Bundeswehr
Keine schweren Waffen nach Afghanistan

Nach dem Angriff auf die deutsche Truppe in Afghanistan, bei dem drei Soldaten ums Leben kamen, diskutieren Poltiker über eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr. Eine Verlegung schwererer Waffen nach Afghanistan lehnt die Bundesregierung allerdings ab.

HB BERLIN. Bei einem Einsatz der Panzerhaubitze 2000 könnten zivile Opfer nicht ausgeschlossen werden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Mittwoch in Berlin. Zur Begründung verwies er darauf, dass die islamistischen Taliban ihre Raketen häufig aus normalen Gehöften abfeuerten. Auch eine Verlegung des Kampfpanzers Leopard II wäre das falsche Signal an die afghanische Bevölkerung, sagte er. Außerdem hätten die militärischen Verantwortlichen vor Ort solche Waffen nicht angefordert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Angriff nahe Kundus, bei dem am Dienstag drei deutsche Soldaten getötet wurden. Die Kanzlerin trauere um die Toten und spreche deren Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Bei dem Gefecht seien auch drei Angreifer getötet worden, sagte Raabe. Zuletzt seien verstärkt Kämpfer aus Pakistan in die Region Kundus eingesickert, um die Truppen dort in Gefechte zu verwickeln. Die Aufständischen versuchten, die Stimmung in Deutschland vor der Bundestagswahl zu beeinflussen. Außerdem spiele die afghanische Präsidentenwahl am 20. August eine Rolle. Die Bundeswehr werde sich jedoch nicht einschüchtern lassen. Die deutschen Soldaten hätten den Gegnern empfindliche Verluste zugefügt und bewiesen, dass sie Gefechte bestehen könnten.

Der Bundeswehrverband hatte nach dem Tod der drei Soldaten eine bessere Ausrüstung für Afghanistan gefordert. Es wäre hilfreich und "zum Schutze der Soldaten wünschenswert, wenn sie nicht erst von ihrem Dingo oder Fuchs absitzen müssen, mit Gewehr in Stellung gehen und dann zurückschießen, sondern Gefechtsfahrzeuge wie die Panzerhaubitze 2000 oder den Schützenpanzer Marder hätten, um aus größerer Distanz schießen zu können", sagte Verbandssprecher Wilfried Stolze dem "Tagesspiegel".

Die niederländische Armee setzt die Panzerhaubitze bereits am Hindukusch ein, kanadische Soldaten nutzen den Leopard II. Beide Länder haben sich zufrieden mit den schweren Waffen gezeigt. Die Bundeswehr hat in ihrem Hauptquartier im weitgehend friedlichen Masar-i-Scharif vier Marder-Schützenpanzer stationiert, die die Kommandeure vor Ort nach Angaben des Verteidigungsministeriums nach eigener Einschätzung einsetzen können.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge forderte unterdessen ein dauerhaftes Ruherecht für gefallene Bundeswehrsoldaten auf Friedhöfen. Die Gräber würden dann - ähnlich wie Ehrengräber - nicht nach 25 Jahren aufgehoben und auf Staatskosten gepflegt. „In diesen Friedenseinsätzen unter kriegerischen Bedingungen kann es nicht sein, dass wir den Tod eines Soldaten zu einem Berufsunfall herabsetzen“, sagte Volksbundpräsident Reinhard Führer. Deutschland sei den im Einsatz gefallenen Soldaten ein dauerhaftes Ruherecht schuldig, ergänzte Führer. Dafür müsse das Gräbergesetz geändert werden. Bisher stehe allein den Gefallenen der beiden Weltkriege nach internationalem Recht eine dauerhafte Ruhe zu.

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