Bundeswehr
Von der Leyen schießt Sturmgewehr G36 ab

Die Sturmgewehre G36 haben in der Bundeswehr keine Zukunft. Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch bekannt gegeben. Grund dafür dürfte nicht nur ein vernichtendes Expertengutachten sein.
  • 10

BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die 167.000 Sturmgewehre G36 der Bundeswehr wegen erheblicher Probleme bei der Treffsicherheit ausmustern. Die Konsequenz aus einem eindeutigen Expertengutachten zu der Waffe sei, „dass das G36, so wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch nach einer Sitzung des Bundestags-Verteidigungsausschusses. Sie schloss damit aber nicht aus, dass der Ersatz auch ein verbessertes G36 sein kann.

Auch nach dem Auftritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen denkt die Opposition weiter über einen Untersuchungsausschuss zum Sturmgewehr G36 nach. „Heute sind mehr Fragen offen geblieben als geklärt wurden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Ob es zu einem Untersuchungsausschuss kommen wird, entscheidet sich in den kommenden zwei bis drei Wochen.“

SPD, Grüne und Linke haben umfangreiche Fragenkataloge zum Umgang mit dem Gewehr G36 eingereicht, dem Studien Qualitätsprobleme attestieren. Diese Fragen sollen in den kommenden zwei bis drei Sitzungen des Verteidigungsausschusses abgearbeitet werden. Der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Bartels (SPD) attestierte der Ministerin ein „erkennbares Aufklärungsinteresse“. Für die Opposition werde es schwierig, einen Untersuchungsausschuss zu begründen.

In der vergangenen Woche hatten Experten eine Studie vorgelegt, nach der die Trefferquote des G36 bei extremer Erhitzung von den erforderlichen 90 auf nur noch 7 Prozent sinkt. Ähnlich schlechte Ergebnisse gab es unter Dauerfeuer. In den Vergleichstest schnitt aber auch nur ein Gewehr im grünen Bereich ab. Dabei soll es sich nach Angaben aus dem Verteidigungsausschuss um eine Spezialanfertigung des G36-Herstellers Heckler & Koch handeln.

Das erklärt, warum von der Leyen sich auch eine neue G36-Version als Ersatz vorstellen kann. Wie lange die Ausmusterung dauern wird, ist offen. Von der Leyen drückt auf Tempo. Bei den Spezialkräften und in den Einsatzgebieten müsse der Austausch der Gewehre „mit Hochdruck“ erfolgen, sagte sie. „Ein gesamtes Ersetzen des Gewehres wird sicherlich nicht binnen Jahresfrist gehen, sondern wird eine längere Zeit dauern“, räumte sie ein. Das Bundesamt für die Ausrüstung der Bundeswehr schätzt, dass das bis zu zehn Jahre dauern kann.

Erste Hinweise auf die Präzisionsprobleme gab es schon 2010. Bereits im März 2012 wurden sie von der Rüstungsabteilung des Ministeriums als „erheblicher Mangel“ von „erheblicher Einsatzrelevanz“ eingestuft. Auch der damalige Minister de Maizière wusste davon.

Das neue Gutachten von der Leyen (CDU) im Juni 2014 in Auftrag - ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt. Auch ihr wird von der Opposition aber nun Zögerlichkeit vorgeworfen. „Man muss mittlerweile von systematischer Vertuschung sprechen“, sagte die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger. Der Linken-Politiker Jan van Aken drückte sich vorsichtiger aus: „Wir wissen, dass vieles heruntergespielt wurde.“

De Maizière ließ am Mittwoch erklären, dass er „aktuell“ nicht plane, sich zu der Affäre zu äußern. Er könnte in den Verteidigungsausschuss eingeladen werden, wäre aber nicht verpflichtet zu kommen. In einem Untersuchungsausschuss wäre das anders.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Bundeswehr: Von der Leyen schießt Sturmgewehr G36 ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • [b]Das G36 soll abgeschafft werden
    -----------------
    Der Nachfolger ist schon gefunden.
    Es ist eine Softair Waffe.
    Auch sie tötet nicht.
    Aber sie gibt es in jedem Spielzeugladen.
    Und damit können die zukünftigen"Kämpfer" schon mit vier Jahren üben.

  • Schiffe und Fahrzeuge, die nicht fahren. Fluggerät, das nicht fliegt oder nichts taugt, Waffen die nicht treffen. Und Flinten-Uschi, die aus der Bundeswehr eine Kita für Erwachsene machen will. Hoffentlich wird diese Gurkentruppe nie wirklich gebraucht!

  • Und Steinschleudern für die Distanz.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%