CDU-Landespolitiker Schavan und Oettinger wollen Ministerpräsident von Baden-Württemberg beerben
Zweikampf um Teufels Nachfolge

In Baden- Württemberg ist ein Kampf um die Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) entbrannt. Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan kündigte gestern an, dass sie Chefin der Landes-CDU werden will. Sie macht damit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Günther Oettinger Konkurrenz, der sein Interesse an der Nachfolge Teufels bereits vor Wochen signalisiert hatte.

STUTTGART/BERLIN. Teufel hatte gestern überraschend erklärt, dass er am 19. April 2005 sowohl als Ministerpräsident wie als Vorsitzender der baden-württembergischen CDU zurücktritt. Der langjährige Ministerpräsident will nur sein Mandat als Landtagsabgeordneter behalten. Der neuer CDU-Landeschef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2006 wird voraussichtlich auf dem Landesparteitag am 12. Februar 2005 gewählt.

Teufel machte aus seiner Verbitterung über den parteiinternen Machtkampf der letzten Monate keinen Hehl. Die Südwest-CDU hätte nach Umfragen mit ihm an der Spitze eine „denkbar gute Ausgangslage“ für die Landtagswahl, sagte der seit fast 14 Jahren amtierende Regierungschef. Diese Chance drohe die Partei durch die „inneren Auseinandersetzungen, wie sie seit einigen Wochen täglich geschürt werden“, zu verspielen.

Dabei, so Teufel, könnten die Befürworter eines Generationswechsels keine Versäumnisse in der Landespolitik zur Begründung ihrer Forderungen anführen: „Diese Gruppe will endlich selbst an die Regierung, das ist der einzige Grund.“ Gemeint ist damit offenbar Oettinger, dem Teufel das Amt nicht zutraut. Schavan gilt seit langem als Teufels bevorzugte Kandidatin für die Nachfolge.

Immer mehr Vereinigungen der Südwest-CDU hatten sich mehrheitlich, zum Teil sogar einstimmig für einen Wechsel an der Spitze noch vor 2006 ausgesprochen – und damit Teufel die Machtbasis entzogen: zuletzt am Sonntag die Frauenunion, zuvor die Junge Union, die Kommunalpolitische Vereinigung und die Christliche Arbeitnehmerschaft. Auch unter den Landtagsabgeordneten und den Landesgruppen im Bundestag und sowie im Europaparlament hatten sich Mehrheiten für eine Verjüngung herausgebildet. Teufel: „Wenn die CDU mich nicht mehr geschlossen als Spitzenkandidat will, bin ich in meiner Entscheidung frei.“

Teufel bemühte sich zugleich, den aktuellen Auslöser seines Verzichts zur Randnotiz zu verniedlichen. Es geschah am späten Sonntagabend am Rande der Wahlparty des zuvor für weitere acht Jahre gewählten Stuttgarter Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster. Teufels Staatsminister Christoph Palmer schlug seinem Parteifreund Joachim Pfeiffer in aller Öffentlichkeit zweimal ins Gesicht. Zuvor hatte Palmer den Waiblinger Bundestagsabgeordneten als „Verräter“ und „Drecksack“ beschimpft. Grund dafür war, dass sich Pfeiffer in der Nachfolgedebatte für einen Generationswechsel ausgesprochen hatte. Wegen des Vorfalls trat Palmer gestern von seinem Ministeramt zurück.

Seite 1:

Zweikampf um Teufels Nachfolge

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%