Bundesweiter Aktionstag
Ärzte verlangen mehr Geld und weniger Papierkram

Bei einem bundesweiten Protesttag haben rund 20 000 Ärzte am Mittwoch ihrem Ärger über sinkende Honorare und zunehmende Bürokratie in der Praxis Luft gemacht. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wies indes feinsinnig darauf hin, dass die Ärzteschaft den Schlüssel zu Änderungen selber in der Hand halte.

HB BERLIN. Allein in Berlin versammelten sich nach Angaben der Organisatoren 14 000 Menschen zu einem Protestzug zum Gesundheitsministerium. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe forderte ein Ende der„staatlichen „Geiz-ist-Geil'-Mentalität“. Darunter litten die Patienten. Zudem sei inzwischen ein Drittel der Arztpraxen in wirtschaftlicher Not.

Auch der Vorsitzende des Marburger Bunds, Frank Ulrich Montgomery, betonte, Ärzte leisteten immer mehr für immer weniger Geld. „Aber was ist der Lohn für unsere Arbeit? Eingefrorene oder sinkende Budgets, Arzneimittel-Malus und Regress, Krankenkassenbürokratie und Arbeitgeberwillkür im Krankenhaus.“ All dies ruiniere die Qualität der Krankenversorgung und die Motivation der Ärzte.

Ein Bündnis von 40 Ärzteverbänden hatte zu Praxisschließungen in ganz Deutschland und der zentralen Protestveranstaltung in Berlin aufgerufen. Daneben kamen nach Angaben der Organisatoren in Saarbrücken und München je noch einmal etwa 3000 Menschen zusammen. Etwa die Hälfte der bundesweit knapp 100 000 Praxen sollte geschlossen bleiben. Die übrigen sollten eine Notfallversorgung gewährleisten.

In einer Resolution hieß es, der Protest richte sich gegen die „Entrechtung der freiberuflich tätigen Ärzte und Zahnärzte“. Die „katastrophalen Arbeitsbedingungen“ und das „Aushungern des Gesundheitssystems“ müssten beendet werden. Sonst drohe ein Versorgungsnotstand. Nötig sei stattdessen der Erhalt einer qualitativ hochwertige Medizin.

Gesundheitsministerin Schmidt kommentierte die Proteste mit den Worten: „Mancher bürokratischer Auswuchs, über den sich viele beschweren, ist überflüssig, die Honorarverteilung ist nicht gerecht, und es ist auch richtig, dass es Ärzte und Ärztinnen gibt, die finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen.“ Manche Ärztefunktionäre bauten durch „verbale Übertreibungen“ aber eine ungerechtfertigte Drohkulisse auf und machten Stimmung mit Berichten über ein angebliches Praxissterben.

„Honorar und Bürokratie sind Sache der Ärzteschaft selber sowie der Selbstverwaltung“, betonte Schmidt. „Das wenigste ist gesetzlich verordnet.“ Die Ministerin rief die Ärzteorganisationen zu weiteren konstruktiven Gesprächen über ein neues, transparentes und gerechtes Abrechnungssystem auf. Die Zahl der Praxisgründungen und Zahl der ambulanten Ärzte steige, sagte Schmidt. Es kämen deutlich mehr Ärzte nach Deutschland, um hier zu arbeiten, als dass Mediziner abwanderten.

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