Bundeswehr
Struck nimmt bei Ende der Jubiläumsfeiern Abschied

Mit einem feierlichen Gelöbnis von rund 700 Rekruten in Bordenau bei Hannover hat die Bundeswehr die Feierlichkeiten zu ihrem 50-jährigen Bestehen beendet. Gleichzeitig nahm Verteidigungsminister Peter Struck wehmütig Abschied.

HB BORDENAU. Die Feierlichkeiten sind beendet - und der Minister geht mit Wehmut. Fünf Monate lang hat die Bundeswehr ihr 50- jähriges Bestehen gefeiert, der Schlussakt am Samstag im kleinen Ort Bordenau bei Hannover ist zugleich der Anfang des Abschieds von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD). Es falle ihm nicht leicht, das Amt aufzugeben, bekennt der in der Truppe populäre Amtschef. Später fügt er hinzu: “Ich hätte schon gerne weitergemacht.“

Für Struck schließt sich in Bordenau ein Kreis. Vor exakt drei Jahren hat er dort, im Geburtsort des preußischen Heeresreformers Gerhard von Scharnhorst (1755-1813), als neuer Verteidigungsminister zum ersten Mal an einem Gelöbnis teilgenommen. Am Samstag kehrt er zurück - noch dazu am 250. Geburtstag Scharnhorsts, der als geistiger Vater der Wehrpflicht gilt. Und: Am Tag genau vor 50 Jahren erhielten die ersten 101 Bundeswehr-Soldaten ihre Ernennungsurkunden.

Er habe das Amt „mit großer Freude“ und „gutem Gewissen“ geführt, sagt Struck. Doch beim Koalitionspoker in Berlin ging sein Ministerium an die Union - Nachfolger Strucks wird der hessische CDU- Politiker Franz Josef Jung. Struck, der auf den Posten als SPD- Fraktionschef im Bundestag zurückkehrt, erwartet Kontinuität. „Ich bin sicher: Der eingeschlagene, erfolgreiche Weg wird fortgeführt.“

Zur Reform der Streitkräfte gebe es keine Alternative, getroffene Standortentscheidungen würden nicht zurückgenommen. 600 000 Mann hatte die Bundeswehr einst im Kalten Krieg, derzeit sind es noch gut 255 000 Soldaten. Die Zahl soll weiter sinken, zahlreiche Standorte wurden und werden noch geschlossen. In vielen Städten und Gemeinden, in denen Kasernen dicht gemacht werden sollen, herrscht Verunsicherung, wie es weitergehen soll - die Bundeswehr ist schließlich auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

All das ist in Bordenau kein Thema. In dem beschaulichen Ort mit 2900 Einwohnern herrscht Volksfeststimmung. Fast der ganze Ort ist auf den Beinen, dazu kommen rund 1600 Angehörige der 700 Rekruten, die ihr Gelöbnis ablegen. Links vom Dorfteich hat der Reservistenverband ein großes Zelt aufgestellt, drinnen spielt ein Bundeswehr-Orchester Märsche. Rechts vom Teich haben sich rund 100 Gegendemonstranten versammelt. „Bundeswehr rote Karte zeigen“ steht auf einem der Plakate.

Auf dem Sportplatz, wo sonst der Fußballverein TSV Bordenau in der Kreisklasse kickt, haben Soldaten eine Tribüne mit 2000 Sitzplätzen aufgestellt. Neben Struck ist auch der neue Bundesratspräsident gekommen, der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, ist ebenfalls da, wie auch „Männer der ersten Stunde“ vom November 1955.

Nach gut einer Stunde ist die Zeremonie vorbei. Wenig später geht es bereits an die Aufräumarbeiten: Die Tribüne wird in Hannover aufgebaut - dort ist am nächsten Samstag ein Großer Zapfenstreich für den scheidenden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Auch für Struck hat die Bundeswehr einen solchen Abschied noch geplant.

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