CDU in Baden-Württemberg: Schwarzer Niedergang

CDU in Baden-Württemberg
Schwarzer Niedergang

Die CDU war in Baden-Württemberg mal eine Macht. Jetzt wurde sie vom Thron gestoßen. Doch der schleichende Verfall begann lange vor der verlorenen Wahl 2011, Und zwar in den 90er-Jahren unter Landesvater Erwin Teufel.

StuttgartSpitzenkandidat Guido Wolf tritt vor seine Anhänger. Er ist der letzte Spitzenkandidat, der sich bei der unübersichtlichen Lage im Stuttgarter Neuen Schloss aus der Deckung wagt. Wer geglaubt hat, einen zermürbten Verlierer zu sehen, hat sich in dem ehemaligen Tuttlinger Landrat getäuscht. Er wirkt trotziger und klarer als er es im Wahlkampf war. „Lust auf Zukunft. Das bleibt unser Motto“, ruft Wolf. Keine feuchten Augen wie bei Nils Schmid von der SPD, obwohl er noch mehr Stimmen verlor als die SPD.

Es ist schon erstaunlich: Gerade hat er das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte Baden-Württembergs eingefahren mit um die 27 Prozent. Rund vier Prozent weniger als Die Grünen. Erstmals ist die CDU nicht mehr stärkste Fraktion und Guido Wolf denkt an die Zukunft. Die Gegenwart scheint so unerträglich, dass er sie einfach auszublenden scheint. So klammert er sich in der Stunde der bittersten Niederlage an einen Hoffnungsschimmer. „Grün-Rot ist abgewählt“. Seine einzige Option, es könnte für die Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP reichen, aber dann nur sehr, sehr knapp.

In den Anfängen des Südweststaates gab es so etwas schon einmal unter Gebhard Müller (CDU) 1953. Der spätere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes stand einer Allparteienregierung aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) vor.

Aber wie tief ist die CDU im Ländle gesunken. Natürlich haben sie kein Glück mit ihren Wahlterminen. 2011 gab die Atomkatastrophe von Fukushima den letzten Ausschlag für den Wahlsieg der Grünen. Und jetzt sorgt die Flüchtlingskrise dafür, dass die CDU massenhaft Stimmen an die AfD verliert. Beides jeweils übergeordnete Themen, die die Landespolitik in den Hintergrund drückten.

Aber das ist nur ein Teil der Erklärung, wenn nicht eine Ausrede. Kretschmann hat rund sieben Prozent mehr Stimmen als vor fünf Jahren. In der Flüchtlingsfrage war er auf Kurs der Kanzlerin. Ihm hat das nicht geschadet.

Der CDU ist es nicht gelungen, einen starken Gegenkandidaten zum grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aufzubauen. Die Gründe liegen nicht nur im zurückliegenden Wahlkampf. Sie liegen tiefer und stehen am Ende eines langen Niedergangs der CDU in Baden-Württemberg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%