CDU und CSU
Ungleiche Schwestern im Dauer-Clinch

Die Attacken von CSU-General Dobrindt auf Griechenland sind ein Affront gegen Merkel und ihre Euro-Politik. Der Unmut in der CDU ist groß. Dabei ist Streit zwischen den beiden Unions-Schwestern gar nicht so selten.
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BerlinDer Fehler liegt wohl im System. Die Union ist nicht eine, sondern sind zwei Parteien. Seit den Anfängen der Bundesrepublik bilden CDU und CSU lediglich eine gemeinsame Bundestagsfraktion. Grundlage dieser Zusammenarbeit sind die parlamentarische Praxis, nach jeder Wahl getroffene Vereinbarungen und die Geschäftsordnung des Bundestages. Grundlage ist aber nicht, dass man auf Biegen und Brechen immer in eine Richtung marschiert. Insbesondere in Wahlkampfzeiten liegen die beiden Unions-Schwestern gerne mal über Kreuz.

In diesen Tagen ist es das Thema Griechenland, das für große Unruhe sorgt, zumal der CSU der Euro-Kurs der Kanzlerin schon lange ein Dorn im Auge ist. Erschwerend kommt hinzu, dass in Bayern im kommenden Jahr gewählt wird. Da liegt es in der Natur der Sache, dass die CSU frühzeitig Farbe bekennen muss – auch und vor allen in der Griechenland-Frage. Generalsekretär Alexander Dobrindt hat das getan – in einer Art und Weise allerdings, die zahlreiche CDU-Leute auf die Palme gebracht hat. Um zu verstehen, warum Dobrindt so heftig gegen Griechenland austeilt, muss man die Vorgeschichte kennen.

Angela Merkel lieferte vergangene Woche der CSU die Steilvorlage für ihren Euro-Populismus. Am Ende des Krisentreffens mit ihrem neuen griechischen Amtskollegen Antonis Samaras hatte die Kanzlerin eine zentrale Botschaft verkündet: Nach dem Berliner Sommer, in dem schwarz-gelbe Politiker über einen Euro- Austritt Athens spekulierten, erklärte Merkel zum Ziel der „gesamten Bundesregierung“: Griechenland ist Teil der Euro-Zone.

Merkels Mahnung an die eigenen Koalitionäre war keine 24 Stunden alt, da setzte sich die CSU darüber hinweg. An einem Ausscheiden Athens führe kein Weg vorbei, verkündete Generalsekretär Dobrindt und nannte gleich ein Datum dazu: „Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Eurozone.“ Es könne nicht weiter nach dem Motto gehen: „Einmal Eurozone, immer Eurozone.“

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  • Teil 2

    Und danach war der falsch spielende Erdogan nämlich
    plötzlich nicht mehr gegen Israel, sondern begann einen
    nicht erklärten Krieg vor allem gegen Syrien - das
    Mördergesindel und dessen Nachschub wird zum grossen
    Teil über die Türkei eingeschleust - und den Iran. An
    diesen Grenzen wird auf türkischer Seite immer mehr aufgerüstet mit Ami-Waffen, Anschläge im Ausland provoziert und dort Agenten eingeschleust.

    Und jetzt zurück zur CSU, die auch "einen auf Erdogan"
    macht. Dobrindts Äusserungen sind plumpestes Wahlkampfmanöver für Dümmste, die sich erzählen lassen sollen, dass die CSU eigentlich dagegen sei, während sie tatsächlich stets MIT (!) Merkel und FÜR die Rettungsschirme stimmte! Das gilt ganz besonders für Herrn Dobrindt und Herrn Seehofer, die DAFÜR stimmten, sich jetzt aber für Dummbürger als Rächer der Enterbten gerieren möchten.

    Die CSU als Wolpertinger und Eierlegende-Wollmilchsau,
    die alles gleichzeitig bietet: sowohl DAFÜR als auch gleichzeitig DAGEGEN!

    Die CSU ist noch schlimmer als die CDU! Denn sie macht
    genau die Merkel-Politik mit, die Seehofer als "goldrichtig" bezeichnete, will dem Dummwähler aber in unehrlicher Manier suggerieren, dass sie dagegen wäre.

    Soviel Manns ist die CSU heute ja nicht mehr wie unter F.J.Strauss, der dieser Merkel-Politik längst ein Ende bereitet hätte.

  • Teil1

    Das darf man alles nicht so ernst nehmen, was die CSU da so von sich gibt. Das ist alles nur Wahlkampfgetöse.

    Ich möchte das mal mit einem anderen Beispiel im Ausland erklären, das man, weil Deutschland nicht volviert ist, mit Abstand betrachten kann.

    Vor mehreren Jahren machte der türkische Premier Erdogan in der Schweiz auf einer internationalen Konferenz ein öffentliches Getöse gegen Israel, weil dieses im Gaza-Streifen 2500 palästinensische Kinder ermordet hatte. Das stimmte
    zwar, aber Erdogan ging es nur um eine Propagandashow,
    die er dann mit einem Schiffs-Hilfskonvoi mit Lebensmitteln
    für den dann von den Israelis boycottierten Gaza-Streifen
    fortsetzte.

    In Wahrheit ging es Erdogan aber nur um ein politisches
    Kalkül! Die türkische Bevölkerung ist voll GEGEN Israel und
    FÜR die Palästinenser eingestellt und Erdogan wollte die
    Stimmung einfach hinter sich bringen.

    Nachdem ihm das gelungen war, machte er aber dann das
    glatte Gegenteil, eigentlich fast schon einen Putsch gegen
    das eigene Militär, indem er alle Generäle und wichtigen
    Leute absetzte und durch ihm ergebenes Personal ersetzte.

  • Klar, Seehofer hat die erste Wahl 2013 vor sich und die freien Wähler im Nacken. Beim ESM hat auch die CSU zugestimmt. Also, nicht als heiße Luft.

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