CDU-Parteitag
Roland Koch – das Comeback-Kid der CDU

Roland Koch ist zurück. Mit einem kämpferischen Auftritt stärkt er der Kanzlerin auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart den Rücken. Es ist seine Bewerbung für ein Amt im Bund. Der Rückhalt seiner Partei ist ihm dabei sicher. Die Parteitagsdelegierten bescherten dem Merkel-Vize das mit Abstand beste Ergebnis.

Nein, Ruhe sei keine Untätigkeit. Nein, im Wettbewerb der Hektiker sei die CDU immer schon schlecht gewesen. Nein also, zu einer schnellen Steuerreform. In schnellem Stakkato begründet Roland Koch, warum er die ruhige Hand der Kanzlerin in der Wirtschaftspolitik für richtig hält. Hessens Ministerpräsident hält die Rede, die viele Delegierten von Angela Merkel hätten hören wollen. Nicht, weil er eine andere Meinung vertreten würde, sondern weil er Merkels Haltung in Worte fasst, die bei der CDU-Basis ankommen. Merkel, das war schon vorher klar, setzte sich in Stuttgart mit ihrer Meinung im Steuerstreit erst mal durch. Doch erst Roland Koch lieferte die Argumente für ihre Haltung.

Roland Koch ist zurück. Der Mann ist das „Comeback-Kid“ der CDU. Das bestätigte der Parteitag in Stuttgart eindrucksvoll. Mit 88,76 Prozent der Stimmen wurde er als einer von vier stellvertretenden Parteichefs im Amt bestätigt. Als einer von vier - und mit Abstand mit dem besten Ergebnis. Vor zwei Jahren waren es nur 68 Prozent. Wichtiger als das Ergebnis aber: Koch machte in Stuttgart deutlich, dass die CDU sehr wohl einen Kopf für Wirtschaftspolitik haben könnte, wenn man ihn nur ranließe. Während Friedrich Merz sich mit tadelnden Worten von der politischen Bühne verabschiedet, will Koch - auch er war einst Merkels Rivale - Karriere machen und streichelt die mächtige Frau der CDU.

Koch und Merkel, das ist eine lange, spannungsreiche Beziehung, doch heute überrascht es nicht einmal mehr, wenn Koch Merkels Meinung ist. Kaum jemand glaubt, dass Koch im Falle eines Wahlsieges im Januar fünf Jahre Ministerpräsident in Hessen bleiben wird. Jeder Weg aber auf einen prominenten Posten in der Bundespolitik hängt vom Plazet der Kanzlerin ab.

Kochs Auftritt vor dem CDU-Parteitag kann dafür als Bewerbungsrede gelten. Seine Gedanken hat er auf einem kleinen Zettel geordnet. Doch er blickt kaum drauf. Wo Merkel wolkig ankündigt, im Januar noch mal zu schauen, ob neue, stärkere Hilfen für die Konjunktur nötig seien, nennt Koch Kriterien. „Worauf werden wir da am 5. Januar schauen? Auf das Konsumklima, auf die einbrechenden Absatzzahlen bei der Autoindustrie.“

Während Teile der CDU-Spitze in Stuttgart so tun, als könnten sie ihr Wahlprogramm für 2009 völlig unabhängig von der Wirtschaftskrise diskutieren, weiß Koch, dass er im Januar, in Hessen, mit so einer Fiktion nicht durchkommt. „Da werden sich die Menschen ganz konkret fragen, wie ihre persönliche Lebensplanung durch die Krise beeinflusst wird“, sagt er. Verantwortliches Handeln in der Krise mit einer gehörigen Portion Optimismus, das müsse die Grundmelodie der CDU im Krisenjahr werden.

Optimismus, den hatte auch Koch in diesem Jahr gebraucht, in dem zwei Anläufe von Andrea Yspilanti und der Hessen-SPD, ihn aus seinem Amt zu drängen, gescheitert sind. „Ihr habt Euch neues Vertrauen erworben“, lobt Merkel Koch heute, sein als ausländerfeindlich wahrgenommener Wahlkampf vom Anfang des Jahres scheint vergessen. „Erspart Hessen und Deutschland, dass unbelehrbare DKP-Kader im Land der Paulskirche mitregieren“, sagt die Kanzlerin. In Erinnerung werden ihre Äußerungen zu Hessen und Koch freilich aus einem anderen Grund bleiben. Als sie Koch direkt ansprach, hörte sich das verdächtig nach „Roland Kotz“ an. Lässt Freud da grüßen? Auf „Youtube“ war dieser Versprecher gestern Nachmittag schon der Renner.

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