Bundeswehr Hubschrauber-Umstellung wird teurer als geplant

Die Umstellung auf das neue Hubschraubermodell der Firma Airbus kommt die Bundeswehr teurer zu stehen als ursprünglich angedacht. In den Berechnungen von 2013 fehlen scheinbar einige Posten.
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Laut Medien soll die Bundeswehr 139 Hubschrauber der Modelle „Tiger“ (bild) und „NH90“ für das Heer sowie 18 „NH90“ in der Marine-Variante „Sea Lion“ erhalten. Quelle: dpa

Laut Medien soll die Bundeswehr 139 Hubschrauber der Modelle „Tiger“ (bild) und „NH90“ für das Heer sowie 18 „NH90“ in der Marine-Variante „Sea Lion“ erhalten.

(Foto: dpa)

BerlinDer Umstieg auf neue Marine-Hubschrauber der Firma Airbus kommt die Bundeswehr teurer zu stehen als ursprünglich geplant. Die Kosten für die Umstellung auf den "Sea Lion" erhöhten sich um knapp 430 Millionen Euro auf 1,38 Milliarden Euro, heißt es in einer Vorlage des Finanzministeriums für den Haushaltsausschuss, die Reuters am Montagabend vorlag. Grund für die Steigerung sei, dass nunmehr auch die indirekten Kosten der Bundeswehr für die Umstellung auf das neue Hubschraubermodell - etwa neue Hangars - und von den Streitkräften gewünschte spezielle Änderungen veranschlagt seien, die in der alten Berechnung von 2013 nicht ausgewiesen waren.

Der Kauf der 18 Marine-Hubschrauber ist ein Tauschgeschäft: Im Gegenzug nimmt die Bundeswehr für den unmittelbaren Einsatz nur 40 statt 80 Kampfhubschrauber des Typs Tiger und 80 statt 122 Transporthelikopter des Typs NH-90 ab. 22 weitere Tiger werden direkt stillgelegt und zur Ersatzteilgewinnung genutzt, zwei zusätzliche NH-90 dienen der Ausbildung. Ursprünglich wollte der Bund durch das Tauschgeschäft nach Angaben aus Sicherheitskreisen rund 200 Millionen Euro sparen. Verrechnet man diese Einsparung jedoch mit den höheren Kosten von 430 Millionen Euro, erhöht sich der Preis für die Umstellung real um gut 200 Millionen Euro.

Die Mängel der Maschinengewehre
Bundeswehr-Soldaten mit Maschinengewehr
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Das Sturmgewehr G36 ist nicht die einzige Waffe der Bundeswehr mit Problemen bei der Treffsicherheit. Beim Maschinengewehr MG5 sei „eine Überschreitung des vertraglich vereinbarten Abstandes des Mittleren Treffpunktes“ festgestellt worden, räumte das Verteidigungsministerium nach einem Bericht des „Spiegel“ ein. Das Maschinengewehr wird wie das G36 von Heckler & Koch produziert. Die Abweichung beim MG5 wurde vom Ministerium aber offensichtlich als verkraftbar eingestuft. Wegen der Streuung sei „eine Vertragsanpassung mit Preisreduzierung“ ausgehandelt worden.

Schraube locker
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Ein Teil der Gefechtshelme der Bundeswehr muss wegen einer mangelhaften Schraube zur Befestigung am Kopf aus dem Verkehr gezogen werden. Das Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, dass die Schraube nicht ausreichend gegen Splitter geschützt sei. Um eine mögliche Gefährdung der Soldaten im Einsatz auszuschließen, würden die Helme dort zuerst ausgetauscht. „Danach erfolgt auch der Austausch aller betroffenen Gefechtshelme für den Grundbetrieb im Inland“, heißt es in der Mitteilung. Nach einem Bericht des verteidigungspolitischen Blogs „Augen geradeaus!“ stammen die defekten Helme vom spanischen Hersteller Induyco.

Das Sturmgewehr G36 schießt angeblich schief
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Experten stellen dem umstrittenen Sturmgewehr G36 ein verheerendes Zeugnis aus. Dessen Trefferquote soll bei extremer Erhitzung stark sinken. Der Bundeswehrverband fordert daher einen schnellen Ersatz für das G36. Zwar vertrauten die Soldaten weiter ihrer Standardwaffe, sagte Verbandschef André Wüstner. Trotzdem erwarteten sie, dass als Konsequenz eine neue Waffe beschafft werde – und das wesentlich schneller als in den anvisierten zehn Jahren. Heute nimmt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor den Fachausschüssen des Bundestags zu dem Bericht Stellung.

Im Einsatz gegen den IS
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Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176.544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166.619 genutzt werden. Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht. Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben. 8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgegeben. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung.

Software-Panne bei Hubschraubern
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Eine schadhafte Software, mit der die Wartung der Maschinen überwacht und Ersatzteile beschafft werden, sorgte im Februar 2015 dafür, dass viele der Helikopter am Boden bleiben mussten. Nach einem Update waren die Daten so durcheinandergeraten, dass die Techniker nicht mehr nachvollziehen können, welche der Maschinen flugtauglich ist. Besonders betroffen von der Software-Panne ist der Bundeswehr-Transporthubschrauber NH 90. Das ist insofern besonders bitter, weil der wichtiger Bestandteil bei der schnellen Eingreiftruppe im Ukraine-Konflikt ist.

Ausfälle bei den Bordhubschraubern
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Auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine gab es erhebliche Ausfälle, wie ebenfalls im September 2014 bekannt geworden war. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit. Im Juni war laut einem Süddeutschen Zeitung vorliegenden internen Dokument in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt worden, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Unter Auflagen sind im Januar die ersten Sea Lynx wieder gestartet. Insgesamt ist der Zustand der Hubschrauber-Flotte besonders besorgniserregend. Der Stand einsatzbereiter Maschinen ist auf extrem niedrigem Niveau. Nach einer internen Statistik waren Ende des vergangenen Jahres nur elf Prozent aller Exemplare des Kampfhubschraubers Tiger startklar. Beim Transporthubschrauber NH 90 lag die Quote im Jahresmittel 2014 bei 17,45 Prozent.

Defekte Transall-Maschinen
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Die Panne sorgte im September 2014 für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen.

"Die mit der Rahmenvereinbarung gefundene Regelung ist aus Sicht des Ministeriums nicht optimal, aber die beste Lösung, die auf Basis der ungünstigen alten Vertragsposition verhandelt werden konnte", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Käme es zu keiner Einigung mit der Industrie, drohe der automatische Rückfall in den alten Vertrag. Dies gelte es aus Sicht des Ministeriums zu verhindern.

Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner kritisierte dagegen den geplanten Deal. "Ob die Bundeswehr mit dieser Vereinbarung wirklich ein gutes Geschäft macht, lässt sich doch sehr bezweifeln", erklärte er. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe das Abkommen nicht wesentlich verbessert. "Wer die Rahmenvereinbarung vor zwei Jahren schlecht fand, sollte ihr auch heute nicht zustimmen".

Nach Einschätzung von Insidern hätten die 430 Millionen Euro schon von Anfang an bei der Einigung der Vorgängerregierung mit der Industrie im März 2013 in den Berechnungen veranschlagt werden müssen. Dies sei nur deshalb nicht geschehen, um die wahre Höhe der Kosten zu verschleiern, warf ein Insider dem Ministerium vor. Der Haushaltsausschuss stimmt voraussichtlich Ende des Monats über das Projekt ab.

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4 Kommentare zu "Bundeswehr: Hubschrauber-Umstellung wird teurer als geplant"

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  • Warum versagen in Deutschland immer die "Experten"? Kein Termin, keine Kosten werden eingehalten. Ist dies Vorsatz oder Absicht bzw. handeln Sie auf Anweisung? Warum weigert man sich die "Experten" zur Rechenschaft zu ziehen, Gesamtvermögeneinzug und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.?

  • Wie dumm ist das denn? Da träumen immer noch Politiker von der Friedensdividende! Es ist aber nicht mehr zu leugnen, dass wir von Kriegsschauplätzen und multidimensionalen Bedrohungen eingekreist sind. Reduzierungen bei der Bestellung von wirksamem Gerät sind nicht zu begründen.

    Ob wir bei Airbus kaufen, oder bei Raytheon, Boeing, Lockheed oder anderen, ist schon wichtig. Erstens sind nur europäische Waffen 100%-ig berechenbar, und zweitens fließen von den Beschaffungsmilliarden jede Menge wieder in Form von Steuern zurück in die staatlichen Kassen. Also vorsicht mit Milchmädchen-Rechnungen.

    Letztlich ganz entscheidend wird es sein, die europäischen Partner zu einer abgestimmten Militär-Strategie, einschl. der Waffen- und Gerätebeschaffung, zu bewegen. Hier ist eine tatsächliche Einspar-Option drin. Alles andere würde ich als Lebens-Lüge einstufen.

  • Nichts Neues in der öffentlichen Auftragsvergabe. Dafür gibt es wahrscheinlich für die Gönner aus dem Ministerium irgendwann ein gut dotierten Posten oder Beratervertrag in der Wirtschaft.

  • Bundeswehr Hubschrauber-Umstellung wird teurer als geplant! Man muß sich schon fragen, was für Dilettanten bestellen die Ausrüstung für die Bundeswehr? Sind die Militärs im Vorfeld nicht mit einbezogen, welche Ausrüstung sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben an Hubschrauber benötigen? Die Bundesregierung, stellvertretend die Verteidigungsministerin/er sind nicht in der Lage die Bedürfnisse der Bundeswehr in die richtigen Bahnen zu lenken. Man muß unbedingt Flugzeuge und Hubschrauber von Airbus kaufen, warum? Es gibt erprobte Transportflugzeuge und Hubschrauber der USA und Russlands, mit denen deutsche Soldaten Erfahrung haben, warum bleibt man nicht bei den Bekanten Lieferranden? Airbus, ist für mich eine Erpresser Organisation, und die Bundeswehr sollte sich schleunigst von dieser Firma trennen. Richtiger Weg ist, die Bundeswehr benötigt folgendes Fluggerät, dann wird ausgeschrieben, und die Angebote geprüft, um anschließend der in Fragekommenden Firma den Auftrag zu erteilen einen Prototypen zu entwickel und zu bauen auf ihre Kosten, nur so spart man Steuergelder für die Bundeswehr. Basta.

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