„Business Frühstück“: Wie die Wirtschaft die Grünen umschmeichelt

„Business Frühstück“
Wie die Wirtschaft die Grünen umschmeichelt

Beim altehrwürdigen Verein Berliner Kaufleute und Industrieller werden selbst Grüne warmherzig empfangen. Neuerdings. Denn der Ökopartei steht womöglich „ein goldenes Zeitalter bevor“, schmeichelt Vereins-Geschäftsführer Udo Marin dem Parteivorsitzenden Cem Özdemir, der zum „Business Frühstück“ ins Ludwig Erhard-Haus gekommen ist.
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BERLIN. Damit nicht genug: "Den jüngeren unter uns könnte man fast empfehlen, bei den Grünen aktiv zu werden. Da gibt es demnächst viele Mandate zu vergeben - und soviel Wirtschaftskompetenz gibt es bei den Grünen auch noch nicht". Grinsen im Saal.

Der Chef des 1879 gegründeten Vereins VBKI macht Realpolitik. Die Berliner Wirtschaft muss sich auf Grüne im Roten Rathaus einstellen. 2011 wählt die Hauptstadt und nach den jüngsten Umfragen würden die Grünen nicht nur weit über 20 Prozent erringen sondern womöglich gar die SPD überholen. "Die Wirtschaft wäre nicht einmal entsetzt", bekennt Marin freimütig. Denn schließlich wäre das angesichts der derzeit regierenden rot-roten Koalition schon "eine Verbesserung des Status Quo".

Solchermaßen mit Vorschusslorbeer ausgestattet, gelingt es dem Grünenchef leicht, zumindest einen Teil der knapp 100 Wirtschaftsvertreter zum Lachen zu bringen. Ein bisschen Häme über die Liberalen ("ich klebe mir keine Zahlen unter die Sohlen") und deren "hohe Staatskunst" bei der Möwenpick-Steuer, ein bisschen Respekt über die runderneuerte Union ("Bei Filbinger und Mayer-Vorfelder - da wussten wir noch, wo der Feind steht"), das kommt an. Der Subtext ist deutlich: Die Union ist so modern geworden, dass man mit denen gut koalieren könnte, vielleicht ja sogar in Berlin.

Und da ist der zarte Hinweis, dass die Grünen zwar "den Markenkern seit 30 Jahren weitgehend unbeschädigt erhalten" haben, die vielen neuen Mitglieder aber "nichts mehr anfangen können mit den alten Schlachten zwischen Realos und Fundis". Will sagen: Wir sind doch gar nicht mehr schlimm, wir sind in der Mitte angekommen, mit uns kann man ins Geschäft kommen. Özdemir vergisst auch nicht zu erwähnen, dass er neuerdings im Politischen Beirat des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft sitzt.

Die Bescheidenheit - "Stimmungen sind keine Stimmen" - ist oberflächlich. Den Titel "kleine Volkspartei" für seinen Vortrag hatte Özdemirs Büro zwar abgelehnt Doch kokett erinnert der Deutsch-Türke an die jüngste Regierungserklärung: "Als Merkel uns erstmals als Hauptgegner angegriffen hat, sind viele von uns richtig zusammengezuckt". Man müsse sich eben erst noch daran gewöhnen, jetzt in einer "anderen Gewichtsklasse" zu spielen.

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  • Wow,
    da winkt der Aufsichtsratsposten und beraterjob...
    oder sollt' ich sagen da winken die Geldbündel?

  • Na bravo, die Grünen sind "bald" genauso korrupt wie der restliche wählbare Abschaum,oder sind sie's?

    MfG

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