0 Bewertungen
16.05.2008 
Steuer-Debatte

CDU-Generalsekretär schließt Steuersenkung für 2009 aus

Im Steuerstreit der Union verhärten sich die Fronten. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schloss die aus der eigenen Partei geforderten Steuersenkungen noch vor der Bundestagswahl 2009 aus. CSU-Chef Erwin Huber legte mit einem neuerlichen Ruf nach Steuersenkungen nach.

Wachstum in Deutschland dürfe nicht zu falschen Signalen führen, meint CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Foto: dpaLupe

Wachstum in Deutschland dürfe nicht zu falschen Signalen führen, meint CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Foto: dpa

HB BERLIN. „So lange wir Schulden machen müssen, können wir keine Steuern senken“, sagte er am Freitag in der ARD. In der laufenden Legislaturperiode könne es daher keine niedrigeren Steuern geben, bekräftigte der CDU-Politiker.

Das zu Jahresbeginn höchste Wachstum in einem Quartal seit zwölf Jahren sei erfreulich, dürfe aber nicht zu falschen Signalen führen. Ziel bleibe, die Bundesfinanzen bis 2011 zu sanieren und erstmals seit 40 Jahren einen Haushalt ohne neue Schulden vorzulegen.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Vortag am Rande ihrer Lateinamerika-Reise ihre generelle Bereitschaft zu Entlastungen der Bürger erklärt. So bald es möglich sei, sollten die Bürger von Steuermehreinnahmen profitieren.

Sie unterstrich zugleich die Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung und mahnte, nicht auf Kosten der Zukunft zu wirtschaften.

Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, rief dagegen dazu auf, die Forderungen des Wirtschafts- und Arbeitnehmerflügels nach einer Absenkung der Steuerlast noch vor der Bundestagswahl Ende 2009 zu berücksichtigen.

Das am Vortag bekanntgewordene gemeinsame Schreiben beider Gruppierungen sei eine kleine Sensation, sagte Ramsauer der „Bild“-Zeitung. Eine solche Allianz zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberflügel habe es in der Geschichte der Unionsfraktion noch nicht gegeben. „Ich kann allen nur raten, das sehr ernst zu nehmen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: CSU-Chef Erwin Huber legt nach

Zuvor hatte im Steuerstreit der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, Kanzlerin Merkel im Handelsblatt angegriffen. Diese müsse sich aus der Umklammerung von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) lösen und die politischen Prioritäten von der Haushaltskonsolidierung zur Steuerentlastung korrigieren.

Ein solcher Politikwechsel stärke die Binnenkonjunktur und beende die Enttäuschung der Stammwählerschaft der CDU.

CSU-Chef Erwin Huber bekräftigte die Forderung seiner Partei nach raschen Entlastungen für die Bürger. „Man wird bei Kindergeld, Kinderfreibetrag und Pendlerpauschale schon wegen der Verfassung nicht drum herum kommen, in dieser Legislaturperiode noch etwas zu machen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ und fügte hinzu: „Ich rate, das jetzt schon in den Haushaltsplan aufzunehmen.“

Das CSU-Steuerkonzept, sieht Entlastungen bis 2012 von bis zu 28 Milliarden Euro vor.

Der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus nannte es unsinnig, laufende Ausgaben mit Schulden zu finanzieren. „Wer immer neue Schulden macht, der lebt auf Kosten der Zukunft“, sagte er im Deutschlandfunk.

Politik dürfe sich nicht immer nur auf die nächste Pressekonferenz konzentrieren, sondern müsse auch an die nächste Generation denken.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Der glücklose Beck – Chro...

    Der glücklose Beck – Chronik eines Abstiegs

    Kurt Beck gibt auf. Nach immer neuen Tiefschlägen ist er vom SPD-Parteivorsitz zurückgetreten. Die Negativ-Schlagzeilen, denen er sich seit Sommer 2007 ausgesetzt sah, ließen die Popularitätswerte der SPD auf Bundesebene und zuletzt sogar in Becks Heimatland sinken. Di...Bildergalerie 

  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Frank-Walter Steinmeier führt die SPD bei der Wahl 2009 an. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick.Bildergalerie 

  • Müntefering ist wieder ga...

    Müntefering ist wieder ganz oben

    Franz Müntefering soll Kurt Beck als SPD-Vorsitzenden ablösen. Damit übernimmt der Sauerländer einen Posten, den er schon einmal hatte – und zwar von März 2004 bis November 2005. Er legte damals das Amt nieder, weil er seinen Wunschkandidaten im Parteivorstand nicht al...Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kommentar: Überfällige Konsequenz  Artikel in Merkliste

07.09.2008 von Daniel Goffart

Mit Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering hat die SPD wieder eine starke Führung. Sie muss aber erst noch zeigen, ob sie die lähmenden Flügelkkämpfe überwinden kann. Kommentar