Bundeswehr-Luftangriff
Jung soll Informationen zurückgehalten haben

Der Bundeswehr-Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster in Afghanistan bringt den früheren Verteidigungsminister Jung in Erklärungsnot. Offenbar hat das Verteidigungsministerium Informationen über zivile Opfer zurückgehalten. Mit Spannung wird daher erwartet wie Jung-Nachfolger zu Guttenberg heute im Bundestag auf die Vorwürfe reagieren wird.
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HB BERLIN. Der Bericht der „Bild“-Zeitung über zurückgehaltene Informationen zum Nato-Bombardement auf zwei Tanklaster nahe dem afghanischen Kundus schlägt politisch hohe Wellen. Unions- Fraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte im ARD-„Morgenmagazin“ am Donnerstag lückenlose Aufklärung. „Die ganz entscheidende Frage ist: War der damalige Verteidigungsminister von den Berichten der Feldjäger informiert? Wenn er dies nicht war, und die Führung der Bundeswehr und der Generalinspekteur hat das bewusst vorenthalten, hat das ganz automatisch personelle Konsequenzen“, sagte Kauder.

Der Fraktionschef nahm den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung in Schutz. „Ich gehe davon aus, dass er es nicht gewusst hat. Franz Josef Jung ist ein außerordentlich gewissenhafter Mensch. Er hätte nie und nimmer behauptet, es gebe keine zivilen Opfer, wenn er eine andere Information gehabt hätte.“ Sollte die Bundeswehr nicht ausreichend informiert haben, sei das ein „schweres Versäumnis“, sagte Kauder.

Die Bundeswehr soll nach dem Bericht der „Bild“-Zeitung wichtige Informationen über den Anfang September von einem deutschen Oberst angeforderten Luftangriff in Afghanistan vor der Staatsanwaltschaft zurückgehalten haben. Außerdem habe der damalige Verteidigungsminister Jung bereits viel früher über zivile Opfer informiert sein müssen als bisher bekannt, schreibt das Blatt unter Berufung auf vorliegende geheime Berichte der Bundeswehr.

Das Parlament berät am heutigen Donnerstag in erster Lesung über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats um ein Jahr innerhalb der internationalen Schutztruppe Isaf. Die Grünen wollen der Verlängerung mehrheitlich nicht zustimmen, wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin in einem Interview der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ ankündigte. Der Grünen-Politiker warf der Bundesregierung vor, sie wisse selber nicht, wie sie das deutsche Engagement in Afghanistan ausgestalten wolle, und erwarte eine Art Blankoscheck. „So kann man mit einem selbstbewussten Parlament nicht umgehen.“

Jungs Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat dem Bericht zufolge eine Untersuchung der Vorwürfe gegen Jung eingeleitet. „Sollten mir zu Kundus nicht alle relevanten Informationen aus der letzten Legislaturperiode vorgelegt worden sein, werde ich unverzüglich Konsequenzen ziehen müssen“, sagte er der Zeitung.

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