CDU-Wirtschaftsflügel
Trostbringer Guido Westerwelle

Enteignung bei Banken, Staatseinstieg bei Opel - der Wirtschaftsflügel der Union hängt in den Seilen. Zu Besuch beim Bundessymposium des CDU-Wirtschaftsrats war nun ein Hoffnungsträger - ausgerechnet FDP-Chef Guido Westerwelle. Das mutet in diesen Tagen wie ein Hilferuf an.

BERLIN. Ganz geheuer scheint Kurt Lauk die Sache doch nicht zu sein. Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats schaut vom Podium in die erste Reihe auf die Zuhörer und nimmt Guido Westerwelle ins Visier. Als ob Lauk die Courage vor der Einladung des FDP-Chefs als Stargast verloren hätte, bittet er ihn angesichts der 18-Prozent-Umfrageergebnisse für die Liberalen: "Seien Sie nett zur CDU, denn das ist ja die Partei, die Ihnen entgegenkommt."

Da geht ein erstes leichtes Raunen an diesem Abend durch die Reihen der 400 politisch Interessierten, die sich am Montag Abend in die Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin zum Bundessymposium des CDU-Wirtschaftsrates aufgemacht hatten. Und alle wissen: Wenn die Wirtschaftsexperten der Union den FDP-Chef bemühen, mutet das in diesen Tagen wie ein Hilferuf an.

Was müssen sie nicht alles hinnehmen! Enteignung bei Banken, Staatseinstieg bei Opel - was vor Monaten noch in weiten Teilen der Partei als undenkbar galt, bestimmt jetzt die tägliche Debatte. Die CDU trifft es besonders hart, muss sie sich doch von alten Überzeugungen verabschieden - zumindest zeitweise. Kein Wunder also, dass die Christdemokraten auf Westerwelle schauen.

Der Oberliberale nutzt die Chance nicht bis zur Neige aus. Ganz im Gegenteil. Ruhig, sachlich referiert er über weite Strecken, wie ein richtiger ordnungspolitischer Kurs aussieht. Der FDP-Chef warnt zunächst vor einer anderen Republik, in der eine linke Mehrheit von Rot-Rot-Grün das Sagen hat, wenn es das bürgerliche Lager bei der kommenden Bundestagswahl im Herbst wieder nicht schafft.

Mit voller Wucht legt die Finanzkrise auch an diesem Abend offen, wie schwach der Wirtschaftsflügel der Union besetzt ist. Da gibt es den Wirtschaftsrat, der jetzt Zuflucht bei Westerwelle sucht. Da gibt es die Mittelstandsunion mit Josef Schlarmann, der zwar immer für harsche Kritik an der Kanzlerin gut ist, sonst aber ohne Durchschlagskraft bleibt. Hoffnungen setzt die CDU auf Norbert Röttgen, dem die Kanzlerin den Marschbefehl zur Profilschärfung erteilt hat. Und auf den neuen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Seite 1:

Trostbringer Guido Westerwelle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%