Bundeswehr
Mali-Einsatz könnte länger als ein Jahr dauern

Der Bundeswehreinsatz in Mali wird länger gehen als ein Jahr. Davon geht zumindest Verteidigungsminister Thomas de Maizière aus. Der Bundestag hatte am Donnerstag zwei Mandate für den Einsatz beschlossen.
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Berlin/BamakoDer Einsatz der Bundeswehr in Mali wird nach Ansicht von Bundesverteidigungsminister Thomas De Maizière (CDU) länger als ein Jahr dauern. Der Einsatz „kann und wird wohl länger dauern“, sagte de Maizière der „Bild am Sonntag“ einer Vorabmeldung vom Samstag zufolge. Der mögliche Tod eines Al-Kaida-Anführers in Mali schürte Furcht vor Racheaktionen gegen Geiseln.

Die malische Armee lasse sich „kaum in einem Jahr in einen guten Zustand versetzen“, sagte de Maizière. Obwohl die Bundeswehr in Mali nur unterstützend eingreift, schloss der Minister nicht aus, dass deutsche Soldaten ums Leben kommen könnten. „Die Sorge um Leib und Leben unserer Soldaten bei allen Einsätzen begleitet uns stets, und wir müssen die Bedrohungslage, zum Beispiel durch Sprengfallen, immer genau im Blick haben“, sagte er.

Der Bundestag hatte am Donnerstag zwei Mandate für den Einsatz der Bundeswehr in Mali beschlossen, wo die Regierung von islamischen Extremisten militärisch bedrängt wird. Bis zu 180 deutsche Soldaten sollen unter EU-Führung die geschwächte Armee Malis ausbilden. Weitere 150 Soldaten sollen der französischen Armee und ihren afrikanischen Verbündeten mit Transporthilfen und Luftbetankungen zur Seite zu stehen.

Nach dem Sturz der Regierung in Bamako durch unzufriedene Soldaten im März vergangenen Jahres hatten Islamisten den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Frankreich griff am 11. Januar militärisch ein und stoppte zusammen mit malischen Soldaten den Vormarsch der Islamisten Richtung Süden.

Malis Übergangsregierung kündigte für Juli die Wahl eines neuen Staatschefs an. „Der Monat Juli wurde für die Organisation von Präsidentschaftswahlen festgehalten“, sagte der Kabinettschef von Ministerpräsident Diango Cissoko, Boubacar Sow, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Nun würden „schnelle Antworten“ auf noch offene Fragen gesucht. Dabei gehe es etwa um die Rückkehr der staatlichen Verwaltung in den Norden Malis.

Zuvor hatte der tschadische Präsident Idriss Déby Itno den Tod eines der wichtigsten Anführer der Extremistengruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) bestätigt. Der Extremist Abdelhamid Abou Zeid sei am 22. Februar im Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis von tschadischen Soldaten getötet worden, sagte Déby bei einer Zeremonie für in Mali getötete Soldaten der tschadischen Armee. In Mali kämpfen rund 2000 Soldaten aus dem Tschad.

Der algerische Privatsender Ennahar TV hatte am Donnerstag berichtet, die Leichen Zeids und dutzender weiterer Islamisten seien von französischen Truppen im Norden Malis entdeckt worden. Am Samstag schrieb die Zeitung „El-Khabar“, Zeids Waffe sei identifiziert worden. Zeid, mit richtigem Namen Mohamed Ghdiri, ist ein etwa 40-jähriger Algerier, dessen Name erstmals im Jahr 2003 nach der Entführung von 32 europäischen Touristen in der algerischen Sahara auftauchte.

Aqmi hält seit September 2010 vier im Niger entführte Franzosen in seiner Gewalt. Der Großvater einer der Geiseln äußerte am Samstag Befürchtungen, dass der Tod Zeids diese in Gefahr bringen könnte. Die französische Regierung lehnt Verhandlungen mit den Entführern grundsätzlich ab. Mitte Februar wurde auch eine siebenköpfige französische Familie von Islamisten aus dem Norden Kameruns nach Nigeria verschleppt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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