0 Bewertungen
31.05.2007 
Reform gefordert

CDU-Mittelstand gegen Erbschaftsteuer-Modell

von Donata Riedel

Die CDU-Mittelstandsvereinigung fordert von der Bundesregierung, die Erbschaftsteuer grundlegend zu reformieren. Ihr Vorsitzender Josef Schlarmann schlägt vor, für die Erbschaftsteuer eine breite Bemessungsgrundlage zu schaffen und dann die Steuersätze deutlich zu senken. Ausnahmen seien dann nicht mehr nötig.

Josef Schlarmann fordert ein neues Nachdenken über Entlastungen. Foto: apLupe

Josef Schlarmann fordert ein neues Nachdenken über Entlastungen. Foto: ap

BERLIN. „Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bietet die Gelegenheit, ein in sich konsistentes Erbschaftsteuerrecht zu schaffen“, sagte der Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, dem Handelsblatt. Die Koalition müsse dafür ihre bisherigen Plänen fallen lassen, Unternehmenserben schrittweise über zehn Jahre die Steuer zu erlassen. Schlarmann schlug wie zuvor der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) vor, für die Erbschaftsteuer eine breite Bemessungsgrundlage zu schaffen und dann die Steuersätze deutlich zu senken.

Ausnahmen seien dann nicht mehr nötig, auch nicht auf Eigenheime. „Warum soll es für einen Enkel unzumutbar sein, wenn er Omas Haus im Wert von 250 000 Euro erbt, darauf 5 000 Euro Erbschaftsteuer zu zahlen?“ so Schlarmann.

Die große Koalition hatte am vergangenen Freitag per Bundestagsbeschluss bekräftigt, dass sie Unternehmenserben nach dem so genannten Abschmelzmodell entlasten will: Die Steuer auf das produktive Vermögen soll den Erben erlassen werden, wenn sie den Betrieb zehn Jahre lang fortführen. Die Abgrenzung zwischen produktivem und nicht produktivem Vermögen gestaltet sich allerdings schwierig. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss für Betriebsvermögen künftig zunächst der Ertragswert ermittelt werden, der in der Regel höher liegen wird als die Buchwerte, die heute der Maßstab sind.

Nach Berechnungen von Stratthaus’ Ministerium würde der bisherige Plan der Koalition dazu führen, dass für kleine Unternehmen bis zu einem Wert von einer Mill. Euro mehr Erbschaftsteuer gezahlt werden müsste als heute. Stratthaus sprach sich gegenüber dem Handelsblatt ebenfalls für eine niedrige Steuer auf breiter Bemessungsgrundlage aus. Die Länderfinanzminister wollen erreichen, dass der Koalitionsausschuss am 18. Juni für die Erbschaftsteuerreform eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einrichtet.

Handwerkspräsident Otto Kentzler hatte die Bundesregierung bereits vor einigen Wochen gebeten, bei der Erbschaftsteuerreform das Abschmelzmodell nicht als einzige Lösung in Betracht zu ziehen. Andere Wirtschaftsverbände wollen das Konzept jedoch nicht in Frage stellen. „Nach dem Verfassungsgerichtsurteil ist eine Verschonungsregel für Unternehmen dringlicher denn je“, sagte DIHK-Steuerexperte Alfons Kühn.

Schlarmann kritisierte an dem bereits vorliegenden Kabinettsentwurf für ein Unternehmensnachfolge-Gesetz, dass darin die Abgrenzung zwischen produktivem und nicht produktivem Vermögen „künstlich und für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts nicht zielführend“ sei. Auslandstöchter außerhalb der EU, vermietete Grundstücke, Wertpapiere und Bargeld sollen nicht zum begünstigten Vermögen zählen. Ein Maschinenbau-Unternehmen, das eine Tochter in Österreich hat, wäre gegenüber einer vergleichbaren Firma mit Tochter in der Schweiz benachteiligt, kritisierte auch der Maschinenbauverband VDMA. In der Unionsfraktion wurden Schlarmanns Forderungen zurückhaltend aufgenommen. Die Fraktion stehe zum Koalitionsbeschluss, hieß es dort.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar