In den eigenen Reihen sieht es kaum besser aus. Merkels Wunschkandidat für die Rolle der wirtschaftspolitischen Leitfigur, Hessens Ministerpräsident Roland Koch, fällt wegen der missglückten Regierungsbildung und möglichen Neuwahlen im Land vorerst aus. Dass Merkel den politisch angeschlagenen Hessen dennoch in die unionsinterne Arbeitsgruppe zur Reform der Erbschaftsteuer geholt hat, gilt in der Partei als Indiz dafür, dass sich die Kanzlerin weiter auf Kochs fachliche Kompetenz verlässt. Bei Parteivize Wulff ist das Problem, dass er sich nach eigenen Worten nun zwar häufiger in die Wirtschaftspolitik einmischen will, bisher aber mit keinem überraschenden Vorschlag aufgefallen ist.
In ihrer Not hat die CDU-Führung sogar eine mögliche Rückkehr des Wirtschaftsliberalen Merz diskutiert. Der will im kommenden Jahr zwar nicht mehr für den Bundestag kandidieren, doch als Bundesminister braucht er kein Abgeordnetenmandat, lautet das Kalkül. In der Unionsfraktion unterstützen einige Politiker ein Comeback des ordnungspolitischen Vordenkers.
Merz ist bisher zwar noch nicht gefragt worden, aber für ihn ist die Sache entschieden. Eine Rückkehr in die aktive Politik kann sich Merz erst vorstellen, wenn mit einem anderen Team eine andere Politik möglich ist, sagte er kürzlich. Schon das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl 2005 sieht Merz darin begründet, dass die CDU " inhaltlich nicht klar genug und personell chaotisch aufgestellt" war.
Mit wem Kanzlerin Merkel die Wirtschaftspolitik im Bundestagswahlkampf besetzt, ist daher weiter ungeklärt. Für die Partei von Ludwig Erhard ist diese Personallücke allerdings kein gutes Zeichen.


