0 Bewertungen
29.10.2007 
Studie

CDU verliert Mitglieder

von Maximilian Steinbeis

Eine Abkehr vom Reformkurs käme bei der Basis der CDU nicht gut an. Dies legt eine aktuelle Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nahe, die den Trend zur Aktivistenpartei konstatiert: Danach sind 64 Prozent der Parteimitglieder der Meinung, die CDU sollte mehr Wert auf den Begriff Reform legen. Wie sich die Mitgliedschaft der CDU zusammensetzt.

BERLIN. Nur 25 Prozent glauben, der Begriff beschreibe den Parteikurs ohnehin schon gut. In der Umfrage wird erstmals seit 1993 detailliert untersucht, wie sich die Mitgliedschaft der CDU zusammensetzt und wo ihre politischen Präferenzen liegen. Wobei sich in der Zwischenzeit manches verändert hat – insbesondere ist die Zahl der Mitglieder drastisch zurückgegangen. 1993 gab es noch rund 685 000 CDU-Mitglieder, heute sind es weniger als 450 000.

Was aus Sicht der Verfasserin der Studie, der Parteienforscherin Viola Neu, allerdings kein Krisenzeichen sein muss: Offenbar sind es vor allem die passiven Mitglieder, die ihr Parteibuch zurückgeben. Das Aktivitätsniveau der verbliebenen Mitglieder sei in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, heißt es in dem Papier: Fast jeder Zweite (44 Prozent) kann sich vorstellen, ein Amt oder Mandat zu übernehmen. Bei der letzten Mitgliederumfrage 1993 war es nur jeder Vierte. 44 Prozent bevorzugten damals die passive Mitgliedschaft, heute nur noch 28 Prozent.

In den Daten könnte sich ein „neuer Mitgliedertyp abzeichnen“, schreibt Viola Neu. Die passive Unterstützung der Partei durch Mitgliedschaft könnte als Motiv in den Hintergrund getreten sein. „Möglicherweise treten nur noch solche Mitglieder in Parteien ein, die sich auch politisch engagieren wollen.“ Das Bedürfnis nach Geselligkeit spielt denn auch eine immer geringere Rolle: 1993 wünschte sich noch jeder Dritte mehr Versammlungen, heute nur noch jeder Vierte.

Die Parteimitgliedschaft wird dabei offenbar auch immer mehr zu einer Domäne der finanziell und bildungsmäßig gut ausgestatteten Schichten. Die Arbeiterschaft hat in der CDU seit 1993 stark an Boden verloren: Ihr Anteil ging von 16 Prozent auf sechs zurück. Stark zugenommen hat dagegen der Anteil der gehobenen und höheren Beamten und Angestellten: Heute sind es 46 Prozent, 1993 waren es noch 29 Prozent. 1993 hatten 43 Prozent der Mitglieder Hauptschul-, 32 Prozent Realschulabschluss und 25 Prozent Abitur. Heute haben sich die Verhältnisse fast umgekehrt: Abitur haben 46 Prozent, mittlere Reife 31 Prozent und Hauptschulabschluss nur noch 19 Prozent.

Stark ausgeprägt ist nach wie vor die kirchliche Bindung in der CDU. Etwa jedes zweite Parteimitglied ist stark kirchengebunden, rund 40 Prozent schwach, nur sechs Prozent überhaupt nicht. 1993 war noch knapp jedes zweite Mitglied schwach kirchengebunden, etwas unter 40 Prozent stark und rund 13 Prozent gar nicht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die vier Mitgliedstypen der CDU.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Finanzkrise: Nationale No...

    Finanzkrise: Nationale Notprogramme

    Der Vertrauensverlust in der internationalen Finanzwirtschaft zwingt die Politik zu umfangreichen Rettungsaktionen. In der Europäischen Union wird derzeit jedoch vor allem an nationalen Lösungen gebastelt. Wer tut was?Bildergalerie 

  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Merkel & Co überhöhen den Staat  Artikel in Merkliste

07.10.2008, 17:55 Uhr von Thomas Hanke

Merkel verkalkuliert sich: Sie spekuliert auf das Vertrauen der Bürger in den Staat, füllt dessen Aufgaben aber nicht überzeugend aus. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Wo steht der Feind?  Artikel in Merkliste

07.10.2008, 17:38 Uhr von Andreas Rinke

Durch Verhandlungen mit den Taliban könnte den westlichen Soldaten der Feind abhanden kommen. Eine Klärung ist erforderlich. Kommentar