CDU-Reaktionen nach der Wahl
„Wir brauchen keinen Ruck nach rechts“

Nach der Bundestagswahl lassen Reaktionen nicht lange auf sich warten. Verschiedene Politiker der CDU sprechen sich derweil gegen einen Rechtsruck der Union aus – die AfD soll inhaltlich viel stärker angegangen werden.
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Berlin/MünchenNach dem enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl zeichnet sich ein Streit über die Neuausrichtung in der Union ab. „Ich bin mir sicher, wir brauchen keinen Ruck nach rechts“, sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner am Montag vor einer Sitzung des CDU-Präsidiums in Berlin mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD. „Wir müssen die Themen ansprechen, die die Bürger bewegen in der Mitte der Gesellschaft - nichts tabuisieren, nichts schlechtreden, aber vor allen Dingen die AfD auch stellen.“ Klöckner ist zugleich Landeschefin in Rheinland-Pfalz.

Die Berliner CDU-Landeschefin Monika Grütters lehnte ebenfalls eine stärkere konservative Ausrichtung der Union ab. „Wir haben drei Landtagswahlen verloren wegen des Ausholens nach rechts – 2016 in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt“, sagte Grütters im RBB-Inforadio. „Und wir haben jetzt vier Wahlen in Folge gewonnen – im Saarland, in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und beim Bund – als wir die stabile Mittelpolitik von Angela Merkel verteidigt haben. Ich glaube also, es wird auch bei den Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene jetzt um Maß und Mitte gehen“, erklärte die Kulturstaatsministerin im Kanzleramt.

CDU-Chef Horst Seehofer kündigte dagegen für die Koalitionsverhandlungen in Berlin erneut einen harten Kurs seiner Partei an. „Wir werden bestehen auf den Dingen, die wir der Bevölkerung versprochen haben in unserem Bayernplan“, sagte Seehofer vor einer CSU-Vorstandssitzung in München. Dazu gehöre auch eine Obergrenze für Flüchtlinge. „Für uns geht's vor allem um einen klaren Kurs Mitte-Rechts für die Zukunft“, sagte er. Eine Regierungsbildung sei ohne die CSU nicht möglich. Mit dieser Situation werde seine Partei aber verantwortungsvoll umgehen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer stellte klar: „Wir brauchen zuerst eine klare Kursorientierung“, sagte Scheuer dem TV-Sender Phoenix. Er zeigte sich zugleich skeptisch gegenüber einem Jamaika-Pakt aus Union, FDP und Grünen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " CDU-Reaktionen nach der Wahl: „Wir brauchen keinen Ruck nach rechts“"

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  • Seehofer hat es verbockt:

    Die AfD ist vor 4 Jahren unter ihrem gemäßigten Parteichef Lucke nur knapp an der 5 %-Hürde gescheitert.

    Bereits damals hätte Seehofer sich an die Mahnung seines großen Führers erinnern sollen: "In Bayern darf es keine demokratisch legitimierte Partei Rechts von der CSU geben!"

    Hätte Seehofer vorausschauend gehandelt, und nicht nach seiner Wendehalspolitik, die sich nur nach den momentanen Befindlichkeiten der Wähler ausrichtet, hätte er die starre Bindung an die CDU aufgegeben, seine Mitglieder befragt, und die CSU bundesweit geöffnet.

    Dann hätte er glaubhaft im Herbst 2015 aus der Großen Koalition ausscheren können, da eine Grenzöffnung für Alle und Jeden im Koalitionsvertrag nie vereinbart war.

    Er hätte gegen CDU und SPD ungeniert holzen können. Hätte heute statt 6 %, 15 % der bundesweiten Wählerstimmen. Und seine Abgeordneten im Bundestag, und nächstes Jahr im Landtag, müssten keine Umzugskartons bestellen.

  • Das Gutmenschengeschwätz von "wir haben zu sehr versucht, die Meinung der AFD zu übernehmen und deshalb Stimmen verloren" zieht nicht mehr. Selbst ein Goldhamster weiß mittlerweile, dass die Politiker denken, sie könnten die Wähler so lange mit vernebelndem Blabla hinhalten, bis Deutschland von den Migranten übernommen ist. Das Wahlergebnis hat bewiesen, dass der Wähler mit seiner Geduld bereits am Ende ist.

  • Herr Leo Löwenstein25.09.2017, 12:15 Uhr
    "„Wir müssen die Themen ansprechen, die die Bürger bewegen in der Mitte der Gesellschaft - nichts tabuisieren, nichts schlechtreden, aber vor allen Dingen die AfD auch stellen.“"

    ..............................

    VOR 4 JAHREN gab es hier beim Handelsblatt eine wirklicher Schlacht der Kommentare von AFD Anhänger die den Handelsblatt mißbrauchten als Wahlpropaganda Bühne !

    Ich war damals und bin es heute immer noch GEGEN DIE AFD !!!

    UND ICH FRAGE NUN DER AFD :

    " Bei der AUDI AG in Neckarsulm wurde mal an dem Parkplatz der Mitarbeiter einen Bestandsaufnahme gemacht über das Thema wer einen AUDI fährt und wer FREMDMARKEN fährt ! "

    AFD ist so großartig für Deutschland ???

    WIE SIEHT DER BESTANDSAUFNAHME BEI DEN FAHRZEUGEN DER AFD HEUTE AUS ???

    VOR 4 JAHREN TADELTE ICH DASS DIE AFD für Deutschland sind aber die meiste damals Ausländische Schrottautos fahren würden. Lücke fuhr damals VW !

    WIE SIEHT ES HEUTE DA BEI DER AFD AUS ?

    Oder hat die AFD vergessen daß das Automobil Herstellung in Deutschland Brötchengeber Nummer eins direkt und indirekt ist ?

    Oder bleibt das eigener Verhalten der AFD doch darüber zu reden ein Tabu ???

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