Caspar von Blomberg
Der Herr der Ökobilanzen

Dass sich Caspar von Blomberg beruflich verändert hat, ist ihm auf den ersten Blick anzusehen. Er ist nicht mehr der Karrierebanker, der nach Stationen bei der Deutschen Bank zuletzt bei der Allianz-Gruppe die Verantwortung für die Konzernentwicklung der Dresdner Bank hatte. Wie sich Caspar von Blomberg vom Banker zum Umweltschützer entwickelt hat.
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FRANKFURT. Sein Haar ist nicht mehr streng gescheitelt, sondern fällt locker, und statt gedecktem Anzug und dunkelblauer Krawatte trägt er heute legere blau-weiß karierte Hemden. Der 46-Jährige ist in seiner zweiten Karriere angekommen. Seit 2009 ist er Deutschland-Geschäftsführer des „Carbon Disclosure Projects“ (CDP), einer der führenden Nichtregierungsorganisationen (NGO) für den Klimaschutz.

Das Projekt sammelt und analysiert Klima- und Emissionsdaten der weltweit 2 500 größten börsennotierten Unternehmen und veröffentlicht die Ergebnisse. Wenn von Blomberg heute den Deutschland-Bericht vorstellt, weiß er um den Rückhalt der Wirtschaftsprüfer von KPMG, der WestLB, der Deutschen Börse und der Allianz, die das Projekt unterstützen. In Deutschland machen mittlerweile fast alle Dax-30-Konzerne mit – und es ist nicht nur schick und politisch korrekt, grün zu sein, sondern vorteilhaft.

Vor allem die angelsächsischen Pensionskassen und institutionellen Anleger schauen auf die Öko-Bilanzen der Konzerne, über 500 institutionelle Investoren stehen hinter der Initiative. „Wer als Konzern Zugang zu Kapital behalten will, kommt heute am Klimaschutz nicht vorbei“, sagt von Blomberg.

Seinen Wechsel hat er nicht bereut. Zwar war er damals ganz nah dran an der Vorstandsspitze und berichtete etwa fast täglich an den ehemaligen Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter. Doch ab dem Jahr 2008 liefen die Dinge auf einmal in eine andere Richtung, als die Allianz den Verkauf der Dresdner an die Commerzbank verkündete.

Heute baut von Blomberg Brücken zwischen der Finanzwelt und den Umweltschützern, er ist als neuer Europa-Chef unterwegs, um die Organisation aufzubauen. Er hat gelernt, sein Leben wieder selbstständig zu organisieren, denn „persönliche Sekretärinnen und Assistenten gibt es nicht bei NGOs.“

Was die zeitliche Beanspruchung angeht, ist er wohl wieder in seinem alten Leben angekommen – nur bei der Bezahlung dürfte eine erhebliche Lücke klaffen.

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