0 Bewertungen
06.07.2008 
Pendlerpauschale

CDU wehrt sich gegen CSU-Attacken

von Sven Afhüppe

Mehrere Spitzenpolitiker der CDU haben die Angriffe von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) heftig kritisiert. "Der politische Gegner sind Sozialdemokraten, Grüne und Linke, und nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel", sagte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach dem Handelsblatt.

BERLIN. Auch Michael Meister, ebenfalls stellvertretener Fraktionsvorsitzender der Union, forderte, dass die CSU ihre parteiinternen Debatten nicht auf die Schwesterpartei übertragen soll.

Anlass der unionsinternen Auseinandersetzung waren Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein, der in ungewohnt scharfem Ton die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale gefordert und gleichzeitig Kanzlerin Merkel persönlich attackiert hatte.

Die Union komme über die 35-Prozent-Marke nur hinaus, wenn wir genau dort hinschauen, wo die Menschen der Schuh drückt, sagte Beckstein der "Süddeutschen Zeitung". Es wäre ein "verheerender Fehler, wenn die CSU das Thema beerdigen würde, nur weil Angela Merkel noch nicht Ja sagt", sagte er weiter.

Innerhalb der Union werden die Angriffe Becksteins vor allem mit dem wachsenden Druck im bayerischen Landtagswahlkampf interpretiert. In Umfragen liegt die CSU immer noch unter der Marke von 50 Prozent. Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber wollen Ende September jedoch die absolute Mehrheit der CSU in Bayern verteidigen, um weiter allein regieren zu können.

Bundeskanzlerin Merkel wie auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) haben die CSU-Forderungen nach der Rückkehr zur alten Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer immer wieder mit dem Hinweis auf den Vorrang der Haushaltskonsolidierung abgelehnt.

Nach Berechnungen des Finanzministeriums würde eine entsprechende Änderung die öffentlichen Kassen mit rund 2,5 Mrd. Euro belasten, ungefähr die Hälfte der Ausfälle muss der Bund schultern. Die Spitzen von Union und SPD hatten sich deshalb bei den beiden letzten Sitzungen des Koalitionsausschusses darauf verständigt, zunächst das ausstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur geltenden Pendlerpauschale abzuwarten.

Unions-Fraktionsvize Bosbach hat zwar inhaltlich Verständnis für die Forderungen der CSU, hält ein Abrücken von den Vereinbarungen im Koalitionsausschuss aber für undenkbar. "Das Thema Pendlerpauschale ist angesichts der hohen Spritpreise nicht zu unterschätzen, für viele Menschen hat sie enorme Bedeutung", sagte Bosbach.

Die Entscheidung, zunächst das Urteil der Verfassungsrichter abzuwarten, habe aber nicht die Kanzlerin allein, sondern die gesamte Koalitionsführung getroffen. Deshalb könne man Angela Merkel in diesem Punkt nichts vorwerfen. "Die CSU sollte solche Attacken unterlassen, sie schaden am Ende der Union insgesamt", sagte Bosbach dieser Zeitung.

Auch CSU-Vize Horste Seehofer distanzierte sich von den Angriffen aus Bayern. "Unser größter Trumpf ist die Kanzlerin, und sie wird es auch 2009 sein", sagte er.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Aus dem Frühling in einen...

    Aus dem Frühling in einen frostigen Winter

    In dieser Woche jährt sich das Ende des „Prager Frühlings“ von 1968. Damals wollten tschechoslowakische Reformer das totalitäre System an eine Demokratie annähern. Der Versuch scheiterte in der Nacht zum 21. August 1968, als sowjetische Panzer auf Prag vorrückten.Bildergalerie 

  • „Das Schlimmste steht noc...

    „Das Schlimmste steht noch bevor“

    Die Finanzkrise beherrscht das diesjährige Treffen der Wirtschafts-Nobelpreisträger in Lindau. Die Top-Ökonomen Clive Granger, Daniel McFadden, John Nash und Myron Scholes analysieren für das Handelsblatt die Ursachen und skizzieren Wege aus der Krise. Bildergalerie 

  • „And the winner is ...“

    „And the winner is ...“

    Verlässlich ist in Washington vor allem eines: dass nichts lange geheim bleibt. Umso überraschender ist, dass bis jetzt nicht bekannt ist, wen Präsidentschaftskandidat Barack Obama im Falle eines Wahlsieges zu seinem Vize machen will. Am heutigen Mittwoch will der Demo...Bildergalerie 

  • Pakistaner feiern Musharr...

    Pakistaner feiern Musharrafs Rücktritt

    Freudentaumel in Pakistan: Die Menschen feierten den angekündigten Rücktritt von Präsident Pervez Musharraf mit spontanen Jubelfesten. Ob vor dem Fernseher oder auf offener Straße – vielerorts war Euphorie zu spüren.Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein Wahnsinn  Artikel in Merkliste

21.08.2008 von Robert Landgraf

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das hat sich die staatseigene KfW-Bankengruppe gesagt und ihre Mehrheitsbeteiligung an der Mittelstandsbank IKB an den Finanzinvestor Lone Star verkauft. Die Politik stimmte zu. Doch das darf es nicht gewesen sein. Jetzt ist die Aufarbeitung fällig – und zwar die öffentliche. Kommentar