Burkhard Jung
Drohungen gegen Leipzigs Oberbürgermeister

Während die neue Kölner Oberbürgermeisterin Reker nach einer Messerattacke noch im künstlichen Koma liegt, wird bereits der nächste Stadtpolitiker bedroht. Diesmal trifft es Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Köln/Berlin/LeipzigNach der Messerattacke gegen die designierte Oberbürgermeisterin aus Köln, Henriette Reker, wird ein weitere Bürgermeister in Deutschland bedroht. Unbekannte haben Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit einer Hassbotschaft ins Visier genommen. Sie schmierten auf einen Container in der Leipziger Innenstadt einen Galgen und die Worte „OB Jung wir kriegen Dich“, wie die Polizei am Montag mitteilte. Weitere Einzelheiten konnte sie noch nicht nennen, allerdings ist ein Bezug zu rechten Demonstranten denkbar. Am vergangenen Montag hatte eine Teilnehmer der Pegida-Demonstration in Dresden einen hölzernen Galgen mitgeführt. Daran waren Schilder mit der Aufschrift „Reserviert – Angela „Mutti“ Merkel“ und „Reserviert – Siegmar „das Pack“ Gabriel“ angebracht. Der Fall hatte bundesweit für Empörung gesorgt.

Noch größere Wellen schlug allerdings die Messerattacke auf Reker, bei der die Oberbürgermeisterkandidatin schwer verletzt wurde. Der Angreifer soll seine Tat mit der Flüchtlingspolitik in Deutschland begründet haben.

Die Bundesregierung verurteilte die Messerattacke auf Reker scharf. „Es kann überhaupt gar keine Rechtfertigung dafür geben, einem anderen Menschen ein Messer in den Hals zu stoßen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Wir sollten dem Täter nicht auf den Leim gehen, indem wir hier auch noch ernsthaft über seine angeblichen Motive diskutieren.“

Der Deutsche Städtetag warnte vor einer Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte. „Tausende haupt- und ehrenamtliche Kommunalpolitiker in unserem Land sind entsetzt über die Gewalttat gegen Frau Reker und die Fremdenfeindlichkeit, die der Tat offensichtlich zugrunde lag“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, Stephan Articus, am Montag in Berlin. Gewalt gegen Andersdenkende lehnten die Städte entschieden ab, sie müsse „hart geahndet“ werden. „Dafür stehen unsere Demokratie und unserer Rechtsstaat ein.“

Bis zur Genesung Rekers, die am Sonntag mit knapp 53 Prozent als erste Frau zur Oberbürgermeisterin der viertgrößten deutschen Stadt gewählt worden war, werden fünf Politiker die Schwerverletzte in ihrem Amt vertreten. Stadtdirektor Guido Kahlen übernehme als allgemeiner OB-Vertreter die Verwaltungsführung und sei zuständig für „alles, was eine juristische Unterschrift braucht“, sagte eine Stadtsprecherin am Montag auf Anfrage. Die vier Bürgermeister – Elfi Scho-Antwerpes (SPD), Hans-Werner Bartsch (CDU), Andreas Wolter (Grüne) und Ralf Heinen (SPD) – wechseln sich demnach ab bei Repräsentationsaufgaben und dem Ratsvorsitz.

Agentur
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