Castor-Transport
Demonstranten stoppen vorübergehend Atommüll-Zug

Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll ist kurz nach seinem Start in Frankreich von Atomkraftgegnern aufgehalten worden. In der Nähe von Caen hatten sich fünf Atomkraftgegner an die Gleise gekettet, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt seien rund 30 Aktivisten an der Aktion beteiligt. Derzeit ist der Zug weiter unterwegs ins Wendland.
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HB PARIS/GORLEBEN. Der Castor-Transport war am frühen Nachmittag mit hoch radioaktivem Atommüll von Frankreich aus in Richtung Gorleben gestartet. In der Nähe des Zwischenlagers werden am Wochenende die größten Anti-Atom-Demonstrationen seit Jahrzehnten mit mehr als 30 000 Menschen erwartet. Die Castor-Behälter enthalten deutschen 123 Tonnen Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im nordfranzösischen La Hague. Der Transport muss rund 1000 Kilometer zurücklegen und wird frühestens Samstag am späten Vormittag die Grenze passieren und nicht vor dem Nachmittag das Wendland erreichen.

Der Schwerlastzug mit den elf Spezialbehältern habe den Bahnhof von Valognes ohne Zwischenfälle um 14.20 Uhr verlassen, sagte ein Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace am Freitag am Telefon. Am Bahnhof hätten sich lediglich mehrere Dutzend Demonstranten versammelt. "Es sind etwa so viele Demonstranten wie Journalisten hier", sagte der Sprecher. Im niedersächsischen Wendland gingen am Vormittag bereits rund 600 Schüler auf die Straße. Bei Abfahrt des Zuges in Frankreich versuchten Greenpeace- Aktivisten nach Angaben des Sprechers, die Strahlung zu messen. Dazu seien unter anderem wärmeempfindliche Infrarotkameras im Einsatz gewesen. Die Ergebnisse seien noch nicht bekannt. Die Umweltschützer hatten zuvor davon gesprochen, dass der Transport die bislang größte Radioaktivität aufweise.

Der französische Atomkonzern Areva bestreitet dies, legte aber bislang auch keine Zahlen dazu vor. Nach Greenpeace-Angaben hatte es im Unterschied zu früheren Transporten unmittelbar vor der Abfahrt keine größeren Rangierfahrten gegeben. Der Zug sei bereits zusammengestellt gewesen. Nach Angaben von Areva enthält er 123 Tonnen Atommüll. "Es besteht keine Gefahr für die Umwelt oder die Menschen, die am Transport beteiligt sind", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Polizei bereitet sich auf gewalttätige Störer entlang der Strecke vor. Mehr als 16 000 Einsatzkräfte sollen den Transport sichern. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rief die Atomkraftgegner auf, sich friedlich zu verhalten.

Unterdessen entbrannte innerhalb der Union ein Streit um die Suche nach einem Atomendlager. Bayern setzt klar auf den Salzstock Gorleben und lehnt alternative Standorte in Süddeutschland ab. Umweltminister Markus Söder (CSU) sagte: "Bayern scheidet als Standort für ein Endlager definitiv aus. Wir haben keine sichere geologische Formation." Zuvor hatte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) die Suche nach möglichen Endlagern im Süden gefordert, falls sich Gorleben als ungeeignet erweisen sollte. Röttgen verteidigte den Castor-Transport als unverzichtbar. Deutschland sei verpflichtet, die radioaktiven Abfälle, die bei der Nutzung der Kernenergie anfielen, im eigenen Land zu entsorgen. "Wir können die Lasten der Vergangenheit nicht anderen aufbürden, für die sichere Lagerung des Atommülls sind wir verantwortlich", sagte er.

An den Protesten im Wendland beteiligen sich zahlreiche Spitzenpolitiker der Grünen und der Linken. Grünen-Chefin Claudia Roth rief zu Sitzblockaden auf und appellierte zugleich an die Polizei, besonnen zu reagieren. Der Bundesvorstand der Partei kam am Freitagnachmittag in der Nähe des Zwischenlagers Gorleben zu einer Sitzung mit den Grünen-Landeschefs zusammen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft und der Bund der Steuerzahler forderten die Energiekonzerne auf, sich an den Kosten für den Atommülltransport zu beteiligen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bekräftigte hingegen erneut seine Forderung, dass der Bund Kosten übernehmen soll.

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  • also, den müll, der hier geschwafelt wird. selbst dafür reicht schon ein endla´ger alleine nicht aus. warum kämpfen leute wegen so einer blöden Atomendlagergeschichte? ist doch alles schon in Verträgen abgesichert. Schuld alleine ist die Schröder-Regierung, die das ganze auf die lange bank geschoben hatte. Oh. und wo waren da die Grünen Hanseln? Also, die sollten sich besser da raushalten. Leider ist der deutsche Michel nicht gewillt, über wirklich wichtige Themen nachzudenken und dramatisiert immer und immer wieder solch blöde Nebesächlichkeiten, um gegen den Staat zu demonstrieren. Wirklich. Wir leben in einem Saustaat voller Hirnies, die zuviel Grünkohl gefressen haben, anstaat sich ordentlich zu ernähren.

  • Und ein Kommentar zum dem Pöbel, das hier seinen Frust über die anstehenden Wahlniederlagen von Schwarz/Gelb ablässt:

    Gäbe es AKW's oder Atommüll-Zwischenager in Eurer unmittelbarer Nähe, dann würdet ihr bestimmt nicht so große Töne spucken, sondern Euch bei Castor-Transporten von den bullen verprügeln lassen.
    Und da würde nicht die Roth einen Wasserwerfer gegen ihren A**** bekommen, sondern Eure bessere Hälfte.

    ihr kommt doch bestimmt alle aus bayern!
    Die in bayern haben ja bereits gesagt: bei uns kann man kein Atommüll lagern!

    ich freue mich schon bei der Energiepolitik auf die nächsten 10 Jahren. Das mit dem Atommüll-Endlager wird bestimmt das größte Affentheater der Nachkriegszeit. Denn sind wir einmal alle ehrlich:

    keiner von uns möchte diese Sch**** in unmittelbarer Nähe haben.

  • Hallo. ich persönlich wohne weit weg von nem AKW-Reaktor und einem Atommüll-Zwischenlager - darüber bin ich sehr glücklich, dass das Schicksal es mit mir so gut meint.


    Aber jemanden, der in der Nähe eines AKW's oder eines Atommüll-Zwischenlager lebt, als "Atomkraftgegner" abzustempeln, ist für mich ganz billiger Journalismus.

    Das sind keine Atomkraftgegner! Das sind Menschen bei denen diese Kacke praktisch vor der Tür am Dampfen ist. Da ist es doch nur verständlich, dass diese Menschen sich dagegen wehren!

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