CDU-Jubiläum
Bitte keine virtuelle Volkspartei

Die CDU feiert heute ihren 70. Geburtstag. Große CDU-Politiker legten den Grundstein für eine Bindung an den Westen und für die deutsche Einheit. Und doch steht die Partei heute vor großen Herausforderungen.
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BerlinHerzlichen Glückwunsch, CDU! Heute vor 70 Jahren haben engagierte Deutsche in einem Gründungsaufruf dafür geworben, Deutschland gemeinsam wieder aufzubauen, ihm seine Würde wiederzugeben, auf Humanität und Rechtsstaat zu setzen und sich so klar vom Naziregime zu distanzieren. Als das Land in Trümmern lag, richteten sie den Blick nach vorne und legten ein beeindruckendes Pamphlet vor. Es zu lesen lohnt sich!

Die 35 Unterzeichner – darunter vier Frauen, Mitglieder der Zentrumspartei, Protestanten, ein Sozialdemokrat und ehemalige Anhänger der linksliberalen DDP – legten damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Volkspartei CDU.

Sie einte Katholiken und Protestanten, regierte so lange wie keine andere Partei, setzte mit Konrad Adenauer die Westbindung durch und beförderte mit Helmut Kohl die europäische Einigung und setzte die Deutsche Einheit um.

Die CDU ist bundesweit inzwischen wohl die einzige Volkspartei. Regional gilt dies in Ostdeutschland für die Linke, in Bayern für die CSU. Der SPD indes fällt es schwer, sich neu und für breite Schichten zu schmücken. Sie ist gefangen in ihrer Tradition als Arbeiterpartei bei einer sich längst veränderten Gesellschaft.

Zum Erfolg und Misserfolg einer Volkspartei gehört aber auch die eigene Kultur. Von 1998 bis 2010 hatte ich selbst die Aufgabe, die SPD journalistisch zu begleiten. Was immer wieder deutlich wurde: Die Genossen lieben es, sich ideologisch bis aufs Messer zu bekämpfen, den Diskurs zum Schlachtfeld zu erklären und am Ende Feindschaften und Hass zu hinterlassen.

Raufen sie sich doch zum Regieren zusammen, dann holt sie unerbittlich der Pragmatismus im Alltag der Entscheidungen ein, was die Sozialdemokraten – zumindest im Bund – ein ums andere Mal in die Krise gestürzt hat. Davon sind die CDU-Funktionäre weit entfernt – wenn es natürlich auch in der Union zweifelsohne üble Intrigen gibt.

Die SPD, so heißt es immer gern, erlebt immer rund zehn Jahre vor der Union den Wandel. 2003 feierte die alte Tante ihr 140-jähriges Jubiläum im Berliner Tempodrom. Rund 2000 Gäste waren dort, es war die Zeit, in der Gerhard Schröder seine Agenda 2010 gegen den Widerstand in den eigenen Reihen verteidigen musste, Genossen der Partei den Rücken zudrehten und sich aufmachten, die Linkspartei zu formieren.

Die SPD kam damals schon nur noch auf 26 Prozent in den Umfragen.  Die Parteistrategen hatten sich auch an einer Strukturreform versucht, zur Netzwerkpartei sollte die SPD werden. Der Tiefpunkt folgte 2009, als die Partei auf 23 Prozent abstürzte.

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Der Nachwuchs für den Bund fehlt

Kommentare zu " CDU-Jubiläum: Bitte keine virtuelle Volkspartei"

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  • Das war mal die Partei Konrad Adenauers und Ludwig Erhards. Adenauers selbsternannter Enkel (was für eine Anmaßung!) hat dieser Partei dann jeglichen intellektuellen Anspruch genommen und zum Verein für Hochverräter gemacht.
    Die Partei, die uns die D-Mark gegeben hat, hat sie uns auch wieder genommen. Unsere Landesgrenzen stehen für kriminelle Banden nach allen Seiten hin weit offen. Sie kommen mit leeren LKW´s rein, und fahren mit Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen wieder raus. Niemand nimmt Notiz davon. Sowas heißt dann "Chancen der EU-Ost-Erweiterung". Danke CDU!
    Merkel/Schäuble sind das Dreamteam aller Deutschland-Feinde. Sie sollen ersticken an ihrem klebrigen Geburtstagskuchen!

  • Die CDU ist nur noch ein Schatten früherer Tage, eine grünlinksorientierte, ihrer konservativen Werte beraubte Parteisimulation ohne "Köpfe" und ohne Charakter. Letztendlich wird diese Partei dann doch noch an der Einheit, an der "DDR" und ihrer bis heute herrschenden Ideologie scheitern und zugrundegehen. Ob sich Helmut das genau SO vorgestellt hat?

  • Die CDU heute ist ein vermerkelter Haufen und völlig entkernt, wie Prof. Patzelt von der TU Leipzig mal sagte.
    Sie wird der SED immer ähnliicher
    Ein bürgerlicher-konservativer Wertekanon ist nicht mehr vohanden
    Ein Großteil der heutigen CDU-Leute sind stramme Grüne

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