CDU-Parteitag in Köln
Die Angela-Merkel-Show

Auf dem Parteitag in Köln feiert die CDU nicht nur ihre alte, neue Chefin Angela Merkel, sondern vor allem sich selbst. Dabei umschifft die Bundeskanzlerin das wichtigste Thema: Die AfD als möglichen Koalitionspartner.
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KölnEin Franzose macht den deutschen Christdemokraten eine Ansage. „Angela Merkel hat die deutsche Wirtschaft und damit Europa fit gemacht“, sagt Joseph Daul. Anerkennender Applaus. Und weiter: „Ihr wisst gar nicht, was ihr für eine starke Chefin habt.“ Aufbrausender Applaus. „Heute Abend darf keine Stimme fehlen.“ Der Rest ist Jubel.

Joseph Daul, Präsident der Europäischen Volkspartei, bringt die rund 1000 Delegierten des 27. Parteitag der CDU in der Kölner Messehalle 8 auf Betriebstemperatur. Vier Stunden später ist klar – nicht alle, aber immerhin fast alle im Saal haben auf den Franzosen gehört. Die Bundeskanzlerin wird mit 96,72 Prozent als Parteivorsitzende bestätigt. Ein überragender Wert.

Und doch keine Überraschung: Die CDU ist die Angela-Merkel-Partei Deutschlands. Außenpolitisch gefragt, innenpolitisch moderat – so stellt sie die meisten Volksparteimitglieder zufrieden. Wenn diese in der Mittagspause bei einer Würstchensuppe auf Merkels Bewerbungsrede zu sprechen kommen, dann fallen Worte wie „sehr sachlich“, „fundiert“, „erklärend“.

Schwarze Null, gestiegene Nettolöhne, geringe Arbeitslosigkeit, Mütterrente. „Das kann sich sehen lassen“, sagt Merkel. Ihre Worte sind so gewählt wie berechenbar. Ihre Zuhörer wirken selbstzufrieden wie Fans von Bayern München, die nach einem 5:0 das 6:0 beklatschen.

Doch zweimal schafft es Merkel, die Delegierten im Saal mitzureißen. Ihre Attacken auf SPD und Linke sitzen. Zu Rot-Grün im Landtag von Nordrhein-Westfalen sagt Merkel: „In vier Regierungsjahren vier Niederlagen vor dem Verfassungsgericht. Das ist einmalig.“ Und an Landeschef Armin Laschet gewandt: „Ihr müsst schauen, dass NRW ein Rechtsstaat bleibt.“ Zum Hintergrund: Beim Haushalt und dem Beamtensold wiesen Verfassungsrichter Beschlüsse der Regierung von Hannelore Kraft (SPD) zurück.

Auch die Thüringer SPD, die sich vergangene Woche zur Juniorrolle in einem rot-rot-grünen Regierungsbündnis bekannt hat, bekommt ihr Fett weg. „Wie viel kleiner will die SPD sich eigentlich noch machen, frage ich mich? Ich halte das Verhalten der SPD in Thüringen für eine Bankrotterklärung an den eigenen Anspruch, als Volkspartei die Zukunft gestalten zu wollen.“

Die Kampfansagen kommen nicht von ungefähr. NRW, Baden-Württemberg und vor allem Thüringen haben gezeigt, dass Regierungsbildungen ohne die CDU möglich sind. Selbst wenn die CDU eine starke Fraktion stellt. Die Merkel-Union fürchtet, dass Rot-Rot-Grün bundesweit gesellschaftsfähig wird. Und sie muss damit rechnen, dass die FDP mittelfristig als Regierungspartner verloren ist. Selbst wenn die Parteivorsitzende trotzig sagt: „Ich kann mich nur wundern, wie die FDP heute schon abgeschrieben wird. Warten wir einfach mal ab. Die FDP bleibt unser natürlicher Koalitionspartner.“

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Die Angela-Merkel-Show

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Merkel schweigt sich aus

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  • Warum werden meine Kommentare seit längerer Zeit unterdrückt? Ich berichte nur über Tatsachen ohne unflätig zu werden. Diese Frage habe ich schon mehrmals an das HB gestellt. Vielleicht bemühen Sie sich ja jetzt mal um eine Antwort.

  • Erika und ihr Politbüro "machen Europa fit".
    Das stimmt sogar, denn unsere Steuergelder und unsere 27%-Haftung an den Schulden des ClubMed sorgen im Schuldner-Stadel für unbändige Heiterkeit und weiterhin für fahrlässige Kredit-Aufnahmen.

    (....)

    Gerade hat Alan Grünspan, der Vater aller Blasen, in einem Interview mit Wallstreet-Online zugegeben , dass alle seine finanzpolitischen Maßnahmen für die Katz waren und nur die Assetpreise in die Höhe getrieben haben.

    Zum Schluß des Interviews hat er sogar noch eine Empfehlung für Gold ausgesprochen, weil "Gold nicht den Repressalien des Staates ausgesetzt werden kann".

    (....)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • CDU-Parteitag in Köln Die Angela-Merkel-Show
    Der Parteitag der CDU war von der Parteiführung in hohem Maße vorbereitet und inszeniert.
    Man hatte den Eindruck, die Delegierten des Parteitags waren von der Parteiführung ausgewählt.
    Frau FDJ-Kanzlerin Merkel, musste sich zurückversetz gefühlt haben, in ihrer Zeit bei den FDJ und SED Parteitagen der untergegangenen DDR.
    Für die Bürger wurde altbekanntes der Presse diktiert.
    Ein Aufbruch geht von diesem Parteitag für die BRD nicht aus.
    Etwas Neues gibt es doch, Jens Spahn (ein Lobby Vertreter) wurde als neues PRÄSIDIUMSMITGLIED gewählt, ein Mann der noch nie etwas Positives für uns Bürger erbracht hat, und noch nie einer richtigen Arbeit nach ging.
    Von der Schule in den Bundestag, was für eine Karriere!!!

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