Chaos am Mainzer Bahnhof Bahn zieht personelle Konsequenzen

Verkehrsminister Ramsauer hat sich in die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof eingeschaltet. Kommende Woche sollen noch mehr Züge im Rhein-Main-Gebiet ausfallen. Die Bahn hat inzwischen einen Manager entlassen.
Update: 10.08.2013 - 01:29 Uhr 17 Kommentare
Blick auf den Bahnsteig am Mainzer Hauptbahnhof: Die Bahn entlässt als Konsequenz der Betriebsstörungen einen Manager. Quelle: dpa

Blick auf den Bahnsteig am Mainzer Hauptbahnhof: Die Bahn entlässt als Konsequenz der Betriebsstörungen einen Manager.

(Foto: dpa)

Mainz/BerlinBundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) greift beim Chaos am Mainzer Hauptbahnhof ein. Wegen andauernder Zugausfälle und Personalmangels telefonierte Ramsauer am Freitag mit Bahnchef Rüdiger Grube. Beide schätzten das Problem gleich ein, hieß es in Ministeriumskreisen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Situation in Mainz ein Einzelfall bleibe. Die Probleme werden auch den Bahn-Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung beschäftigen, wie Ramsauers Staatssekretär Michael Odenwald mitteilte. Odenwald gehört selbst dem Gremium an.

Seit einer Woche fallen in Mainz viele Züge aus oder werden umgeleitet, denn knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter für das Stellwerk ist krank oder im Urlaub. Die Probleme für Fern- und Regionalzüge werden bis mindestens Ende August dauern. Sie verschärfen sich ab Montag noch. Dann gibt es auch tagsüber größere Einschränkungen, nicht nur abends und nachts.

Zumindest für das Fußball-Bundesligaspiel Mainz-Stuttgart am Sonntag wird das Chaos für einige Stunden etwas gebremst. Die Deutsche Bahn setzt außer einem Sonderzug mehr S-Bahnen ein - ein Fahrdienstleiter springt nach Angaben einer Bahnsprecherin ein, so dass es für einen kurzen Zeitraum personelle Verstärkung gibt. Rund 3200 VfB-Fans sollen in Mainz zu Gast sein, schätzt der VfB Stuttgart.

Das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof hat offenbar personelle Konsequenzen bei der Bahn. Wie die „Stuttgarter Zeitung“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, wird der Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden. Der Schritt sei schon seit längerer Zeit geplant gewesen, die aktuellen Ereignisse in Mainz hätten die Ablösung jedoch beschleunigt, hieß es dem Blatt zufolge. Ein Bahn-Sprecher sagte am Freitagabend auf Anfrage: „Personalien kommentieren wir nicht.“

Die Union will den Bundestags-Verkehrsausschuss mit dem Thema befassen. „Der Verkehrsausschuss wird sich nach der Bundestagswahl sicherlich mit dieser Thematik beschäftigen“, sagte das Ausschussmitglied Steffen Bilger (CDU) Handelsblatt Online. „Die Bahn muss jetzt glaubhaft machen, dass sie am Problem arbeitet und so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt.“

Bilger warnte zugleich die Bahn davor, auf Kosten der Fahrgäste zu sparen. „Sollte die Deutsche Bahn AG tatsächlich bewusst über zu wenig Personal vor Ort verfügen, erwarte ich, dass sie dieses Problem in Griff bekommt. Bei allem Verständnis dafür, dass die Bahn auf die Kosten schaut - so etwas darf nicht vorkommen“, betonte der CDU-Politiker.

Das Unverständnis im Bundesverkehrsministerium ist groß. Staatssekretär Odenwald schrieb der Bahn, die weitgehende Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofes sei „nicht akzeptabel“. Die Bahn solle prüfen, ob Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt oder von anderen Standorten aus eingesetzt werden könnten. Dies hatte die Bahn am Donnerstag allerdings bereits verneint mit der Begründung, das Stellwerk in Mainz sei sehr komplex.

Das Eisenbahn-Bundesamt leitete ein Verfahren ein. Dabei werde ein möglicher Verstoß der Bahn-Tochter DB Netz AG gegen die Betriebspflicht untersucht, sagte Sprecher Moritz Huckebrink. Das Bundesamt erwarte eine Stellungnahme der Bahn, wie der sichere Betrieb in Mainz unverzüglich wieder aufgenommen werden könne.

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17 Kommentare zu "Chaos am Mainzer Bahnhof: Bahn zieht personelle Konsequenzen"

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  • @ K.West

    "Das ist die Lösung dieses Problems?!?"

    Ja! Die Spitzenmanager der Bahn, allen voran die absolut unfähige uns hochnäsige Grube, haben beim Personal so viel eingespart, dass jetzt dieser eine Manager, der sowieso in paar Monaten gegangen wäre, jetzt eine mehr als üppige Abfindung bekommt.

    Wer sich für so ein Unternehmen abackert, der ist selbst schuld. Deswegen Daumen hoch für das Personal der Weichensteller, das sich nicht hat ausnutzen lassen, von solch einer Lusche wie Grube.

  • @stefriegel: Macht doch nichts. Wenn wir nicht mehr wissen, wie es geht, fragen wir unsere "guten Freunde",
    wie unsere Baupläne und Ideen denn aussehen.

    ggf. können wir auch KXEYSCORE und andere Lern- / Testtools dafür verwenden.

  • Verstehe ich das richtig:

    Ein Manager, der ohnehin gehen sollte,
    geht nun früher und erhält dementsprechend,
    weil vertraglich vereinbart nur mehr Geld?

    Das ist die Lösung dieses Problems?!?

    Ich hätte ihn auch als Mitarbeiter in dieser Zeit
    höchstpersönlich versetzt - teuer, aber werbewirksam.

    By-the-way: Schon mal was von der neuen Job-Bahn-Kampagne gehört: "Wir stellen 1.000 Mitarbeiter ein?".

    Die Kampagne hätte lauten müssen: Wir stellen billigst, gerne begfristet, noch besser via Zeitarbeit ein und dann auch noch richtig schlecht bezahlt. Bewerbt Euch einfach mal bei denen oder noch besser über einen Vermittler bzw. eine andere Leiharbeitsfirma und fragt mal nach den Konditionen - da würde ich auch den Krankenschein häufiger auspacken....

    Wäre ich doch Manager - ich wäre freigestellt
    und erhalte dann noch mehr Geld als zuvor.

  • Warum feuert man Hess? Man hätte ihn doch besser als Fahrdienstleiter in Mainz einsetzen können...

    Was mich aber wirklich stört ist, dass man den Transport von Fußballfans sicher stellt, die tausenden Pendler, die jetzt jeden Tag zusehen müssen, wie sie zur Arbeit kommen, jedoch vertröstet

  • Und Mehdorn ist heute beim neuen Flughafen Berlin, der auch nur eine Schande ist
    Diese ganze nichtsnutzige Manager-Bande muß weg

  • "Wenn wir nicht bald zurückkehren zu einer normalen Marktwirtschaft, ist Deutschland am Ende"
    Da gebe ich ihnen recht. Ich würde den neoliberalen Wahn aber eher schwarz-geld zuschreiben. Die gelben Chaoten sind ja bis heute von diesem Privatisiserungsirrsinn überzeugt.

    Leider lehnen nur die Linken die Privatisierungsanstrengungen ab. Müssten mehr Parteien sein. Auch der SPD würden da einige Änderungen in ihren Vorstellungen gut zu Gesicht stehen.

  • Man sollte dabei nicht vergessen, wer die Vorgaben zur Privatisierung gemacht hat, es war der Kanzler Schröder von Rot/Grün. Mehdorn hat "zielstrebig" versucht, das umzusetzen, was die Poltik als Leitziel vorgegeben hat. Inzwischen gilt das Ziel nicht mehr, aber die Folgen dieser Vorgaben bekommen wir nun zu spüren.

  • Mehdorn hat es gerichtet. Die Bahn ist privatisiert und ein Chaos.
    Solch einem "erfolgreichen" Manager kann man die nächsten Aufgaben geben!!!!

    Einen Manager nach seinem Gewinn zu beurteilen ist eines. Nach seinen Folgekosten wäre das richtige.
    Er sollte seinen Lohn nach dem Gewinn 5 Jahre nach seinem Ausscheiden bekommen. Wenn dann keine Probleme aufgetreten sind und alles gut läuft dann hat er sein Geld verdient.

  • Normale Markwirtschaft? Wo haben wir die denn? Wo ist denn die normale und angeblich ach so regulative Marktwirtschaft wenn es um die Banken geht? Ach ja ich vergaß, die Banken stehen unter Artenschutz, da angeblich "systemrelevant".

  • Wir können keine Züge mehr fahren lassen. Wir können keine Bahnhöfe mehr bauen. Wir können keine Flughäfen mehr bauen, oder bauen sie dort wo keiner fliegen will. Wir können keine Offshore-Anlagen verkabeln. Wir fahren die Energergiewende an die Wand. Deutschland, langsam wird es peinlich.

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