CDU-Politiker attackiert Friedrich
„In der Fraktion kriegt er das Maul nicht auf“

Die harte Kritik von Ex-Minister Hans-Peter Friedrich an der Kanzlerin belastet das Klima in der Unionsfraktion. Ein CDU-Abgeordneter macht seinem Ärger bei Facebook Luft. CSU-Chef Seehofer schaltet sich ebenfalls ein.
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DüsseldorfDer unionsinterne Streit über die Kritik von Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) am politischen Kurs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewinnt an Schärfe. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, Matthias Zimmer (CDU), griff den ehemaligen Bundesinnen- und Bundesagrarminister Friedrich in einem Facebook-Kommentar frontal an. „In der Fraktion kriegt er das Maul nicht auf, aber dann öffentlich im günstigen (wirksamen) Augenblick losschlagen. Illoyalität nenne ich das, auch gegenüber den Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion“, schrieb Zimmer auf der Facebook-Pinnwand des Leiters des Parlamentsbüros der „Bild“-Zeitung, Ralf Schuler.

Friedrich ist für den hessischen CDU-Politiker kein Einzelfall. Innerhalb der CSU sieht er auch den früheren Bundesverkehrsminister und heutigen Vorsitzenden des Bundestags-Wirtschaftsausschusses Peter Ramsauer als Störenfried. Bei Ramsauer habe man sich aber „schon dran gewöhnt und nimmt es nicht ernst“, so Zimmer. „Aber offensichtlich fällt es einigen CSUlern schwer, keine Regierungsämter mehr zu haben.“

Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schaltete sich ein und wies Hans-Peter Friedrich in die Schranken. „Wir sind erst vor einem Jahr sehr gut gewählt worden“, sagte Seehofer dem Radiosender Antenne Bayern. „Die Kanzlerin hat fast die absolute Mehrheit erreicht in Berlin. Da ist eine Kursdebatte schon ein bisschen fragwürdig.“ Diese Debatte sei „schade, (...) weil sie natürlich auch schädlich ist“.

Friedrich hatte kritisiert, dass die Union konservative Themen nicht mehr besetze, was mit zu einem Erstarken der AfD und der anti-islamischen Pegida-Bewegung beitrage. Er warf Merkel im „Spiegel“ vor, „im
Mainstream stimmungsabhängiger Meinungsumfragen mitzuschwimmen“.

Die CDU-Zentrale wollte sich am Montag nicht dazu äußern. Auch die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz gab keinen Kommentar im Namen der Kanzlerin ab. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt wies Friedrichs Kritik zurück. „Vergangenheitsbewältigung im Sinne von Nachtreten war noch nie ein guter Ratgeber“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag. Friedrich musste im Februar wegen einer umstrittenen Informationsweitergabe zur Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy als Bundesagrarminister zurücktreten.

Friedrich bekam für seine scharfe Kritik am Mitte-Kurs der CDU von Merkel allerdings auch Zustimmung in Teilen der Schwesterparteien – etwa vom CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach und vom Vize-Chef der CSU-Landesgruppe, Hans Michelbach.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " CDU-Politiker attackiert Friedrich: „In der Fraktion kriegt er das Maul nicht auf“"

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  • @C. Falk

    Vollkommen richtig, es geht um politische Inhalte.

    Wie wir alle wissen, haben ein Friedrich oder Ramsauer, beide CSU in ihrem Ministerämter auf ganzer Linie versagt. Beide wurden mit unseren Steuern bestens alimentiert und erhalten später eine vorzügliche Pension. Wie man in den nachfolgenden Kommentaren solche vermeintliche politischen Größen als Leistungsträger der Politik verteidigen kann, erschließt sich dem gut informierten Bürger nicht. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren, wenn mir doch mal jemand aufzählen würde, was Friedrich & Ramsauer zum Wohle Deutschlands in ihrer Ministerrolle erreicht haben. Da dürfen wir aber sehr gespannt bleiben, ob jemandem etwas einfällt!

    Friedrich macht dass, was man in der CSU kann: Dampfplaudern

    Das ist die einzige Kernkompetenz der der CSU.

    Leere Kanonensalven mit Horst Wendehals an der Spitze verfeuern. Mit den populistischen Blendraketen kann die CSU einige wenige im hiesigen Forum täuschen. Die bayerischen Stammwähler gehören natürlich auch noch dazu. Im bundesdeutschen Vergleich ist die CSU ein Fliegenschiss, kleiner als die afd.

    Seehofer und Hasselfeldt betreiben Schadensbegrenzung. Zu groß ist die Gefahr, dass die CSU der FDP in die Bedeutungslosigkeit folgen könnte.

  • Viele AfD-Wähler sind wohl auch ehemalige Nichtwähler, die sich vor Allem von Union und Fdp abgewandt hatten, weil sie sich von denen schamlos belogen und verraten fühlen. Bis zum Herbst 2013 gehörte ich auch über 10 Jahre lang zu dieser Gruppe. Erst jetzt macht es wieder einen Sinn, wählen zu gehen! Vermutlich wäre das Ergebnis bei der letzten BTWahl auch im Bereich der letzten Landtagswahlen gewesen und ist nur.......... "abgerundet" worden. Auch das steigert natürlich die Wut derjenigen, die sich um ihre Stimme betrogen fühlen müssen!

  • Friedrich ist einer der CSU-Politiker, die wirklich solidarisch mit den Wählern sind und nicht bloß mit einer - dazu fremden - Partei.

    Gut, daß er es sagte. Gut, daß es jeder hören konnte.
    Hoffentlich wird sich etwas ändern.

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