CDU-Politiker hoffen auf Friedrich Merz
Anti-AfD-Strategie verzweifelt gesucht

Die CDU sucht nach einer Strategie gegen die AfD. Eine harte Gangart à la Schäuble halten viele für falsch. Andere setzen auf die Rückkehr von Friedrich Merz. Davon hält der einstige Hoffnungsträger der Union aber wenig.
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BerlinDer Europawahl-Erfolg für die Alternative für Deutschland (AfD) brachte einige Unions-Politiker ins Grübeln. Dass 500.000 Wähler von der Union zur AfD gewandert sind, könne die CDU „nicht kalt lassen“, wurde damals unter vorgehaltener Hand gemunkelt. Dahinter steht die Sorge, dass es immer schwerer werden könnte, enttäuschte Wähler noch im bürgerlichen Lager zu halten, zumal auch der einstige Koalitionspartner FDP als Auffangbecken ausfällt.

Experten prophezeiten schon damals, dass für die AfD die Rechnung aufgehen könnte und sie als rechtskonservative Partei den bisher leeren Platz im Parteiensystem rechts von der Union einnimmt. „Das verschafft ihr auch mögliche Wachstumsperspektiven“, sagte der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst. Das von Probst beschriebene Szenario ist inzwischen eingetreten. Die AfD schaffte nach der Europawahl erstmals den Einzug in drei Landesparlamente. Die Union ist nun erst Recht verunsichert – und sucht händeringend nach einer Strategie, mit der sich erfolgreich der AfD das Wasser abgraben ließe.

In dieser Situation kommt es einigen in der Union sehr gelegen, dass Friedrich Merz rund fünf Jahre nach seinem Rückzug aus der Politik wieder ein Amt in der Bundes-CDU übernimmt. Merz wird der neuen Parteikommission „Zusammenhalt stärken – Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten“ angehören, die heute erstmals tagt. Sein Thema ist aber nicht AfD. Im Eröffnungsvortrag, den er halten soll, geht es um „digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft“.

Dass der frühere Unionsfraktionschef dennoch als Geheimwaffe der CDU gegen die AfD gehandelt wird, kommt bei ihm nicht gut an. „Mich wundert, dass dieser Zusammenhang hergestellt wird“, sagte Merz dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Er arbeite in der Programmkommission mit, weil ihn der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet darum gebeten habe. Die Kommission tagt nach der Eröffnungsrunde insgesamt drei Mail im kommenden Jahr. „Ich bin einfaches Mitglied“, betonte Merz und fügte mit Blick auf die ihm von manchen Parteifreunden zugedachte AfD-Rolle hinzu: „Ich bin nicht begeistert, dass meine Teilnahme an der Kommission solche Reaktionen auslöst.“

Dass die CDU der AfD mit Merz deutlich Paroli bieten könnte, liegt auf der Hand, galt er doch neben dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch als einer der prominentesten Vertreter des konservativen CDU-Flügels. Unter dem von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeschlagenen Linkskurs – Stichwort: Mindestlohn, Rente mit 63 – hat das konservative Profil allerdings schwer gelitten. Die Hoffnung einiger Christdemokraten ist deshalb, dass sich mit Merz dieses Manko beheben lässt und damit zugleich der AfD Wähler abgejagt werden können.

Kommentare zu " CDU-Politiker hoffen auf Friedrich Merz: Anti-AfD-Strategie verzweifelt gesucht"

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  • Selbst vor der Merkel-Ära war die CDU keine konservative Partei mehr

    Selbst zur Zeiten von Friedrich Merz und Roland Koch war die CDU keine wirklich konservative Partei mehr. Sie war vielleicht noch konservativer als die heutige Merkel-CDU – was keine große Leistung ist– aber deshalb noch lange nicht konservativ.

    Und was vermag ein angeblich konservativer Parteifunktionär Merz gegen die geballte Macht solche Grünen mit CDU-Parteibuch wie Armin Laschet oder Jens Spahn, u. v. m. denn ausrichten?

  • Immer wieder erstaunlich, für wie blöd das Stimmvieh in den Partei-Zentralen gehalten wird. Man muss also nur ein paar alte Recken zurückholen, die gerade wegen der Merkel´schen Alternativlosigkeit gegangen sind, und schon kommen die früheren konservativen Stammwähler zurück? Ich glaube, dass die AfD erst dann wieder in der Versenkung verschwinden würde, wenn Merkel und Schäuble aufhören, uns alternativlos an die von den PIGS-Staaten dominierte Euro-Wahnsinns-Fraktion zu verhökern - und das wird natürlich nicht passieren. Also: Gewöhnt Euch dran!

  • Eine Lachnummer, diese "Rettungstat mit Merz". Das ist genau das Gleiche wie es die CSU versuchte mit Gauweiler im Vorstand und die NRW-FDP mit Frank Schäffler auf Platz 5 des BT-Wahlscheins. Völlig nutzlos. Ausserdem ist Merz ein "Gummiadler", weil er jedesmal, wenn's darauf ankommt, kneift und sich verzieht.

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