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CDU in Thüringen: Blankoscheck für Althaus

So viel Rückendeckung war selten: In Abwesenheit und ohne seinen genauen Gesundheitszustand zu kennen, wählten die Delegierten Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Aber die Christdemokraten bangen immer noch um ihre Führungsfigur.

Archivfoto: Thüringens Ministerpräsident Althaus ist für die kommenden Landtagswahlen der CDU-Spitzenkandidat. Quelle: dpa
Archivfoto: Thüringens Ministerpräsident Althaus ist für die kommenden Landtagswahlen der CDU-Spitzenkandidat. Quelle: dpa

HB WALTERSHAUSEN. Der entscheidende Mann fehlt, doch die Thüringer CDU lässt sich davon nicht beirren. Sie wählt am Samstag in Waltershausen bei Eisenach ihren Spitzenkandidaten Dieter Althaus in Abwesenheit, ohne zu wissen, wie es dem schwer verletzten Ministerpräsidenten wirklich geht. Die Delegierten vertrauen den Beteuerungen seiner Stellvertreterin Birgit Diezel, dass er auf dem Weg der Besserung ist. Sie verliest auch eine Erklärung von Althaus, in der er seine Rückkehr auf die politische Bühne noch vor der Sommerpause ankündigt - und damit rechtzeitig vor der Landtagswahl am 30. August. Die rund 130 Delegierten reagieren erleichtert und applaudieren lange. Die Abstimmung fällt dann überzeugend aus: 94,6 Prozent.

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Seit dem Neujahrstag, als die 41 Jahre alte Beata Christandl nach einem Zusammenstoß mit Althaus stirbt, bangen die Christdemokraten um ihre Führungsfigur. Schnell stand die Strategie fest: An Althaus wird trotz seiner schweren Kopfverletzung und der Anklage wegen fahrlässiger Tötung nicht gerüttelt. „So einig und geschlossen war die Thüringer CDU noch nie zuvor“, fasst es Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel zusammen. Beobachter wie der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter sehen darin allerdings auch eine Schwäche: „Hinter Althaus klafft eine große Lücke, es gibt keinen CDU-Politiker in Thüringen mit ähnlich hohen Beliebtheitswerten.“

Das juristische Problem konnte Althaus überraschend schnell aus der Welt schaffen. Obwohl er keine Erinnerung an den Unfall hat, zeigte er sich geständig. Jetzt schreibt er aus dem fernen Allensbach am Bodensee: „Alles würde ich dafür geben, das tragische Unglück ungeschehen zu machen.“ In einem Blitzverfahren wurde er Anfang des Monats wegen fahrlässiger Tötung zu 33 000 Euro Strafe verurteilt. Damit ist eine milde Form der Vorstrafe verbunden, die nicht ins Führungszeugnis eingetragen wird.

Parallel dazu schien sich auch der Gesundheitszustand schlagartig zu verbessern. Wenige Tage nach der Verhandlung, der er als nicht vernehmungsfähig fernblieb, erklärte er schriftlich seine Bereitschaft zur Kandidatur. Kurz darauf besuchte ihn Birgit Diezel, um mit ihm die Kandidatenlisten für die anstehenden Wahlen abzusprechen. Und jetzt die Erklärung mit dem Satz: „Ich bin bereit, dem Freistaat weiter zu dienen.“

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