CDU-Bundesparteitag: Chefin alter Männer

CDU-Bundesparteitag
Chefin alter Männer

Wie modern muss die CDU werden? Auf dem Parteitag in Hannover lotet Angela Merkel aus, worüber sie reden muss und wovon sie schweigen darf. Wenn Sie nicht aufpasst, kommt ihr darüber der Wählernachwuchs abhanden.
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BerlinAngela Merkel gibt sich wie immer. Gut gelaunt und trotzdem konzentriert erledigt die CDU-Bundesvorsitzende in Hannover ihre Pflicht. Dabei hat der Parteitag offiziell noch gar nicht begonnen. Merkel stolziert durch die Halle, in der ab morgen große und kleine, wichtige und weniger wichtige Themen gewälzt werden. Dass im Vorfeld des Delegiertentreffens schon heftig über den künftigen Kurs gestritten wird, lässt die Kanzlerin unbeeindruckt. Was sind schon Streits wie die über die Gleichbehandlung homosexueller Paare, die Frauenquote, höhere Renten für ältere Mütter oder den Mindestlohn gegen das, was an Problemen im Zusammenhang mit der europäischen Verschuldungskrise gelöst werden muss. Vielleicht ist es das, was Merkel so unnahbar macht, dass sie als Kanzlerin in der Euro-Krise Führung zeigt, zu Hause aber, bei den Parteifreunden, also dort, wo es auch darum geht, Klartext zu sprechen, die Dinge treiben lässt.

Von Klartext ist Merkel weit entfernt. Sätze wie „Wir werden die Weichen stellen auch für das Jahr 2013“, die die CDU-Chefin bei ihrem Hallenrundgang sagt, klingen altbacken, aber nicht nach großem Aufbruch. Und dass sich Merkel offen für Debatten etwa auch zur Aufwertung der Homo-Ehe zeigt, dürfte ebenfalls kaum jemanden beeindrucken. Parteitage sind per se Diskussionsveranstaltungen, an deren Ende Entscheidungen getroffen werden, die der gesellschaftspolitischen Realität gerecht werden sollen. Insofern klingt auch dieser Satz von Merkel etwas hohl: „Mir ist es absolut Recht, wenn ich ein Votum des Parteitags zu bestimmten Fragen mit in meine politische Arbeit nehmen kann“, sagt sie, wohlwissend, dass sie in strittigen Fragen, die gesamte Parteiführung hinter sich hat.

Dass diese Haltung nach dem Motto „es wird ohnehin nichts schief gehen“ nicht unproblematisch ist und für die CDU über kurz oder lang zum Bumerang werden kann, zeigen die Schwierigkeiten der Union in den Großstädten. Nach Frankfurt/Main und Stuttgart ging der CDU jetzt mit Karlsruhe die dritte Großstadt in diesem Jahr verloren. „Der CDU gelingt es nicht mehr, das Lebensgefühl der Städter anzusprechen“, sagte der Tübinger Wahlforscher Hans-Georg Wehling. „Vor allem junge Frauen kann sie nicht mehr erreichen. Sie wird immer mehr zur Partei der alten Männer und karrieresüchtigen jungen Leute von der Jungen Union.“

Wehling riet den Christdemokraten, auch ihre Themen zu überdenken. So habe die Einführung des Betreuungsgeldes für Eltern, die ihre Kinder nicht im Kindergarten betreuen lassen, dem Image der Partei sehr geschadet. „Sie müssen dem neuen Frauentyp Rechnung tragen, der Kinder und Karriere unter einen Hut bringen will.“ Außerdem erwarteten Großstädter eine andere Gesprächskultur. „Sie wollen keine Basta-Politiker, die ihnen sagen, wo es langgeht, sondern Dialog und Mitsprache.“

Das sieht der Parteienforscher Gerd Langguth nicht anders. Er warnte die CDU vor einem Parteitag ohne größere inhaltliche Diskussionen. „Ich sehe, dass sich eine Grabesruhe entwickelt“, sagte der Professor an der Universität Bonn der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die CDU sei stets mehr als andere Parteien ein Kanzlerwahlverein gewesen. Doch derzeit werde fast überhaupt nicht mehr diskutiert. „Die CDU muss aber mehr über Inhalte diskutieren, um wählbar zu sein.“ Erfolg in den Großstädten hänge „vor allem von guten Kandidaten ab“, sagte der Bonner Politologe. „Diese Kandidaten zu finden, ist aber äußerst schwierig - und für die CDU besonders.“

Kommentare zu " CDU-Bundesparteitag: Chefin alter Männer"

Alle Kommentare
  • Um Himmels willen, da muessen wir das Wuerstchen im Pyjama ja noch Jahrzehnte ertragen!

  • Die CDU bekommt Problem mit dem Wähler-Nachwuchs? Das sehe ich anders, denn auch für mich ist die CDU nach 40 Jahren schlicht unwählbar geworden, nachdem ich sie vorher schon immer nur als das kleiner Übel ansah, was heute einfach nicht mehr reicht. Die CDU lebt im Moment einzig von der unfassbaren Schwäche der SPD, wird ihr aber bald ins 20-Prozent-Ghetto folgen. Wer derart verlogen und betrügerisch gegen den Bürgerwillen regiert, hat es nicht besser verdient - ich jedenfalls gebe meine Stimme nicht mehr her für den Marsch in den Brüsseler Superstaat!

  • Da versucht sich Merkel wegzuducken.
    Es werden Randthemen hochgespielt und die Kernthemen wie Ermächtigung Brüssels, Rettungsschirme, Staatenrettung, Energieversorgung, Energiepreise, Renten, Gerechtigkeit usw. verdrängt. Ich glaube nicht, dass der mündige Bürger das akzeptiert. Und ohne Aussagen sich zur Wahl zu stellen wie beim letzten mal wird aufgrund der schlechten Erfahrungen auch nicht mehr funktionieren!

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