nicht nur die rund 170.000 Exemplare im Bestand der Bundeswehr nach und nach ersetzt werden. Es müssen auch zahlreiche andere Ausrüstungsgüter angepasst werden, von den Halterungen in den gepanzerten Fahrzeugen bis zur neuen Gefechtsausrüstung für die Infanterie, die unter dem Namen „Gladius“ seit 2013 bei der Bundeswehr eingeführt wird.

Zur Begründung heißt es im Ministerium, die nötigen Modifikationen am G36 seien zu umfangreich gewesen, um es bei einer Produktverbesserung des Gewehres, das Mitte der 1990er-Jahre eingeführt wurde, bewenden zu lassen. Das G36 hatte im Test einer Gruppe von Experten im heißgeschossen Zustand und unter hohen Außentemperaturen erhebliche Präzisionsmängel gezeigt. Als Ursachen gelten die geringe Stärke des Laufes sowie das sich verformende Material zwischen Zielfernrohr und Lauf.


Für die Soldaten im Auslandseinsatz hatte von der Leyen bereits kürzlich eine Übergangslösung präsentiert: Dafür sollen 600 Sturmgewehre auf der Basis des bereits genutzten Gewehrs G27P von Heckler & Koch sowie als Ergänzung 600 leichte Maschinengewehre vom Typ MG4 beschafft werden.

Für Heckler & Koch ist die Entscheidung bitter, schließlich verliert das Unternehmen damit seinen Referenzkunden für das bislang im Export erfolgreiche G36. Der Mittelständler aus Oberndorf kann sich natürlich an der Ausschreibung für das neue Sturmgewehr beteiligen, er muss aber mit Konkurrenz aus anderen Ländern rechnen.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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