Bundeswehr-Gutachten
Von der Leyen beklagt handwerkliche Mängel

Gutachter bescheinigen dem Verteidigungsministerium und der Bundeswehr schwere Mängel und Misswirtschaft bei Großprojekten. Sie empfehlen Ministerin von der Leyen, die Industrie in die Pflicht zu nehmen.
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BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht handwerkliche Mängel auf Seiten der Bundeswehr und auch der Industrie als einen Grund für die vielen Ausrüstungsprobleme bei den Streitkräften. Diese Lage habe sich in Jahren, wenn nicht Jahrzehnten aufgebaut, sagte die Ministerin der ARD am Sonntag.

Unabhängige Gutachter bescheinigen dem Verteidigungsministerium und der Bundeswehr Medienberichten zufolge schwere Mängel und Misswirtschaft bei Großprojekten wie dem Militärtransporter A400M. In einer Studie, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Montag übergeben werden soll, werden nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ rund 140 Probleme und Risiken aufgeführt. Bemängelt werde vor allem, dass es der Regierung kaum gelinge, gegenüber der Industrie Termin-, Kosten- und Leistungsziele durchzusetzen.

Die Bestandsanalyse geht auf eine Initiative von der Leyens zwei Monate nach Amtsantritt zurück. Sie wollte damit angesichts immer wiederkehrender Probleme bei der Beschaffung und dem Management großer Rüstungsvorhaben Klarheit schaffen.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete zudem von Überlegungen, das umstrittene Drohnen-Projekt Euro Hawk „wieder aus der Garage zu holen“, um ein Aufklärungssystem damit zu testen. Das Verteidigungsministerium wollte zu den Berichten am Sonntag keine Stellung nehmen. Eine Sprecherin verwies lediglich auf die Übergabe der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und weiteren Autoren angefertigten Studie an von der Leyen.

Zu den Konsequenzen des am Wochenende bekanntgewordenen Gutachten über das Management von Rüstungsprojekten sagte von der Leyen: „Da kommt einiges an Arbeit auf uns zu". Es habe einerseits handwerkliche Fehler in der Bundeswehr, aber auch der Industrie über Jahre gegeben. „Und das sind gigantische Projekte", sagte sie.

„Es ist richtig, dass viele dieser Großprojekte viel zu spät kommen ... und sehr viel zu teuer sind", räumte von der Leyen ein. Für solche große Vorhaben sei die Bundeswehr überfordert gewesen, sagte sie und sprach auch von Regressforderungen. Von der Leyen bestätigte auch, dass das umstrittene Drohnen-Projekt Euro Hawk, das von ihrem Vorgänger Thomas de Maiziere gestoppt worden war, wiederbelebt werden könnte. In Euro Hawk sei eine Technologie, die man noch brauche.

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  • Das Drama der Bundeswehr - nächster Akt
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    Gutachter bescheinigen dem Verteidigungsministerium und der Bundeswehr schwere Mängel und Misswirtschaft bei Großprojekten.

    Hier wird ein rot-grüner Plan wahr. Sie waren schon immer für eine Abschaffung der Bundeswehr.
    Das wurde jetzt erreicht, indem sie totgespart wurde.
    Die Wehrplicht wurde abgeschafft, Mittel wurden gestrichen, Kasernen geschlossen.
    Das rächt sich jetzt!
    Plötzlich fordern alle, die Bundeswehr müsse mehr Verantwortung übernehmen.
    Aber das kann sie nicht. Ihr Arsenal ist marode.
    Und das wissen auch die Verbündeten. Deshalb verzichten sie dankbar auf Deutschland.

    Wie sieht es aus:
    ■ 180 Radpanzer vom Typ Boxer, davon 110 in Reparatur
    ■ 31 Exemplaren des Kampfhubschraubers Tiger im Buchbestand lediglich zehn stehen zur Verfügung
    ■ Beim Hubschrauber NH 90 sind es acht von 33
    ■ Das Transportflugzeug A400M lässt immer noch auf sich warten
    ■ Bei den Marinehubschraubern sind nur vier einsatzfähig
    ■ Die antiquierten Transall fallen entweder gleich aus oder schaffen es gerade einmal bis nach Gran Canaria
    ■ Eurofighter und Tornados sind ebenfalls nicht einsatzfähig

    Das ist die traurige Realität.
    2013 wurde n schon 500.000 Euro nicht abgerufen.
    2014 werden es wohl weitere 400.000 Euro sein.
    Summa summarum ist das eine geplante Misswirtschaft.

  • Die Frage, die ansteht ist, wie sie das managt. Hier hat sie offenbar, auf Grund ihrer großen Familie, ihren Vorgängern einiges voraus. ^^
    Scheinbar hatten diese ja den Überblick verloren oder hatten nie einen.

  • VdL hat gegenwärtig "auszubaden", was zu anderen Zeiten strukturell implementiert wurde.
    Vmtl dürften viele derzeit bemerken, dass anstehende Strukturveränderungen inzwischen nicht mehr weiter "vertagbar" sein dürften.

    Ohne mit VdL politisch übereinstimmen zu können, bleibt jedoch festzustellen, dass dieses Problem jeden hätte treffen müssen, der derzeit das Amt des Bundesverteidigungsministers ausübt.

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