Bundeswehr
Jung verzichtet auf Bombodrom in Brandenburg

Im jahrelangen Streit um das Bombodrom in Brandenburg gibt es eine überraschende Wende: Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verzichtet auf den Ausbau der brandenburgischen Kyritz-Ruppiner Heide zum größten Luft-Boden-Schießplatz der Bundeswehr in Deutschland.

HB BERLIN. Seine Entscheidung über das Bombodrom teilte Jung am Donnerstag in Berlin mit. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Ende März Urteile der Vorinstanz bestätigt und entschieden, dass auf dem Areal auch künftig keine Tiefflieger trainieren dürfen. Dagegen hätte Jung bis zum 13. Juli Revision einlegen können.

Seit rund 17 Jahren wird über die Nutzung des „Bombodroms“ in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock in Brandenburg gestritten. Die Bundeswehr wollte auf dem rund 14 000 Hektar umfassenden Gelände den größten deutschen Luft-Boden- Schießplatz errichten, das heißt Übungsbomben abwerfen und Tiefflüge üben. Anwohner und Tourismusbranche haben erbittert gegen die Pläne auf dem Gebiet im Norden Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg- Vorpommern gekämpft.

Ebenso wie die Regierungen und Landtage beider Länder befürchteten sie erhebliche Beeinträchtigungen des Tourismus, der eine bedeutende Einnahmequelle der strukturschwachen Region ist. Mehrfach scheiterte der Bund vor Gericht, hielt aber bis Donnerstag zunächst weiter an den Plänen fest. Zwei wesentlich kleinere Übungsgelände in Nordhorn (Niedersachsen) und Siegenburg (Bayern) sollten durch das „Bombodrom“ entlastet werden. Bei Wittstock sollte nach den ursprünglichen Plänen eine rund 800 Mann starke Garnison entstehen.

Das Wald- und Heidegebiet des „Bombodroms“ hatte bereits die Sowjetarmee nach 1946 genutzt. Bis zu 25 000 Mal im Jahr übte sie dort Bombenabwürfe. Dabei verloren Flugzeuge auch schon mal zu früh ihre Last oder stürzten ab, so dass Häuser beschädigt wurden.

Seit 17 Jahren protestieren Bewohner gegen die militärische Nutzung des Gebietes in Brandenburg. Die Tourismusbranche befürchtete Einbußen. Die Bundeswehr hat in dem seit gut 15 Jahren dauernden Streit inzwischen 27 Niederlagen vor Gericht kassiert.

Der Bundestag hatte sich am 2. Juli ebenfalls gegen das Bombodrom ausgesprochen. Die Abgeordneten folgten damit einem Antrag des Petitionsausschusses.

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