Castor-Transport
Polizei knackt Greenpeace-Blockade

Der Blockade-Laster der Umweltorganisation Greenpeace ist das wohl größte Hindernis auf der Straße des Castor-Transports. Jetzt ist es der Polizei gelungen, die ersten Aktivisten aus dem Lkw heraus zu holen. Aber geräumt ist die Strecke damit noch lange nicht.
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HB GORLEBEN. Nach dem Coup von Greenpeace mit einer Lastwagen-Blockade des Castor-Transports in Dannenberg sind zwei Umweltschützer aus der Verankerung befreit worden. Dies sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Die beiden waren mit einem Arm und beiden Beinen in einem Betonblock fixiert. Mehrere Spezialisten der Polizei versuchten seit Montagabend, den Protest mit Spezialwerkzeug zu beenden. Den Umweltschützern war es gelungen, mit einem als Getränkelastwagen getarnten Fahrzeug die Transportstrecke für die Castoren zu blockieren. Seit mehr als als zehn Stunden behindert Greenpeace die Abfahrt der Tieflader mit den elf Atommüll-Behältern.

Von den ursprünglich fünf Anhängern der Umweltorganisation im Innern eines acht Meter langen umgebauten Brauereifahrzeuges holte die Polizei gegen 05.00 Uhr die zwei Aktivisten heraus. Ein Mann und eine Frau waren laut Greenpeace in einer Metall-Beton-Konstruktion so befestigt, dass die Polizei den Lkw nicht fortbewegen könne, ohne sie zu verletzen.Sie saßen laut Polizei weiterhin fest.

Unterdessen räumten Polizeikräfte die Straßenblockade vor dem Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Polizisten trugen ab etwa 03.30 Uhr Demonstranten einzeln weg. Nach Angaben der Organisatoren von der gewaltfreien Kampagne „X-tausendmal quer“ waren zuletzt 4.000 Atomkraftgegner auf der Straße, die Polizei sprach von etwa 3.000. Die Demonstranten lagerten dort teilweise seit mehr als 42 Stunden auf Strohsäcken und Isomatten. Erstmals hatte die Polizei die Atomkraftgegner am Montagabend gegen 21.30 Uhr aufgefordert, die Straße zu räumen.

Gegen 04.00 Uhr am Dienstagmorgen spannten Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood nach eigenen Angaben an zwei Stellen Seile über die Zufahrtsstraße zum Zwischenlager Gorleben. Auch Polizeipräsenz hinderte sie nicht daran, sich demonstrativ über die Straße zu hängen. Die Polizei ließ jedoch nicht das Ausrollen eines Transparents durch einen Aktivisten an den Seilen zu.

Die Sprecherin der Kampagne, Luise Neumann-Cosel, erklärte zur Blockade in Gorleben: „Wir setzen dem Atommüll und der massiven Polizeipräsenz uns selbst und unsere Entschlossenheit entgegen. Alle Beteiligten haben sich sehr gut auf die Begegnungen mit der Polizei bis zur Räumung vorbereitet.“

In der Nacht zuvor hatte die Polizei eine Schienenblockade von etwa 3.000 Castorgegnern in Harlingen nahe Hitzacker geräumt und dafür knapp sieben Stunden benötigt.

Schon jetzt bricht der diesjährige Castor-Transport nach Gorleben mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll alle Rekorde. Am Dienstagmorgen dauerte der Transport, der Freitagnachmittag in Nordfrankreich begonnen hatte, bereits fast vier Tage oder 88 Stunden. Damit war der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2008 von gut 79 Stunden deutlich übertroffen.

Kommentare zu " Castor-Transport: Polizei knackt Greenpeace-Blockade"

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  • Claudia Roth subjektiv auf jeder Schwulendemonstration zu finden, macht auch nicht vor Gorleben halt. Da fragt man sich was diese von Steuergeld am Leben gehaltene Person anstrengungslos
    für diesen Staat leistet ausser Feiern. Gorleben
    ist verkommen zu einen Stützpunkt von Rentnern und Hartz iV Empfängern die zeit haben ihr Ego aufzufrischen. Dazwischen Politiker die mit Angore Wäsche ausgerüstet scheinheilig mitmachen. Nur die Anwohner haben ein Recht zu Demonstrieren und zwar mit allen Mitteln.

  • @W.Fischer
    Leider kann ich ihren Gedanken nicht folgen. in den Wendlandern sehe ich "das Volk", "die Atomgegner" und auch Aktivisten von Greenpeace. ich habe nur zum Ausdruck bringen wollen, dass DiE GRÜNEN das ganze populistisch unterminieren und manipulieren. Amen.

  • Dem möchte ich auf schärfste widersprechen, lieber Vorkommentator. Wer sich die Geschichte der Proteste gegen die Castor-Transporte anschaut, kommt nicht herum, dass diese Protestbewegung nur am Anfang von den dort lebenden und betroffenen Menschen organisiert wurde. im Laufe der Jahre, haben sich viele Atom-Gegner den Protest zu Eigen gemacht, um ihre eigenen interessen einer breiten bevölkerungsschicht kund zu tun. ich bin dafür dass die Demonstranten vor den Reichstag ziehen, und lautstark ihren Protest vortragen. Demonstrationen ja, da wo er angebracht ist, nämlich in berlin.
    Danke

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