CDU-Wahlergebnis
Die bittere Niederlage des Lorenz Caffier

Mit einer peinlichen Plakataktion startete CDU-Spitzenkandidat Caffier in den Wahlkampf - und verspielte viel Respekt. Nach der historischen Niederlage hofft der CDU-Spitzenmann nun auf ein Weiterregieren mit der SPD.
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„So ist das, wenn man nur Partner ist“, seufzt Lorenz Caffier. Der Spitzenkandidat der CDU hat soeben das mehr als enttäuschende Wahlergebnis seiner Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hinnehmen müssen. 

Es ist das schlechteste der Christdemokraten im Nordosten überhaupt. Dabei ist Caffier durchaus stolz auf seine Arbeit als Innenminister in der bislang regierenden großen Koalition von Schwerin. Doch ob er auch künftig zusammen mit dem alten und neuen SPD-Ministerpräsidenten Erwin Sellering im Land mitbestimmen kann, ist am Wahlabend offen. 

Mit seinem Wahlkampfauftakt hatte sich Caffier Anfang August bundesweite Aufmerksamkeit verschafft. Der plakatierte Slogan „C - wie Zukunft“ brachte ihm allerdings mehr Häme als Respekt ein. Der Politiker konnte dem Fehlstart trotzdem etwa Positives abgewinnen. Immerhin habe das Plakat seinen Bekanntheitsgrad deutlich gesteigert. Dabei ist etwas schönzureden eigentlich nicht die Art des 56 Jahre alten CDU-Politikers. Er liebt es eher hemdsärmlig, kumpelhaft und mit klaren Ansagen. Seit fünf Jahren sitzt er als Innenminister mit Sellering am Kabinettstisch. Beide versichern, gut und vertrauensvoll miteinander regiert zu haben. 

In den vergangenen fünf Jahren war Caffier für die Details einer umfassenden Verwaltungsreform verantwortlich, die bei Kommunalpolitikern äußerst ungeliebt ist. Am Tag nach der Landtagswahl tritt sie mit der Einteilung neuer riesiger Landkreise in Kraft. Caffier hat auch die Polizeistruktur neu geordnet, was nicht bei allen Beamten auf Begeisterung stieß. Stolz und ein bisschen trotzig verweist er auch am Wahlabend auf diese Erfolge, die die Wähler aber wohl eher der SPD zuschrieben. 

Überregional machte sich Caffier einen Namen, weil er als einer der ersten in der CDU ein erneutes Verbotsverfahren gegen die NPD forderte, die es wohl erneut in den Schweriner Landtag geschafft hat. Als Innenminister versuchte er, den Rechtsextremen mit verschiedenen Verordnungen und Erlassen das Leben schwer zu machen. Deshalb kann zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern ohne klares Bekenntnis zur Verfassung niemand mehr ehrenamtlicher Bürgermeister werden. 

Caffier denkt zudem gern einmal über eine „kontrollierte Zuwanderung“ nach, was in einem Land mit Bevölkerungsschwund und Facharbeitermangel nicht verwundert. Auch spielt er mit dem Gedanken an eine Schwarz-Grüne-Koalition, für die aber trotz der grünen Wahlerfolge auch weiterhin die Mehrheiten fehlen. Als politische Vorbilder nennt er sowohl CDU-Kanzler Helmut Kohl als auch dessen SPD-Vorgänger Helmut Schmidt.

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