CDU-Parteitag beginnt
Nach dem Mindestlohn der Kater

Ganz unironisch gemeint: Beim heute beginnenden CDU-Parteitag in Hannover wird es den Beschluss geben, dass „Mindestlöhne, die Arbeitsplätze vernichten und Wettbewerb aushebeln“, nicht mit der Union zu machen sind. Bei der SPD reagiert man mit beißendem Spott.

BERLIN. Kurz vor dem CDU-Parteitag in Hannover trübt die Einigung beim Post-Mindestlohn die Stimmung in Teilen der Union. „Persönlich halte ich den Post-Mindestlohn von 9,80 Euro für viel zu hoch“, sagte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus dem Handelsblatt. „Das bringt Druck in andere Branchen, der falsche Auswirkungen haben kann. Wir müssen unbedingt darauf achten, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt gerade für Niedrigqualifizierte erleichtert und nicht erschwert wird“, sagte der CDU-Politiker.

Nach dem Willen der Parteispitze soll der Parteitag – neben der Verabschiedung des neuen Grundsatzprogramms – vor allem für eine klarere Abgrenzung zur SPD sorgen. Dies will offenbar auch die Kanzlerin in ihrer Parteitagsrede betonen. Bei der SPD reagierte amüsiert: Das Grundsatzprogramm lese sich „wie gedruckte Kaufhausmusik – es klingt ganz gut, aber ihm fehlt jede Tiefe“, höhnt Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Generalsekretär Hubertus Heil sagt, er fühle sich an eine „vorgezogene Weihnachtsfeier“ erinnert.

An Heils Spott ist etwas dran: Das Delegiertentreffen ist als betont unaufgeregte Veranstaltung ohne große Richtungsauseinandersetzungen geplant. Ein harmonischer Parteitag hat den Nachteil, dass man außerhalb des Konferenzsaals damit wenig Aufmerksamkeit erringt. Dafür ist das gut für die Innenwirkung, soll professionell wirken und sich wohltuend vom Gezerre bei der SPD absetzen. Umso weniger dürfte es der Parteitagsregie ins Konzept passen, wenn jetzt der Mindestlohn die adventliche Besinnlichkeit stört.

Zum Knall wird es in Hannover wohl nicht kommen. Anträge, den Mindestlohn in weiteren Branchen auszuschließen, lagen bis kurz vor Parteitagsbeginn nicht vor. Die Partei-Gruppierungen des Wirtschaftsflügels, der Wirtschaftsrat unter Kurt Lauk und die Mittelstandsvereinigung unter Josef Schlarmann, werden zwar wohl das Wort ergreifen, sind aber zu einflusslos, als dass Angela Merkel ihr Aufbegehren fürchten müsste. Dazu kommt: In zwei Ländern, noch dazu von wahrhaftigen Präsidiums-Schwergewichten regierten, herrscht Wahlkampf, in Hessen und Niedersachsen nämlich. Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff lässt sich in der „Bild am Sonntag “ wie folgt zitieren: „Ich sage ganz klar: Wir wollen Mindestlöhne.“ Viele teilen im Präsidium diesen Willen. Und wer den Willen zum Mindestlohn nicht teilt, der sagt das im Moment nicht laut.

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