Bundeswehr-Pläne: Nato-General Ramms kritisiert zu Guttenberg

Bundeswehr-Pläne
Nato-General Ramms kritisiert zu Guttenberg

Die Pläne von Bundesverteidigungsminister Guttenberg treffen auch in der Nato auf Kritik. Der deutsche General Egon Ramms zeigt sich verwundert über den „Alleingang“ Deutschlands, der „Einsatzrealitäten schaffen will“ ohne Rücksprache mit den Verbündeten zu halten. Auch die Heeresgröße sei im europäischen Vergleich indiskutabel.
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DÜSSELDORF. Der ranghöchste deutsche Nato-General, der Chef des Nato-Streikräfteführungskommandos Egon Ramms, hat im Interview mit dem Handelsblatt die Bundeswehrplanungen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisiert und wirft dem CSU-Politiker vor, seine Planungen ohne Abstimmung mit der Nato getroffen zu haben: „Ich bin erstaunt darüber, dass die Bundeswehr Planungen aufstellt, Strukturentscheidungen trifft und Einsatzrealitäten schaffen will, bevor der entsprechende Entscheidungsprozess und Beratungsprozess in der Nato abgelaufen ist. Dem dürfen wir nicht durch Alleingänge aus dem Weg gehen.“

Im Interview rügte der Vier-Sterne-General: „Es erstaunt mich schon, wenn man sich in Deutschland an der Streitkräftestärke von Ländern orientiert, die von Bevölkerung und Wirtschaftsleistung her schwächer sind als Deutschland. Wenn wir uns an solchen Ländern orientieren, ist etwas aus dem Lot geraten.“ Nach den Planungen zu Guttenbergs soll die Bundeswehr in Zukunft mit 163.500 Soldaten kleiner als die Armeen Frankreichs, Großbritanniens oder gar Italiens sein.

Ramms, der für die Koordinierung des gesamten Afghanistan-Einsatzes der Nato verantwortlich ist ,kritisiert, dass Strukturfragen der Bundeswehr am Afghanistan-Einsatz ausgerichtet werden. „Das halte ich für falsch.“

Der General, dem auch der amerikanische Isaf-Kommandeur in Kabul, David Petraeus, unterstellt ist, kritisierte auch den afghanischen Präsidenten Karzai für dessen jüngste Brüskierung der Nato, der Afghanistan-Einsatz habe "außer zivilen Opfern nichts gebracht". Karzai müsse sich jetzt entscheiden, "ob er die Taliban mehr schätzt als die Isaf und die dahinterstehenden truppenstellenden Nationen."

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich derweil noch nicht auf die endgültige künftige Truppenstärke der Bundeswehr festgelegt. Derzeit werde ein Modell erwogen, das von 163.500 Soldatinnen und Soldaten ausgehe – allerdings als Untergrenze, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin nach einer Anhörung im Verteidigungsausschuss zum Stand der Reform der Bundeswehr.

Auch bei einer auf diese Zahl reduzierte Mannschaftsstärke könne die Bundeswehr ihren Bündnisverpflichtungen nachkommen. Derzeit dienen in der Bundeswehr etwa 252.000 Soldaten. Guttenberg hat fünf Modelle für eine Bundeswehrreform vorgestellt. Er favorisiert die vierte Variante, nach der die Wehrpflicht nicht abgeschafft, aber ausgesetzt werden soll.

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