Castor-Transport
Wie das Wendland sich für den Protest rüstet

Heute startet der neue Castor-Transport von Frankreich nach Gorleben. Erneut wird radioaktiver Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins 1000 Kilometer entfernte Zwischenlager nach Niedersachsen gebracht. Die Polizei rechnet mit zahlreichen Protestaktionen und Zehntausenden Demonstranten im Wendland. Ein Bericht über das frühe Geschehen vor Ort.
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Polizeifahrzeug um Polizeifahrzeug rollt in Richtung Dannenberg. Am Straßenrand in Metzingen fahren die Beamten an gelben X-Kreuzen vorbei, die in Vorgärten und auf Feldern stehen. Und immer wieder zieren gelbe Tonnen mit dem schwarzen Warnzeichen vor radioaktiver Strahlung die Route der Polizisten, samt Plakaten mit Sprüchen wie "Wir stellen uns quer" und "Castor stoppen". Spätestens jetzt wissen die Polizisten, dass ihnen einige anstrengende Tage bevor stehen.

Auf dem Wochenmarkt in Dannenberg verkaufen Händler derweil Biogemüse und Käse aus der Region. Die meisten haben ihre Buden und Wagen mit den gelben Plakaten der Anti-Atom-Bewegung geschmückt. "Atomkraft nein danke", steht neben "Castor Alarm". Der Markt ist unmittelbar neben der kleinen Polizeiwache von Dannenberg. Als zwei Polizisten in grünen Uniformen der Bereitschaftspolizei zu ihrem VW-Bus gehen, ruft ein Mann seinen Kollegen zu: "Und es geht schon wieder los!" Die Beamten drehen sich nicht um.

Ein Polizeihubschrauber zieht knatternd seine Kreise. In einem grauen Fachwerkhaus in der Innenstadt hat die Initiative X-tausendmalquer ein Aktionsbüro eingerichtet. Im Schaufenster werden Termine angekündigt, etwa ein Aktionstraining heute Abend in Hitzacker. Auf einem Plakat steht "Der Castor kommt, die Polizei ist schon da". Eine Gruppe namens "Ermittlungsausschuss" lädt gemeinsam mit Rechtsanwälten zu einer Veranstaltung ein. Sie beraten Demonstranten, wie sie sich bei Durchsuchungen ihrer Fahrzeuge, Platzverweisen und Versammlungsverboten verhalten sollen. Im Büro bereiten Aktivisten die kommenden heißen Tage vor. Sie packen Informationsmaterial aus, telefonieren viel. Bei der X-tausendmalquer laufen die Vorbereitungen für eine große Sitzblockade.

In einer Mode-Boutique wird im Schaufenster gewerkelt. Eine junge Mitarbeiterin schiebt ein gelbes X-Kreuz hin und her, von draußen dirigiert es eine Kollegin an die richtige Position. "Natürlich gehe ich demonstrieren", sagt die Boutiquen-Inhaberin. "Diesmal wird das jeder machen." Die Laufzeitverlängerung habe alle in Dannenberg und Umgebung wütend gemacht.

Die Mutter kocht Tee für Demonstranten

Welche Protestform sie wählen wird, das entscheidet die Frau spontan am Samstag. "Sitzblockaden sind nicht jedermanns Sache", sagt sie. "Aber jeder findet seine Form. Meine alte Mutter kocht etwa viel Tee und verteilt ihn dann."

Wenn das Wetter so bleibt, werden die Demonstranten etwas Heißes zu trinken brauchen. Seit Stunden fällt feiner Nieselregen, unterbrochen nur von kräftigen Schauern. Demonstriert werde bei jedem Wetter, sagt die Modeverkäuferin. Im Radio habe sie gehört, dass allein dem Land Niedersachsen 25 Millionen Euro Kosten entstehen – da sei der Einsatz der Bundespolizei noch gar nicht eingerechnet. "Wir machen es so teuer, wie es nur geht", sagt die Frau. Und kehrt in ihr Geschäft zurück.

Einige Meter weiter, hinter der St. Johannis Kirche, hat die Linke Wendland ihr Büro. Im Fenster hängt ein Plakat der umstrittenen Initiative "Castor Schottern". Deren Macher rufen auf, die Steine aus dem Gleisbett zu entfernen, damit der Zug mit den Castor-Behältern nicht mehr darüber fahren kann und nach Frankreich zurückkehren muss. "Atomausstieg ist Handarbeit", steht über dem Bild eines schemenhaften Mannes, der Steine in seinen Pullover schaufelt. Die Linkspartei wirbt aber auch damit, dass die gesamte Bundestagsfraktion aus Berlin ins Wendland kommen wird. Am Sonntag soll es auf dem Grundstück einer Parlamentarierin eine Sitzung der niedersächsischen Landtagsfraktion geben, an der auch Bundestagsmitglieder teilnehmen. Vorher sind die Abgeordneten als "nicht-neutrale Beobachter" unterwegs, erzählt eine Mitarbeiterin. Sie sollen bei "Übergriffen der Staatsmacht auf Demonstranten" schlichten.

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  • Frontal21, mehr muß ich nicht sagen.

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,1001633,00.html?dr=1

  • Stuttgart21 und Castor transporte sind 2 vollkommen unterschiedlich zu behandelnde Themen.

    Stuttgart21 befürworter waren mir gegenüber in meinem Arbeitsleben sehr gewalttätig veranlagt. Es kam zu Unfällen weil ich als langjährige TesteriN in diskriminierender Leiharbeit nur verheizt wurde und anschließend bei ETCS in der Schweiz nachweisbar Unfälle mit Sachschäden vorliegen weil wieder mal ein UNi Student mit Dokumentenschreiben vorgezogen wurde. Leider ohne jegliche Erfahrung und hörig im Kommandobefehlen.

    Mobbingtreiberinnen und andere, ohne Fachkenntnis, wurden jedoch fürstlich belohnt und sitzen beispielsweise heute mit 58 000 Euro Jahresgehalt bei bosch. Sie haben sich aufgrund von Mobbingbefürwortung qualifiziert bei Alcatel SEL und Anhang.

    Meine Unternehmensabteilung in die ich gewechselt war wurde zerschlagen und dem Unternehmen ein millionenschwerer Schaden zugefügt aufgrund der Vetternwirtschaft hier in Stuttgart.

    Wie zerlegen mit bahnsicherheit zahlreiche Kleinstädte in Europa und haben bereits zig Menschen umgebracht.
    Doc hes geht nicht darum, dass mal ein Unfall passiert, natürlich passieren Unfälle, doch diese Unfälle sind nicht glaubhaft vertretbar.
    Angefangen beim Absturz der Ariane den ich 6 Wochen vorher vorausgesagt habe, weil es vermutlich geplant war, sonst könnte ich es nicht wissen, und zuletzt die 21 Toten bei der love Parade. Alles vermeidbare Unfälle.
    Nun gut ist eben passiert, sagt man, doch was absolut nicht verständlich ist, dass die Verantwortlichen absolut hochbezahlt geschützt werden und Menschen die auf diese Mängel aufmerksam machen existenziell vernichtet werden bis hin zum Tod. Das ist hier die Gewalt in Deutschland, gege ndie eigene bevgölkerung ständig dieser Terror.

    Und der beruht darauf, das die Nazis ihre Nachfolger aufgebaut haben und diese wiederum in den entsprechenden Positionen sitzen. Nichts Vergangenheitsbewältigung, das ist die Gegenwart.


  • Die Einsatzkosten der Polizei gehen euch 40 jährigen langhaarigen Zotteldauerstudenten doch nur von eurem bafög ab. Geht was arbeiten dann habt ihr keine Zeit Straftaten zu begehen und liegt nicht unserer Gesellschaft auf der Tasche. Nicht daß wir noch ein Atomkraftwerk bauen müssen um euch noch länger durchschleifen zu müssen. Vielleicht werdet ihr ja auch aus der Parteikasse der Grünen bezahlt.
    Hoffentlich schickt die Polizei die richtigen Einheiten hin.

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