Bundesweiter Arbeitskampf: Verdi könnte aus Kostengründen selbst Mitarbeiter entlassen

Bundesweiter Arbeitskampf
Verdi könnte aus Kostengründen selbst Mitarbeiter entlassen

Nach Einschätzung von Horst-Udo Niedenhoff, Gewerkschaftsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), ist die Streikfähigkeit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nur begrenzt. Verdi verfüge über eine Streikkasse von rund 200 Millionen Euro. Sollte der Arbeitskampf im öffentlichen Dienst ausufern, müsste Verdi bald selbst Mitarbeiter entlassen.

DÜSSELDORF. Verdi habe damit nur ein Zehntel dessen, was der IG Metall zur Verfügung stehe, sagte Niedenhoff dem Magazin "Wirtschaftswoche". Bei einem flächendeckenden Arbeitskampf reicht das Geld maximal für fünf bis sechs Wochen. Danach wäre die Gewerkschaftskasse aber so leer, dass Verdi in den nächsten zehn Jahren wohl kaum noch einmal einen Flächenstreik im öffentlichen Dienst durchziehen könnte." Eingeschränkt sei die Handlungsfähigkeit außerdem durch den seit 2001 defizitären Haushalt der Gewerkschaft. „Von daher müsste Verdi-Chef Frank Bsirske ein Interesse daran haben, den Arbeitskampf nicht ausufern zu lassen. Sonst steht er vielleicht bald vor dem Problem, aus Kostengründen selbst Mitarbeiter entlassen zu müssen.“

Der größte Arbeitskampf im öffentlichen Dienst seit 14 Jahren ist indes am Mittwoch auch auf Schleswig-Holstein ausgedehnt worden. Damit wird jetzt in neun von 16 Bundesländern gestreikt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss in einem Interview mit dem Hamburger Magazin „Stern“ eine Vermittlerrolle bei den Streiks aus. Eine Vermittlung im Tarifstreit „gehört in die Tarifautonomie und nicht zu den Aufgaben der Bundeskanzlerin“, sagte sie.

Nach Verdi-Angaben traten in Schleswig-Holstein rund 500 Beschäftigte in einen ganztägigen Ausstand. An der Arbeitsniederlegung im Norden waren Angestellte und Arbeiter von sechs Straßenbauverwaltungen, drei Katasterämtern, zwei Ämtern für ländliche Räume und sowie des Schleswiger Landesamts für soziale Dienste beteiligt.

Verdi rechnet mit rund 40 000 Streikteilnehmern in dieser Woche. Die Gewerkschaft hat Streiks über mehrere Wochen angekündigt. Am Dienstag hatten nach ihren Angaben mehr als 26 000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Schwerpunkte lagen vor allem bei Universitätskliniken, Straßenmeistereien und den Müllabfuhren.

Bei dem Arbeitskampf geht es laut Verdi in Ländern und Gemeinden um verschiedene Ziele. Die Beschäftigten der Kommunen wenden sich gegen die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 1,5 auf mindestens 40 Stunden. Die streikenden Landesbediensteten verlangen die Übernahme des von Bund und Kommunen im September 2005 unterzeichneten Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Von den Universitätskliniken fordert Verdi die Übernahme des für die kommunalen Krankenhäuser bereits geltenden Tarifvertrages.

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