Castor-Debatte
Hessen bietet Atommüll-Zwischenlagerung an

Neben Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein ist nun auch Hessen zur Atommüll-Zwischenlagerung bereit. Zuvor soll das Vorhaben aber sorgfältig geprüft werden. In Niedersachsen stößt die Nachricht auf offene Ohren.
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Hannover/WiesbadenDas Angebot Hessens zur Zwischenlagerung von hoch radioaktivem Atommüll hat für neuen Schwung in der Debatte über ein Zwischenlager für Castoren gesorgt. „Jahrelang war es undenkbar, mit den anderen Ländern diese Frage auch nur zu erörtern“, sagte am Freitag Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Grund für seine Freude war eine Aussage seines Parteifreundes Tarek Al-Wazir. Der hessische Wirtschaftsminister hatte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt, sein Land werde sich nach einer sorgfältigen Prüfung einer Lagerung in Biblis nicht entgegenstellen.

Wirklich neu ist Al-Wazirs Aussage nicht. Bereits im hessischen Koalitionsvertrag von CDU und Grünen findet sich eine fast wortgleiche Formulierung, die auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) unterschrieben hat. Vor Hessen hatten bereits das rot-grüne Schleswig-Holstein und das grün-rote Baden-Württemberg die frühere Blockadehaltung durchbrochen.

Die Suche nach einem Zwischenlager für die ungeliebten Castoren mit wiederaufbereitetem Atommüll aus Frankreich und England ist nötig, weil das rot-grün regierte Niedersachsen weitere Castoreinlagerungen im bislang dafür vorgesehenen Zwischenlager Gorleben kategorisch ablehnt. Bund und Länder hatten sich im vergangenen Jahr bei der Verhandlung zum Neustart einer bundesweiten Suche nach einem Endlager für Atommüll auch darauf verständigt, kein Land zur Zwischenlagerung zwingen zu wollen. Auf diese Weise soll der seit Jahrzehnten gärende Streit um Gorleben entschärft werden.

„Damit beginnt eine neue Etappe in der Castor-Debatte, weil wir jetzt drei Länder haben, die ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zwischenlagerung erklärt haben“, betonte Wenzel. Ab 2015 werden die nächsten der noch ausstehenden 26 Castorbehälter in Deutschland zurückerwartet - in Gorleben lagern bereits 113 Behälter mit Atommüll. Biblis gilt unter Fachleuten als sehr gut geeignet.

„Es wird jetzt sicher weitere Gespräche geben“, sagte Wenzel. Er sei sicher, dass sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nun intensiv kümmere und auch die Länder in den Prozess einbinde. „Ich hoffe, dass dieses ganze Problem jetzt zeitnah gelöst werden kann.“

Anders als Wenzel reagierten die Gorleben-Kritiker in Niedersachsen skeptisch. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg warnte vor verfrühter Genugtuung und hohen Genehmigungshürden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Alles kann man heute doch "recyceln". Warum nicht Atommüll? Warum wird der Müll nicht einfach weitweg ins All geschossen/transportiert?

  • Hessen ist schon mal die korrekte Richtung. Im hessischen Herfa-Neurode gibt es die größte unterirdische Sondermülldeponie der Welt. Dort liegen zwei Mio. Tonnen (!!) chemischer Giftmüll. Der ist auch nicht ungefährlicher als gut verpackter Atommüll. Ein Kernkraftwerk produziert aber nur etwa 50 Tonnen Atommüll pro Jahr. Man kann sich also leicht ausrechnen, dass die Betreiber von Herfa-Neurode es vom Volumen her kaum merken würden, wenn der gesamte Atommüll (Deutschlands oder der Welt) dort eingelagert werden würde!

    Mit anderen Worten: Die ganze Diskussion über den Atommüll ist sowas von lächerlich. In Herfa-Neurode wurden bereits wesentlich größere Probleme gelöst. Die Milliarden, die für die Endlager-Suche ausgegeben werden, sind wirklich rausgeschmissenes Geld.

    Genauso wie Teile des chemischen Giftmülls wird auch der sogenannte Atommüll demnächst gebraucht werden. (Das ist übrigens das Geschäftsmodell von Herfa-Neurode.) Der Atommüll kann bereits heute wieder aufbereitet werden. Heutezutage ist das noch ziemlich teuer. Aber auch die Kerntechnik macht Fortschritte, so dass demnächst das Recycling von Atommüll fast genauso selbstverständlich sein wird wie das Recycling von (giftigen) Batterien. Der einzige Unterschied zu den Batterien ist, dass es professionell gemacht werden muss, sonst passiert wieder so etwas wie Asse.


  • Insgesamt handelt es sich um ein faszinierendes, teures Oekospektakel zu Lasten der Stromkunden und damit der Gesellschaft aufgeführt von links-grünen Politikern, Medien.

    Mit der Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle an der Oberfläche auf unbestimmte Zeit werden die eigentlich geringen Risiken maximiert.

    Mit der Verteilung der hochradioaktiven Abfälle auf mehrere Lagerstätten werden Kosten und Risiken weiter maximiert.

    Als man die Kernenergie unter Sachaspekten betrachtet hatte, beabsichtigte man den abgebrannten, hochradioaktiven Abfall wiederaufzubereiten, zu Mox Brennstoff zu verarbeiten und wieder zu nutzen. Da dies der Legende der "unglöste Endlagerfrage" im Wege war hat dies der BMU Trittin verboten.

    Man beabsichtigte hochradiaktive Abfälle in ein Endlager bei Goleben einzulagern. Das Endlager könnte heute bereits in Betrieb sein.

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