Bundeswehr-Reform: Die Truppe schrumpft schnell

Bundeswehr-Reform
Die Truppe schrumpft schnell

Für Verteidigungsminister de Maizière läuft alles nach Plan: Der Personallabbau bei der Bundeswehr kommt zügig voran. Doch unter der Reform leidet die Moral der Truppe. Sie kann viele Entscheidungen nicht nachvollziehen.
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BerlinDer Personalabbau im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr kommt zügig voran. „Nach derzeitigem Stand steht zu erwarten, dass die personellen Ziele der Neuausrichtung des Bundeswehr sowohl quantitativ als auch qualitativ über alle Statusgruppen erreicht werden können“, heißt es im ersten Zwischenbericht von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zum Stand der Reform. Der Bericht wird am heutigen Mittwoch im Bundeskabinett behandelt und liegt dem Handelsblatt bereits vor.

Laut dem Bericht fehlt nicht mehr viel, bis die Bundeswehr ihre Sollstärke von maximal 185.000 Soldaten erreicht: 190.517 Soldaten beschäftigen die Streitkräfte in diesem Frühjahr noch. Darunter sind 11.305 freiwillig Wehrdienstleistende, deutlich mehr als die angestrebte Mindestzahl von 5000. Die Befürchtungen, die Truppe bekomme nach der Aussetzung der Wehrpflicht Mitte 2011 ernsthafte Nachwuchsprobleme, bewahrheiten sich bislang nicht. „Wir bekommen reichlich Bewerbungen und einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung, nicht nur die zehn Prozent ohne Schulabschluss“, heißt es im Ministerium.

Die tiefgreifende Reform, die rund 80 Prozent der Einheiten betrifft, drückt aber die Moral der Truppe. „Die Stimmung ist nicht wirklich gut“, sagte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), dem Handelsblatt. Die interne Kommunikation sei weiterhin verbesserungswürdig, auch seien viele Stationierungsentscheidungen und Aufgabenverlagerungen schwer nachzuvollziehen. Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels kritisierte de Maizière: „Es sieht nur vom Feldherrenhügel so aus, als ob alles glatt läuft.“

Der Minister kündigte an, 2014 mit einer umfassenden Evaluierung der Reform zu beginnen. „Im Ergebnis werden gegebenenfalls Feinjustierungen in Einzelbereichen“ stehen, heißt es in dem Bericht, „jedoch keine Generalrevision der Neuausrichtung“.

Kommentare zu " Bundeswehr-Reform: Die Truppe schrumpft schnell"

Alle Kommentare
  • Deutschland hört über kurz oder lang auf zu existieren - es sei denn, es geschieht noch ein Wunder -. Es werden dann nur noch Legionäre für die amerikanische Besatzungsmacht benötigt.
    de Maiziere ist entsprechend von der U.S. eingenordet worden!

  • Nörgeleien überall. Es ist schlicht unrealistisch zu fordern, dass bei einem solchen Um- und Abbau die Stimmung gut sein könnte.
    Dafür müssen zu viele Entscheidungen gegen Einzel- und Gruppeninterressen gefällt werden, als dass das möglich wäre.
    Dafür ist die Reform erstaunlich geräuschlos vollzogen worden. Ob das Ergebnis am Ende ein Erfolg ist, bleibt abzuwarten. Denn soziale Besitzstände und Rechte, Einflussnahme und Beziehungen, mächtige Drittinteressen etc. machen es unmöglich eine solche Reform rein nach der Zweckmäßigkeit durchzuführen.
    Hier macht sich der deutsche Michel immer wieder völlig unrealistische Illusionen, die er den Verantwortlichen zur Last legt.
    Der Sturz Guttenbergs ist diesen Illusionen geschuldet. Niemand hätte gezielt und so ausdauernd nach Dreck gesucht, wenn nicht zu viele ihren Einfluss bedroht gesehen hätten.
    Auch deshalb wohl die Geräuschlosigkeit, weil niemand in allen politischen Lagern dabei erwischt werden wollte, wie bestimmte Forderungen des Ursprungskonzeptes still und heimlich geschasst wurden.
    Es wird Zeit, das wir aufhören kindischerweise die Welt in gute und böse Politiker einzuteilen. Sinnvoll ist es nur von Themen- und projektbezogenen gleichgerichteten Interessen auszugehen oder eben nicht.
    Letztlich erkennt man nur am Ergebnis ob man dem falschen unterstützt hat, niemals an propagierten Zielen oder Absichtserklärungen. Und auch nicht mal daran, ob der Betreffende eine weiße Weste hat oder nicht.

    H.

  • Ohne A400-M ist die Versorgung der weit entfernten Einheiten ja auch ein richtiges Problem! Dazu kommen die fehlenden Helikopter für die Absicherung der Truppe dort. Und was erwartet man sich dort von der Patrouilliererei eigentlich an hinzu gewonnener Kampferfahrung? Nichts. Die neue Erfahrung mit dem go-global bezieht sich einzig und allein auf die Logistik der Bundeswehr! Aber schweres Gerät geht halt nicht zu machen. Damit ist der Hindukusch-Einsatz nur Vorreiter für die nächste Logistik-Mission, wenn der A400-M endlich(!) mal verfügbar ist.

    Ob der Bund deswegen bei EADS direkt einsteigt?



  • Die Bundeswehr verteidigt uns jedenfalls nicht. Das ist eine völlig ineffizientes Bürokratiemonster.

    Wenn von den 190.000 nur 6.000 in Afghanistan sind reden die Verantwortliche schon davon dass die Armee "am Limit ist". Was macht der Rest außer sich selbst verwalten???

  • und die Politiker das Kreiswehrersatzamt und die zahlreichen Berufssoldaten baut auch gleich masiv mit ab, schickt sie auf normale arbeitspätze in die Wirtschaft damit sie endlich mal lernen was ein sorgenvolles und bewusstes arbeiten bedeutet

  • Ich persönlich begrüße den Abbau der BW. Das eingesparte Geld kann dann unverzüglich der EU zur Verfügung gestellt werden. Die evtl. Verteidigung eines dann zwar friedlichen jedoch wehrlosen Landes, kann ja dann eine "fremde" Besatzungsarmee übernehmen, welche den intelligenten und intellektuellen Höhenfliegern unseres Landes auch gleich zeigt, was noch alles machbar ist. In diesem Sinne....

  • Der Personalabbau bringt dem deutschen Steuerzahler allerdings nichts, solange der Sanierungsfall Bundeswehr weiterhin Jahr für Jahr 33,3 Milliarden Euro Steuergelder verbrennt.

    Man stelle sich einmal vor, dieser gewaltige jährliche Betrag würde nicht in die ineffizienteste Armee der Welt, sondern in Bildung investiert. Dann wäre PISA bald Geschichte - und nach entsprechenden Investitionen in die Bildung und Qualifizierung der derzeit als Soldaten tätigen Personen könnten diese nach einiger Zeit einer produktiven Tätigkeit in der Realwirtschaft nachgehen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG!

    Bis 2014 ist ja noch lang. Zwischenzeitlich wäre das schon lange versäumte Nachsorge- und Behandlungskonzept für unsere schwerst traumatisierten heimkehrenden Soldaten ein bitter nötiges und dringendes Arbeitsgebiet, welches bereinigt gehört.

    ...VON WEGEN FEINJUSTIERUNGEN IN EINZELBEREICHEN.

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