CDU-Wirtschaftsflügel
„Der Laurenz hat hier keine Freunde mehr“

Abgesägt: Auf Platz 35 der NRW-Landesliste hat Laurenz Meyer kaum Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Meyer könnte auf eine Kampfkandidatur setzen, doch wer den 61-Jährigen in diesen Tagen in seinem Bundestagsbüro besucht, trifft keinen Kämpfer. Wie die CDU einen ihrer Wirtschaftsexperten vergrault.

BERLIN. Dort, wo das Ruhrgebiet in das Münsterland übergeht, wo sich Stadt und Land vermischen, will Laurenz Meyer das Unmögliche schaffen. Ausgerechnet im Wahlkreis Hamm-Unna II, den der kauzige SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz seit 1987 hält und zuletzt mit 55 Prozent gewonnen hat, will der wirtschaftspolitische Sprecher der Union im Bundestag ein Direktmandat erkämpfen. "Ich bin optimistisch", sagt Meyer.

Optimismus, den braucht der CDU-Wirtschaftsexperte in diesen Tagen. Schon die Tatsache, dass Meyer überhaupt darum bangen muss, wieder ins Parlament einzuziehen, ist eine Nachricht wert. Immerhin ist der 61-jährige wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion und als solcher einer der wenigen Wirtschaftsleute der Partei, der auch einem breiterem Publikum bekannt ist.

Doch bei der Aufstellung der Landesliste wurde das nicht honoriert. Im Gegenteil. Um den Lebemann Meyer, dessen jüngste Hochzeit mit einer 26 Jahre jüngeren Justizangestellten nicht im Ruhrgebiet sondern in der "Bunten" stattfand, um den Politiker, dessen Golf-Handicap nach Ansicht seiner Kritiker auf recht viel Übung schließen lässt, ist eine regelrechte Schlammschlacht entbrannt.

Das Ergebnis lautet für Meyer schlicht: Listenplatz 35.

Damit hat er keine Chance über die Liste wieder in den Bundestag einzuziehen. Bei der Wahl 2005 reichte Platz 33 gerade noch für den Sprung nach Berlin. In diesem Jahr dürfte es für Listenkandidaten noch enger werden. Weil die Linkspartei der SPD Stimmen wegnimmt, könnte die Zahl der Direktmandate der CDU steigen - und die haben bei der Besetzung des Parlaments Vorrang. Die letzte Möglichkeit, für eine bessere Position zu streiten, bietet sich Meyer am Samstag, wenn die rund 200 Delegierten in Mühlheim das Kandidatenpaket endgültig schnüren.

Doch wer Meyer in diesen Tagen in seinem Bundestagsbüro besucht, trifft keinen Kämpfer, zumindest was den Listenplatz angeht. "Wenn die Parteiführung in NRW meint, genügend wirtschaftspolitische Kompetenz an Bord zu haben, muss ich mich dem fügen", sagt er lapidar. Die Medien erwarten trotzdem einen Showdown: Regionalsender werden mit Ü-Wagen vom Parteitreff berichten. Meyer aber dementiert weiter, antreten zu wollen, er setze auf den Wahlkreis.

Vor allem die Mittelständler in der NRW-CDU drängen ihn, für einen guten Listenplatz zu streiten. In Emails sichern sie Meyer "volle Unterstützung für eine Kampfkandidatur" zu. Es wäre der Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die die CDU in Nordrhein-Westfalen seit Monaten beschäftigt und alle Aufrufe von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, die Partei möge sich in Geschlossenheit üben, ungehört verhallen lässt. Klüngel in Köln, Schlappe vor dem Verfassungsgericht wegen des Kommunalwahltermins - Rüttgers hat allen Grund, Ruhe zu fordern. Umfragen belegen, dass die CDU im Ruhrgebiet das Wiedererstarken der SPD fürchten muss.

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