Bundeswehr
Jung: Noch bis zu zehn Jahre Afghanistan-Einsatz

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung geht davon aus, dass der Bundeswehreinsatz in Afghanistan erst in fünf bis zehn Jahren erfolgreich beendet sein wird. Doch der Rückhalt in der Bevölkerung für den Einsatz sinkt.

HB BERLIN. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte aber am Mittwoch in Berlin, dies sei ein Zeithorizont, jedoch kein Endtermin für einen Abzug. Derweil sinkt der Rückhalt für den Einsatz: Laut einer Forsa-Erhebung für das Magazin „Stern“ fordern mittlerweile 61 Prozent der Bundesbürger den Rückzug der deutschen Soldaten.

Jung sagte dem Sender N24 auf die Frage, ob Deutschland bis zum Jahr 2020 heraus aus Afghanistan sei: „Davon gehe ich aus. In fünf bis zehn Jahren – das ist meine Botschaft.“ Je schneller die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte und Polizisten vorangetrieben werde, „desto schneller haben wir unser Ziel erreicht“, sagte der CDU-Politiker.

Ziel sei es, dass Afghanistan selbst in der Lage sein müsse, für seine Sicherheit zu sorgen. „Die Afghanen brauchen aus meiner Sicht etwa 134 000 Mann ausgebildete Streitkräfte und in etwa auch so viel Polizei.“ Die Hauptstadt Kabul sei sicherheitsmäßig schon an Afghanistan übergeben worden. Und der Plan sei jetzt, Distrikt nach Distrikt an Afghanistan zu übergeben.

Jungs Sprecher Thomas Raabe sagte: „Es ist richtig, dass wir im Hause der Meinung sind, dass wir uns einem Zeithorizont so stellen sollten.“ Die selbsttragende Sicherheit in Afghanistan sei ein Kriterium bei den Überlegungen für einen Termin für einen Rückzug. Wichtig seien daneben aber auch die wirtschaftliche Entwicklung im Land sowie verantwortungsbewusste Regierungsführung.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hält den Rückzug der Bundeswehr in den nächsten Jahren für möglich. Sein Sprecher Jens Plötner sagte, aus Sicht des SPD-Kanzlerkandidaten sei dies eine Frage, die sich in Jahren und nicht in Jahrzehnten abspiele.

Laut einer Forsa-Studie fordern mittlerweile 61 Prozent der Bundesbürger den Rückzug der deutschen Soldaten. Nur noch ein Drittel der 1 003 Befragten, nämlich 33 Prozent, ist der Ansicht, die Truppen sollten vor Ort bleiben.

Damit ist die Zustimmung zum deutschen Afghanistan-Einsatz in den vergangenen Jahren immer mehr gesunken. Bei einer Umfrage im März 2002 befürwortete noch eine große Mehrheit von 62 Prozent das Engagement am Hindukusch, nur knapp ein Drittel wollte damals einen Abzug der Soldaten. Im September 2007 war schon eine Mehrheit von 52 Prozent für einen Rückzug, im September 2008 waren es 59 Prozent. Die 61 Prozent der jüngsten Umfrage ist die bislang größte Mehrheit für eine Heimkehr der deutschen Soldaten.

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