Bundeswirtschaftsminister
Vorschusslorbeeren für zu Guttenberg

Der neue Mann im Bundeswirtschaftsministerium hat sich binnen weniger Wochen von einem Unbekannten zu einem der beliebtesten Politiker entwickelt. Auch Deutschlands Spitzenmanager trauen Karl-Theodor zu Guttenberg einiges zu. Guttenberg soll zur Lösung der Krise beitragen – allerdings ohne sich allzu stark einzumischen.

FRANKFURT. Die Agenda von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine eindeutige Priorität: die Bewältigung der Wirtschaftskrise. Das fordern zumindest die Spitzenmanager der hiesigen Unternehmen für die letzten Monaten der Legislaturperiode, wie aus einer Umfrage im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp. hervorgeht. Mehr als 90 Prozent der knapp 800 Befragten halten das Krisenmanagement für die mit Abstand wichtigste Aufgabe – und haben klare Vorstellungen davon, wie sie zu Guttenberg bewältigen soll: indem er sich möglichst wenig einmischt.

Gerade einmal einen knappen Monat ist der mit 37 Jahren jüngste Wirtschaftsminister aller Zeiten im Amt. Er hat nur noch ein halbes Jahr Zeit, sich als Chef eines großen Beamtenapparats und eines zentralen Ressorts für die Krisenbewältigung zu bewähren. Gelingt ihm das und sollte die CSU im Herbst in Regierungsverantwortung bleiben, dürfte ihm ein Ministeramt weiter sicher sein.

Behält die Führungselite der deutschen Wirtschaft recht, wird der neue Mann an der Spree Erfolg haben. Denn obwohl Jurist zu Guttenberg mehr Erfahrung in internationalen Außen- und Sicherheitsfragen denn mit Wirtschaftspolitik hat, überschütten ihn die Manager mit Vorschusslorbeeren: Drei Viertel halten es für „sehr gut“ oder „eher gut“, dass die Wahl des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer auf ihn fiel. Unter den Großunternehmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten werten sogar 86 Prozent die Wahl positiv.

Die hohen Erwartungen setzen den Nachfolger von Michael Glos unter Erfolgsdruck: 70 Prozent gehen davon aus, dass er seine Aufgaben „besser“ erfüllt als sein glückloser Vorgänger. Nur zwei Prozent meinen, dass er eine „schlechtere“ Figur mache. Ausgerechnet unter den Managern, die 60 Jahre und älter sind, trauen überdurchschnittlich viele dem jungen Senkrechtstarter mehr zu als Glos. Von Vorgänger Glos hielten die Manager allerdings auch nur wenig: Auf einer Skala von eins („sehr gut“) bis fünf („sehr schlecht“) hatte er zuletzt eine 3,5 bekommen. Kein Wunder, blieb er vor allem während der Krise unauffällig im Hintergrund und machte wenn überhaupt durch eines auf sich aufmerksam: sein Schweigen.

Die Führungselite der deutschen Wirtschaft hat eine klare Vorstellung davon, was der neue Mann im Wirtschaftsministerium in puncto Krisenmanagement leisten soll: Drei Viertel sind der Ansicht, zu Guttenberg sollte sich kein Beispiel an protektionistischen Maßnahmen anderer Länder wie der Beihilfen für die Autoindustrie in Frankreich nehmen. „Deutschland sollte nicht mit ähnlichen Schritten reagieren“, fordern 75 Prozent der Manager. Am ehesten sind noch kleine (24 Prozent) und mittlere Unternehmen (21 Prozent) der Meinung, dass ähnliche Maßnahmen für deutsche Unternehmen nicht vermeidbar sind. Von den Großunternehmen halten das gerade einmal zwölf Prozent für unvermeidbar.

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