CDU-Parteitag
Die Schrittchenmacherin

Angela Merkel hat die CDU verändert. In der Familienpolitik und beim Klimaschutz ist die Partei so modern wie selten zuvor. Aber in Wirtschaftsfragen fehlt ihr die Richtung. Auf dem Parteitag muss Merkel den Kurs vorgeben.

BERLIN. Angela Merkel reitet eine Attacke nach der anderen gegen die SPD. Ihre Partei triumphiert, Wirtschaftslenker jubeln. Blogger und konservative Leitartikler sind begeistert. "In der Not", sagt die Frau am Rednerpult, "soll es überall der Staat richten. Wann endlich lernt die SPD, dass der Weg zu mehr Staat immer der Weg zu weniger Wachstum, Aufschwung und Beschäftigung ist?"

Merkel und ihre CDU, sie strotzen vor Kraft. Absolute Mehrheit in Hessen, Zweidrittelmehrheit in Bayern, sogar im roten Brandenburg bei den Kommunalwahlen haben die Konservativen die Nase vorn.

Wer "stur" sei, sagt Merkel, "der ist reformunfähig, wer reformunfähig ist, der ist im Grunde regierungsunfähig". Jetzt gelte es, das "größte Reformpaket, das es in der CDU seit langem gegeben hat", zu beraten.

Leipzig, 1. Dezember 2003, Parteitag der CDU. Gut ein Jahr nach der verlorenen Bundestagswahl fasst die Partei die Beschlüsse, die sie bis heute verfolgen, die Reformagenda, die sie bis heute entzweit.

Von diesem Dezembertagen im Jahr 2003 bis zur Bundestagswahl 2005 hat die Kleine-Leute-Partei CDU den Mut, über einen grundlegenden Umbau der Sozialversicherungssysteme und der Steuerpolitik nachzudenken, hat die Angestelltenpartei aus dem katholischen Rheinland die Chuzpe, den Menschen reinen Wein einzuschenken - darüber, was der demografische Wandel anrichten kann, wenn man sich nicht von lieb gewordenen Gewohnheiten verabschiedet.

Angela Merkel verkörpert diesen Wandel. Ohne Denkverbote stellt sie scheinbar Unantastbares auf den Prüfstand. Fünf Jahre später, am Montag, wird sie wieder vor ihrer Partei stehen. In Stuttgart diesmal. Angela Merkel, Kanzlerin in stürmischer Zeit und Parteichefin in unsicheren Tagen, tritt vor eine CDU, die genauso nach Richtung sucht wie ihre Frontfrau. Eine Partei, der sie als Vorsitzende ihren Stempel aufgedrückt, die sie modernisiert hat.

In der Familienpolitik, beim Klimaschutz, mit Abstrichen auch bei Integrationsthemen ist die CDU auf der Höhe der Zeit wie selten zuvor. Doch heute kommt es auf alte Kernkompetenzen an: Wirtschaft, Arbeitsplätze. Hier sucht die CDU nach Richtung. Hier ist alles andere als sicher, ob Merkel den Chor der unterschiedlichen Stimmen zu einer stimmigen Botschaft vereinen kann.

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